Tröpfchen ist traurig

Nun war also Tröpfchen nach
Griechenland gekommen. Meine
Bewunderung für dies kleine Dingelchen
kannte keine Grenzen. Und Tröpfchen kannte wohl auch keine, was die
Entfernung Deutschland – Griechenland betrifft. Hat sich ganz
allein auf den Weg gemacht, nur, um mir in den Stunden Pan´s wieder
nahe zu sein.
Ja, wie war das noch? Auf den
Schwingen der Phantasie....Was da alles geht!
Hat einfach den nächsten Flieger...
Entschuldigung, Wolke... genommen, Tröpfchens reisen ja per
Wolke.... und hat über die Alpen sehr stressig Wolkenhopping
gemacht. So, wie man hier Inselhopping macht.
Wie man weiß, herrscht ja dort meist
Streik. Bei den Wolkenfluggesellschaften zählen die Alpen überhaupt
zum meistbestreikten Gebiet . Aber so ein paar Streikbrecher schaffen
es immer wieder, über sie hinweg zu kommen. Tröpfchen hat sie mutig
gefunden. Und ab Thessaloniki ist das kleine Wesen im Überlandbus
gereist. Das muss man sich mal vorstellen! Fliegt einfach in den
Kofferraum und lässt sich fahren.
Also ich , in meiner menschlichen Größe
und Gestalt, freue mich zwar immer auf den Flug nach Deutschland und
zurück... es gibt in diesem Moment dort oben nichts Erhabeneres als
diesen weiten Himmel... aber die Strapazen bis dahin sind doch
gewaltig.
Dieses Elfenmädelchen aber fliegt
einfach los, quer Feld - Beet, äh, Himmel - Wolke, quert die Alpen
, macht ´ne Bruchlandung in meinen Blumen..grad als ich ein wenig
eingenickt war... und ist da.
Und nun haben wir ein Problem.
So, wie ich mein geliebtes Heimatland
verließ, Knall, Fall, einfach so, weil man mich hier brauchte, so
verließ Tröpfchen diesen wunderbaren Garten. Nicht bedenkend, was
es hier vorfinden würde.
Genau das ist das Problem. Ich habe gar
keinen Garten. Ich habe nur auf meinen Balkons Blumenkästen und
-pötte. Wie kann da denn ein kleines Elflein zufrieden sein, das in
einem solch schönen Garten gelebt hat. Ich weiß, wovon ich spreche.
Aber ich bin alt und Gartenarbeit ist passee. Die paar Pötte reichen
m i r vollkommen. Aber Tröpfchen???
Und dann ist es eines gar nicht mehr so
schönen Tages so weit, Tröpfchen sitzt inmitten einer kleinen
Wasserpfütze.
„ Oh, Tröpfchen, was ist passiert?
Sind deine Röckchenzipfel undicht , eventuell die Stoffmembrane
mürbe geworden? Oder gar gerissen?“
Wie man weiß, gehört Tröpfchen zu
den Blumenelfen und Wasserträgern. Auch vor dem Land der Elfen hat
der Fortschritt nicht Halt gemacht. Und so hat man diese Elfen mit
hochtechnisierten Hilfsmitteln ausgestattet. Sie tragen zwar
immernoch wie von Alters her ihre Zipfelröckchen, aber diese Zipfel
sind ein Wunderwerk unserer modernen Stoffindustrie. Sie enthalten
eine Membrane, und sie filtern Wasser aus der Luft. Sind also immer
wassertragend. Tröpfchen muss nur noch auswringen. Dass sie aber so
schnell absorbieren und ständig einsatzbereit sind, tja, das ist
eben das Märchenhafte.
Als ich nu Tröpfchen so im Nassen
sitzen sah, dachte ich, der Sturz in meine Blumen , hätte
vielleicht das Röckchen beschädigt. Ich nahm Tröpfchen behutsam
hoch und setzte es auf meine Hand. Wollte nach dem Röckchen schauen.
Da sah ich es -
Tröpfchen weinte.
Es weinte solch große Tränen, wie ich
sie nie gesehen hatte. Als müsse es auch damit noch die Pflänzchen
wässern.
