Nicht mein Morgen
oder
Ein Morgen mit Purzel
Draußen ist schon hell. Die Sonne noch
nicht da. Jedoch der nahe Bergrücken hat sie schon eingefangen. Das
Erste, was ich sehe ,wenn ich morgens die Augen aufschlage und das
Erste, was ich liebte, als ich hierher zog. Diese weite
sonnendurchglühte Bergflanke.
Ein leichter Wind bauscht den Vorhang.
Er bringt ein wenig Kühle. Selbst für Griechenland war dieser
Sommer zu heiß, zu ununterbrochen heiß. Seit Wochen stehen
sämtliche der Balkontüren offen. Es sind Schiebetüren, die können
nicht knallen. Und sind die beste Klimaanlage. Ach, jetzt könnte man
noch eine Mütze Schlaf bekommen. Bin erst gegen vier Uhr ins Bett
gegangen. Es ist für mich zu schade, mich sinn - und schlaflos im
Bett zu wälzen. Da arbeite ich lieber an meiner „Dicken“, einer
Gipsplastik, weiter.
Aber ich scheine nicht nur zu wenig
geschlafen zu haben, ich habe wohl auch schlecht gelegen . Ich muss
mich erst einmal sortieren. Alles tut weh. Alles knackt. Ach ja, noch ne Mütze Schlaf...
Das sieht Purzel anders. Während ich
versuche, was sich noch bewegen lässt, turnt der auf mir und dem
Bett herum. Das darf er. Er ist ein echter Stubentiger, wohnt in der
3. Etage und kommt nicht raus. Ist also absolut sauber. Und noch so
klein! Nur das Hopsen soll er lassen ...
„Purzellll!!! Du sollst Ruhe geben!!“
„Und du mir mein Fresschen. Sonst
beiße ich dich ein bisschen in den Zeh,“ miaut er
Das macht der. Das macht der glatt .
Das macht der viel zu gerne. D e r domestiziert seinen Menschen! Also
hoch! Aua! Alles knackt. Wie war das noch, wenn alles knackt? Ach ja,
hm, da bin ich ja ganz schön knackig! Kicher! Aber ach, meine
Beine!!
Ich habe ein Lymphproblem , aber in
den letzten Tagen meine superteuren Maßanfertigungen von Strümpfen
nicht getragen. Ach hätte ich doch nur! Jedoch bei diesen
Temperaturen! Eigentlich wollte ich heute ans Meer. Aber mit diesen
Beinen? Das tu ich mir nicht an. Also nicht Meer. Strümpfe! Aber wo
sind sie?
“Purzel, haste sie gefressen?“
Natürlich hat er nicht. Aber wie
gesagt, er ist noch klein und alles um ihn herum ist Spielzeugland.
Was nicht niet- und nagelfest, das wird Spielzeug. Ja, wo sind sie ?
Ach so, ja, in der Waschmaschine. Und die Neuen stecken vorne im
Wohnzimmerschrank. Mist! Wo doch eh schon alles weh tut und jetzt
auch noch da nach vorne tapsen zu müssen...Na gut.
Dann sitze ich auf dem Bettrand. Wer
niemals solche Dinger trug, weiß nicht, was man da leidet. Tapfer
versuche ich, sie mir über zu ziehen. Das ist unmöglich. Man kann gar
nicht in sie hineinfahren. Sie sind zu eng , zu fest, zu steif. Vor
allem sind meine Füße viel zu weit weg. Endlich stecke ich
einigermaßen drinnen. Nun wird´s nochmal schwierig, sie an den
richtigen Platz zu bringen.
Aber Purzel hilft. Wir sind ein
Superteam. Ich ziehe nach oben, Purzel nach unten.
"Purzel! Lass das , die gehen kaputt!"
"Macht aber richtig Spaß, " maunzt er und endlich haben wir es geschafft:
Jetzt die Cloggs. Was, nur einer?
