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Freitag, 7. Oktober 2016

Oktobermärch, Weshalb die Sonnenblume so groß ist




Weshalb die Sonnenblume so groß ist





vor Jahr und Tag ging die liebe Mutter Natur einmal wieder über die Erde. Der Sommer ging zu Ende und der Herbst stand vor derTür.  Die Wiesen leuchteten noch einmal in den letzten Blumenfarben. Ja, es war wirklich ein Leuchten, ein Farbspiel sonders Gleichem. Die Herbstsonne gab noch einmal in diesen Tagen ihr Bestes und spendete ein ganz besonderes Licht, Ein Licht in dem alle Farben ganz besondere Leuchtkraft erhielten. Die Menschen pflückten dann die Blumen, auch Früchte, steckten leuchtende Beerenzweiglein dazu und trugen sie erwartungsvoll nach Hause. Aber dort, ohne dieses Sonnenlicht verloren sie ihren Glanz.

Mutter Natur war zufrieden: Sonne, Wiesen, Blumen, Früchte, alle gaben sie noch einmal, wie in einem feurigen Finale, ihr Bestes. Ja, sie war zufrieden.

Sie wollte sich dem Waldrand zuwenden. Der schien in Flammen zu stehen. Er loderte in bunten Farben. Unter dem blitzblauen Himmel ein besonderes Schauspiel. Sie überlegte gerade, welche Jahreszeit ihr die liebste sei, wann ihre Kinderlein sie am meisten erfreuten,. Sie wusste es nicht. Aber der Herbst, dachte sie, der Herbst ist doch etwas ganz besonderes. Er ist wie einer dieser Menschen, von denen man sagt, sie hätten eine raue Schale , doch einen weichen Kern. Er kann wüten wie ein Berserker, um die Blätter von den Bäumen zu fegen, aber er kann auch solch herrliche Tage bescheren, mit dieser letzten, so willkommenen Wärme, diesem Sonnenglanz, dieser Beschaulichkeit, diesen Farben.

Da hörte sie es wispern:

"Hallo, Mutter, große Mutter! Hier bin ich. Kannst du mal zu mir kommen?"

Sie drehte sich um. Schritt nochmal zum Wiesenrand, woher sie meinte, das Stimmchen gehört zu haben. 

Da gewahrte sie ein Blümchen. Unscheinbar. Gelb, wie die meisten Wiesenblumen. Sie selbst liebte schließlich gelb und war auf Absprache ihres Großen Meisters nicht sparsam damit umgegangen. Sie musste nun selber überlegen, welch eine Blume das war. 

Wiesenbocksbart, nein , das Kraut stimmte nicht. Schwarzäugige Susanne, war keine Wiesenblume. Arnika, wuchs hier nicht im Flachland. Topinambur, damit kam sie der Sache schon näher.

"Sonnenblume. Du hast mich Sonnenblume genannt, gesagt, ich sähe aus, wie eine kleine Sonne."

"Ja, stimmt, mein kleines Sonnenblümchen. Was hast du denn auf dem Herzen? Du hast mich doch gerufen, nicht?"

"Jaaa, das war ich. Sieh einmal, große Mutter. Du sagst , ich sei eine Sonnenblume. Aber sieh mich doch einmal an. Ich bin so klein, so unbedeutend und nutzlos. Wie soll ich denn  sonnengleich sein. Nur wegen der Farbe? Schau mal, mich sieht hier niemand. Und niemand ist, der sich an mir freuen kann. Ich bin total nutzlos, zu nichts nütze. Und ich mag nicht länger zu gar nichts nütze sein. Haha, Sonne! Sonnenblume! Du, ich will wirklich sein, wie die Sonne.  Alle sehen sie, alle freuen sich an ihr, und sie sorgt sogar für Wachstum, für Speise. Ist es nicht wunderbar, so sein zu können, für andere zu sorgen und da zu sein? Nicht so nutzlos wie ich."
Damit streckte es die Blätterärmchen der Sonne entgegen. 

"Ach könnte ich doch wirklich eine echte Sonnen -  Blume sein!"