“Aber Tröpfelchen, was ist denn
geschehen? Weswegen musst du so weinen?“
„Hgh-hgh-hgh,“ schluchzte es da
abgrundtief. Und dann brach es aus ihm hervor:
„Da bin ich jetzt Hals über Kopf
hier her gekommen , dachte du brauchst mich. Und nun ist alles nicht
so, wie ich dachte . Habe mir das alles ganz anders vorgestellt. Aber
nun bin ich hier und diesen Weg, den schaff ich nicht noch einmal
zurück...“
„Ach, Tröpfchen , wie gut ich diese
Worte kenne, es sind fast die gleichen, die ich schon so oft
dachte. Schau , auch ich bin Hals über Kopf hierher geeilt.
Dachte, ich hätte hier eine neue Aufgabe...und alles ist ganz anders
gekommen. Wie sehr ich dich verstehen kann. Aber sag, was ist es ,
was du hier erwartet hast, vielleicht könnten wir das Problem
lösen.“
„ Najaaa, ich habe mir hier viel mehr
Blumen vorgestellt und dass du mich hier brauchen würdest. Aber was
soll ich mit paar Blumenkästen und Pötten`... und die begießt Du
auch noch selbst. Was soll ich also hier? Du brauchst mich doch gar
nicht...“
„Sage doch sowas nicht. Und wie ich
dich brauche. Allerdings stimmt, ich habe immernoch selber gegossen.
Aber siehst du, wie meine Blumen da stehen? Durstig und verwelkt. Bei
diesen Temperaturen müsste ich zweimal gießen. Aber Tröpfchen, ich
kann das nicht mehr. Es wird mir einfach zuviel. Ich bin abends
ausgepowert..aber du hast ja Recht, nun kannst du das ja machen. Du,
das ist eine große Hilfe für mich..“
„Hgh-hgh-hgh“, schluchzte es noch
einmal auf und dann überzog schon ein kleines Lächeln sein
Gesichtchen.
“Und du meinst das wirklich im Ernst? Ich dachte schon,
du vertraust mir nicht.“
„Nein, nein, das war einfach
Gedankenlosigkeit. Weißt du, die meisten Fehler machen wir Menschen
aus Gedankenlosigkeit und das sind oft die schlimmsten.
Fehler darf man machen, aber bitte, denselben doch nur ein einziges Mal. Wenn du
aber gedankenlos bist, passieren sie immer wieder. Und das ist das
wirkliche Übel daran. Also, ab morgen hab ich ein Privat-Tröpfchen.
Mann, is des toll! Tröpfchen , wie schön, dass du da bist..“
Da richtete es
sich auf. Und wie es so da stand und strahlte,fing die Sonne sich in
seinen Flügeln und ein Funkenspiel umgab es. Auch die Art und Weise,
wie possierlich das kleine Wesen sich bewegte, war so niedlich,dass
ich es hätte nur immer ansehen mögen, um meine Freude an ihm zu
haben.
„Tröpfchen, ich
muss dir aber noch etwas sagen. Weißt du, nicht nur, dass du nun
meine Pflänzchen versorgst, ich brauche dich noch für etwas viel
Schöneres.
„Ja gibt es denn
Schöneres, als für die Blümchen zuu sorgen?“
„Hmm, hm, hm,
ja, es gibt noch Schöneres. Hahaha, zumindest für mich. Ich kann
wohl nicht in meiner Größe da dazwischen herum hopsen. Aber weißt
du, ich kann dir zusehen. Ich kann hier sitzen, alle Viere gerade
sein lassen, ein wenig vor mich hindösen und dir dabei zusehen,
wie du dich dort
um die Pflänzchen kümmerst. . Du bist solch ein zauberhaftes Wesen
und in deinen Flügeln scheint ein Regenbogen.
Weißt du, bei
uns Menschen sagt man, es sei das Wunderbarste, einen anderen
Menschen glücklich zu machen. Und das machst du. Wenn ich dich da
betrachten kann, geht mir das Herz auf, ich sitze hier und finde es
wundervoll, ja einfach märchenhaft.“
Ach, wie strahlte
da das kleine Wesen!
Da nahm ich mir
vor, Tröpfchen auch eine große Freude zu machen. Hatte auch schon
eine Idee.
Davon aber
nächstes Mal.

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