Katerchen? Ich neige inzwischen dazu, dass alles, was fehlt,
irgendwas mit Purzel zu tun hat, und er neigt dazu, diese
Unterstellung tatkräftig zu untermauern.
Nun gut, wandere ich eben mit nur einem
Schuh und Purzel auf dem Arm in Richtung Küche.
Normalerweise, wenn ich Kommando “Komm,
wir geh´n“ gebe, flitzt er los. Den Gang lang. Wie ein geölter Blitz. Bekommt vorne die Ecke nicht, wird aus der Bahn getragen, schleudert an die Couch,
berappelt sich, biegt ab Richtung Fresschen, Küche, gibt auf der Zielgeraden noch einmal alles, um trotz
Vollbremsung, Bremsweg 2m, dort doch noch im Flaschenregal zu landen. Es
ist klugerweise fest mit der Wand verankert.
Zur Zeit soll Purzel nicht gehen. Er
sprang aufs höher gelegene Badezimmerfensterbrett, nicht ahnend ,
dass da gar keines ist und flog gleich weiter, drei Etagen tief in
den Garten. Er hat ein Pfötchen angeknackst und eine Hüftprellung.
Und so wird er so oft, wie möglich noch getragen
Machen wir uns also auf den Weg. Diese
Wohnung ist u-förmig um Treppenhaus und Aufzug herum gebaut. Das
ergibt lange Wege. Er genießt das Tragen, ich überlege, wo mein
zweiter Clogg steckt. Zuletzt meinte ich, ihn auf dem Nähkörbchen
liegen gesehen zu haben, aber da lag er ja nicht.
Die Zielgerade. Oder hab ich ihn auf
der Waschmaschine liegen sehen? Ich weiß noch, irgendwo, wo er nicht
hingehörte. Vielleicht auf...
.Autsch, Aua, Au-wau-wau... mein
nackter Fuß tritt auf etwas Hartes, Kantiges. Au-hau-hau-hau ….ich
mache einen Satz ...und wieder landet Purzel im Flaschenregal
.. diesmal mit mir
“Purzelllll!“
Es war die Spule von meinem Spinnrad,
wie hat er die ab bekommen???
Nun ja, was solls : blöde Strümpfe bei inzwischen
29°, nur ein Schuh, blaue Flecken auf dem Arm... eigentlich kann
jetzt nichts mehr passieren. Jetzt KAFFEE....!!!
Ich puste auf den blauen Flecken auf
meinem Arm und beginne, das Kaffeemehl in die Maschine zu zählen.
Upps, ja was´n des? Das verschwindet, rieselt klammheimlich weg. Hm?
Och nee, ich vergaß die Filtertüte. Also nochmal neu. Immer noch
beschäftigt mich die Frage nach meinem Schuh und immer noch tapse
ich auf nur einem herum.
Dann mit dem Tablett hinaus . Um die
Spule mach ich einen Bogen, die liegt noch. Der Fußboden ist an
diesem Morgen so weit weg. Mit Katerchen rechne ich nicht, der aber
mit der Spule. Läuft mir zwischen die Füße. 2. Satz,
entgegengesetzte Richtung. Die Scheibe Brot wird von Teller und
Tablett katapultiert und landet im Bücherregal. Direkt vor einem
Buch „ Frühstück, der beste
Stresskiller“.... Na ja, also dann....
Endlich sitze ich. Endlich KAFFEE!
Greife nach der Kanne. Ja , wo ist denn die Tasse?? Nützt nix,
nochmal auf. Schaue etwas neidig auf Katerchen, der frißt schon.
Humpel immer noch halb barfuß, immer noch um Spule, in die
Küche.
Tasse! Serviette nehme ich auch gleich
mit, Honigbrot gibt Klebefinger. Zurück. Achtung Spule! Bogen. Ich
werde sie aufheben, sobald ich “Stress gekillt“, gefrühstückt, habe.
So, nun hält mich nichts mehr. Ich
sitze. Ein leichtes Lüftchen fächelt mir den Kaffeeduft in die
Nase, mein geliebter Bergrücken, sonnenbeschienen von Osten , mein
Riesenhibiskus mit neuer Blüte und Katerchen zufrieden vor m
Fresschen, ich vorm Kaffee. Herz, was willst du mehr?
Will gerade nach der Tasse greifen,
da... es klingelt...Nein..., ich bleibe jetzt sitzen.... niemand will zu
mir.... bleibe sitzen.... versteh eh kein Griechisch, wer oder was da immer
vor der Tür steht...Nein,.... ich geh jetzt ...nicht....Und spring auf.
Es könnte das lang ersehnte Päckchen aus Good old Germany sein...
„Parakalo? Oriste?“
Rauschen …
„Oriste?“
Rauschen. Niemand. Ich kehre auf meinem
Einzelschuh zurück. Bogen um die Spule.
Will mich setzen.
Da war die Schaukel beim Aufspringen an
das Tischchen gestoßen und der Kaffee schwappte über. Nun ja, da
rentiert sich wenigstens die Serviette, weil, nur wegen paar
klebrigen Honigfingern...?
Allerdings, bevor ich mich nun setze,
bemerke ich , das Lüftchen , das von den Bergen streicht, ist doch
recht kühl. Immerhin haben wir hier draußen nur 26 °. Man ist inzwischen viel
mehr gewohnt. Also wieder Küche, Achtung Spule! Dort befindet sich
noch mein Seidentuch. Hatte es gestern um den Korb gebunden, als wir
zum Tierarzt fuhren, damit mir Purzel nicht entwischen könnte.
Im Korb liegt noch seine Decke. Das
Seidentuch wickle ich ab und hänge es mir über, der Korb wandert
auf den Schrank und die Decke bring ich in die Bibliothek, da hat
sich Purzel inzwischen auf der Couch niedergelassen.
Im Flur windet es. Mein Seidentuch verfängt sich in der Türklinke, die Tür schleudert zu und mir an Stirn und Zeh. Autsch! Sternchen ! Man sieht bei so was wirklich Sternchen!!
Im Flur windet es. Mein Seidentuch verfängt sich in der Türklinke, die Tür schleudert zu und mir an Stirn und Zeh. Autsch! Sternchen ! Man sieht bei so was wirklich Sternchen!!
Ich
taste mich durch diese Milchstraße zum Kater. Will ihm die Decke
unterlegen. Komme ihm dabei vielleicht falsch an seine Verletzungen. Erschrocken
maunzend scheuert er mir sein Pfötchen ins Gesicht. Autsch!
Es reicht!
Es reicht!
Du hast dort oben viel Englein bei Dir
, schick doch eines davon auch zu mir.
Mit diesem Text im Kopf, blauen Flecken auf Arm und Zeh, einer Beule auf der Stirn und Pfotenabdruck auf der Wange, hopse ich auf einem Schuh zurück . Die Aussicht auf meinen Kaffee macht den Schmerz erträglich. Und an das halbe Barfußgehen könnte ich mich echt gewöhnen. Mein rechtes Bein ist eh bisschen länger, OP bedingt. Mit dem einen Clogg links ist der perfekte Ausgleich geschaffen.
Mit diesem Text im Kopf, blauen Flecken auf Arm und Zeh, einer Beule auf der Stirn und Pfotenabdruck auf der Wange, hopse ich auf einem Schuh zurück . Die Aussicht auf meinen Kaffee macht den Schmerz erträglich. Und an das halbe Barfußgehen könnte ich mich echt gewöhnen. Mein rechtes Bein ist eh bisschen länger, OP bedingt. Mit dem einen Clogg links ist der perfekte Ausgleich geschaffen.
Komme auf dem Balkon an. So! Nach mir
die Sintflut! Jetzt hält oder stört mich nichts mehr, jetzt,
endlich!! Hic Rhodos,hic salta.
Endlich KAFFEE!!!
Der ist kalt....


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