"Tja,mein Kleines, da werde ich nachdenken müssen, was wir da machen können. Und dann muss ich auch eine Eingabe an den Großen Meister machen, was er davon hält. Aber sei getrost, das eine oder andere wird sich vielleicht finden."

Mutter Natur ging in Gedanken versunken hinüber zum Waldrand, und  Sonnenblümchen war erst einmal zufrieden, dass es gewagt hatte, zu reden.

Der Herbst ging vorbei, der Winter kam,  es geschah nichts. Das Frühjahr war voll im Gange und der Sommer begann. 

Sonnenblümchen hatte gut geschlafen , erwachte und kam ans Tageslicht geklettert. Da stand es nun, klein, fein, und dachte , dass man von oben eben anders entschieden habe.

Aber dann schien es doch anders zu gehen, einfach irgend wie anders. 

Merkwürdig war schon mal, dass Nachbars Kuh nun glaubte, sich genau neben Sonnenblümchen  verewigen zu müssen. Und in der Erde, direkt nahe an den Würzelchen schien ein ganzes Regiment von fleißigen Regenwürmern zu arbeiten und zu lockern. Und bildete sich das Blümchen es ein, oder schien es wirklich so, dass der Regen seine sanftesten und wärmsten Tropfen für es selber bereit  hielt und es davon gar nicht genug bekommen konnte? Und die Sonne? Umgab sie es nicht besonders warm und lind? Schien sie es mit ihren Sonnenstrahlenfingern  nicht hinauf in die Höhe zu locken und zu ziehen?

Nun, wie dem auch sei, Sonnenblümchen fühlte plötzlich Leben und eine Kraft in sich und wuchs und wuchs, dass es nur so in den Blattachseln krachte. Schon hatte es höchstes Wiesenniveau erreicht, konnte schon drüber weg in die Ferne blicken und wuchs immer noch. 

War das eine Lust! Auch in seinem Gesicht tat sich etwas. Nein, nein, kein Bart wuchs da heran, aber lauter blitzblanke, pralle Kerne
.
Und eines Tages im Spätsommer kam wieder Mutter Natur geschritten. 

 Unsere Blume konnte sie aus ihrer Höhe schon von weitem sehen, rang etwas genant ihre Blätter, wusste nicht so recht, wie sie sich vor lauter Dankbarkeit und in neuer Gestalt verhalten sollte. War so glücklich.

"Na, mein Kind, da bist du nun ganz schön erwachsen geworden. Und hübsch."

"Ach, Mutter wie hast du das so schön gemacht. Und was hat der großen Meister dazu gesagt und was ist nun meine Aufgabe? Ich habe doch jetzt eine Aufgabe, oder nicht?"

" Nun ja, zuerst meinte er,alles sei gut, wie es ist. Dann, man solle guten Willen fördern. Da habe ich ihn erinnert an seine Vögel unter dem Himmel....die da nicht säen und nicht ernteten und die er ja trotzdem ernähren wolle... Da hat er mir lächelnd mit dem Finger gedroht. Aber du wirst es nun bald erleben, die Vögel werden deine Kerne mit Wonne verspeisen, sobald diese reif sind. Und sogar die Menschen werden von dir leben. Sie werden Generationen von dir anbauen und Öl aus deinen Samen machen, Und selbst, wenn dein Leben zu Ende sein wird, wirst du als Silage ihren Tieren noch Gutes tun. Reicht dir das nun, mit diesem Reichtum an Nutzen? Ganz abgesehen davon, dass du wunderhübsch bist und man so schon allein Freude an dir haben kann. "

Die Sonnenblume rang vor so viel Lob und Nützlichkeit ihre Blätter.

"Apropos, Blätter,"meinte da Mutter Natur, "hast du bemerkt, dass das ganz große Herzen sind? Der Meister war vom kleinen Blümchen mit dem großen Herzen, das Gutes tun wollte,  recht beeindruckt. Meinte , dem solle man auch Ausdruck verleihen, sei eine kleine Zugabe..."

So also wurde aus Kleinem etwas ganz Großes. 

Verwunderlich ist allerdings, dass die Sonnenblume gelb ist. Nach dem letzten Satz von Großer Mutter Natur errötete sie nämlich ganz fürchterlich......

(C) Heide Marie Kalitta


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