Neues von Tröpfchen
HERBST!
Tröpfchen, was nun?
Nun also war Tröpfchen in Griechenland
zu Hause. Es hatte den wunderschönen Garten verlassen und war eines
schönen Tages hier bei mir gelandet. Hatte sich wohl die griech.
Flora etwas anders gedacht, vielfältiger und großartiger. Aber das
war das erste Problem.
Sommers herrscht hier größtenteils
verbrannte Erde, dürre Felder und versengte Wiesen. Üppig sind nur
jene Pflanzen und Blumen in den kleinen Vorgärten und in Töpfen und
Schalen vor den Häusern und Türen.
Auch bei mir war das nicht anders, es
gab nur das, was ich vom Bazaari hier herauf getragen hatte, um meine
Balkons damit zu schmücken und die Hände wenigstens ab und an
einmal in Erde stecken zu können. Also kaum das geeignete Umfeld
für solch eifriges Tröpfchen.
Und so bot ich ihm an, anstatt nur als
Wasserträger zu fungieren, sich komplett um die Pflege meiner
Planzenkinder zu kümmern und erhob es kurzer Hand zum richtigen
Blumenelfen.
Ach wie freute es sich da. Und erst
über das Blumenelfenkostüm. Und dann begann es gleich mit der neuen
Arbeit.
Es fuhrwerkte mit dem alten Teelöffel
durch die Blumenkästen, -töpfe und -schalen, lockerte die Erde,
schaute nach den Wurzeln, strich den Blüten den Staub aus den Augen,
der von der Sahara herüberwehte, und wischte ihn auch sorgsam von
den Blättern. Es nahm seine neue Berufung sehr ernst, es hegte und
pflegte, es putzte und stutzte, es grub und hub, und die Pflanzen
dankten es ihm. Ich auch. Und bei Bedarf schlüpfte es natürlich in
sein altes Wasserträgerkleidchen und goss ausgibig.
Nach getaner Arbeit setzte es sich auf
meine Schulter und wisperte mir manches Märchen ins Ohr oder es flog
hinüber in die Akazien und Feigenbäume, welche die Straße säumten
und hinter denen es ins Freiland und das Wäldchen ging. Dort tollte
es dann mit den Vögeln vergnügt umher, oder es saß still, an einen
Ast gelehnt. Ob es auch manchmal Heimweh hatte und an Deutschland und
den wunderschönen Garten dachte?
So verging die Zeit. Aus der fernen
Heimat kamen Berichte von Herbstattacken, Regen und Kälte. Hier
saßen wir noch in der Sonne. Aber dann, im November, ergab sich mit
dem Hereinbrechen plötzlich recht kühler Tage, ein neues Problem.
Fast über Nacht war es nun auch hier Herbst geworden. Der Wind von
den Bergen fegte die Blätter von den Bäumen und die Menschen
wechselten von hemdsärmelig zur Wintergarderobe.
Noch standen meine Pflanzen in Laub und
Blüte, aber wie lang noch? Und dann? Wohin mit Tröpfchen? Hier gab
es keine ausladenden Fensterbänke, auf denen sich eine üppige
Blumenpracht aufbauen ließ. Außer einer großen Pflanzschale mit
Grünpflanzen auf dem Boden und drei Topfpflanzen auf den Tischen,
konnte ich Tröpfchen so gar nichts anbieten, womit es über den
Winter kommen sollte. Ich hatte auch keine Ahnung, was Elfen in der
Ruhephase der Pflanzen so machten. Ob sie Winterschlaf hielten, ob sie
unter der Erde Wurzelpflege betrieben, oder sich gar wie
Schmetterlingspuppen in kleinen Hängematten unter ein altes Blatt
hingen? Keine Ahnung.
Ich selbst hatte mich gerade, mit einem
Strickzeug versehen, auf der Couch niedergelassen. Draußen war
sonnig und die Balkontür stand einen Spalt offen. In Gedanken
strickte ich Reihe für Reihe in den Farben des Sommers vor mich hin.
Ich überlegte, was mit Tröpfchen geschehen sollte. Ich muß mit ihm
reden und dann würde ich ja sehen....
So beruhigt schnitt ich wieder einige
kunterbunte Wollfäden ab, warf sie achtlos zu den anderen.
„ He!“ und „hihihihi“, kicherte
es da, „willst du mich begraben?“Tröpfchen saß in Mitten
des Wollwustes und befreite sich gerade von den letzten Fäden.
„ Oh, Tröpfchen, da bist du ja.
Schön. Draußen fängt es an, kalt zu werden, ich mach die Tür
jetzt zu. Aber was ich dich mal fragen wollte....“
„Erst ich,“
fiebste es da. „Was machste denn mit all diesen Wollresten?“
„Ach, entweder
ich werfe sie weg, oder ich hebe sie als Füllmaterial für meine
gefilzten Blumenkinder auf. Ja, wahrscheinlich Letzteres. Warum?“
„ Weil die soo
schön bunt sind, wie die Blumen im Sommer und haste mal daran
gedacht, dass ich ja irgendwo schlafen muss und ein warmes Bettchen
brauche? Das hier wäre genau richtig.“ Damit warf es eine Ladung
Fäden über sich in die Luft und kicherte laut, als sie es unter
sich begruben.
„ Moment, das
da?“Fragte ich und nickte zu den Wollresten hinunter.
„ Ja, dieser
Haufen hier,“lachte es.
„ Auf dem Boden
?“
„ Ja. Oder haste
sonst noch einen?“
„ Nö. Aber du
kannst da doch nicht schlafen.“
„ Ooch, wieso
denn nicht?“begehrte es auf.
„ Weil der Purzel dich da frißt“,
antwortete ich etwas drastisch. Auf dem Boden! Tz,tz,tz, man konnte
es zertreten. Und wie Purzel, mein kleiner Kater mit ihm „spielen“
würde, daran wollte ich gar nicht denken!
„ Wieso denn nicht,“ stampfte es
nun mit dem Fuß auf.
„ Weil ich den Haufen dann wegräume
und du nicht auf dem Fußboden schlafen kannst. Basta!“
„ Wer hat denn gesagt, dass ich auf
dem Fußboden schlafen will??“
„ Du!“
„ Iiich? Quaaaatsch, ich meinte den
Wollhaufen vom Boden. Brauchste den nu noch, oder nicht?“legte es
das Köpfchen schief und grinste mich an.
„ Nö, bedien dich. Und ich dachte
schon.....“ lachte ich. Aber Tröpfchen hatte meine Antwort gar
nicht abgewartet und startete bereits mit einem ganzen Ballen
Wollresten im Arm Richtung Grünpflanze. Recht hoch oben fand es zwei
nebeneinander liegende Blattachseln und da hinein packte es nach und
nach sämtliche Reste
Inzwischen war der Abend gekommen.
Tröpfchens Aktivitäten schienen zu Ende. Als ich nach ihm sah, lag
es eingekuschelt in den farbigen Fäden , wie in einem Heuhaufen und
blinzelte schläfrig.
„ Na, dann schlaf mal gut, mein
Kleines. Und träum was Schönes.“
„ Mmmhm, lauter gaaaanz bunte Träume....
von Glitzertautropfen...und Regenbögen.. und meinen bunten Blu....“,
damit war es eingeschlafen.


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen