Wie
es kam, dass der Gamander Ehrenpreis seinen stolzen Namen verlor und
nun etwas augenzwinkernd auch Männertreu genannt wird
Vor vielen Jahren lebte am Rand eines
kleinen Dorfes ein Mädchen, namens Veronica. in der Nachbarschaft
von Veronika´s Elternhaus wohnte ein Junge , Max. die beiden waren
zusammen groß geworden und schon im Sandkasten stand fest, dass sie
sich liebevoll zugetan waren.Veronika buk ihrem Mäxchen eifrig und
mit roten Backen Sandkuchen, einen schöner als den anderen. Mäxchen
baute für seine Veronika Schlösser und Burgen. Für ihn stand fest
, eines Tages würde er seine kleine Freundin in solch ein Schloß
entführen. Täglich sah man die Beiden schon damals Hand in Hand
durch den Ort wandern, hinaus auf die sonnigen Wiesen und Weiden, wo
die Blumen üppig wucherten. Dort ließen sie sich gerne inmitten all
dieser Pracht nieder, schauten den Lerchen zu, wie sie sich laut
jubilierend in luftige Höhen schraubten, oder beobachteten nur ein
paar Schmetterlinge.
Nun gab es da eine kleine blaue Blume.
Sie wuchs versteckt unter den höheren Geschwistern, klein und
demütig, Aber von einer Farbe, die man unter den größeren Blumen
sofort hervor blitzen sah. Der Gamander, damals noch schlichtweg
Gamander. Der hatte aber auch ein Blau an sich! Und deswegen liebte
ihn besonders Veronika, hatte doch Mäxchen ebensolche intensiv
blaue Augen.
Dann war aus Mäxchen ein Max geworden
und aus Veronica ein blühendes junges Mädchen. Bald, sehr bald
würde der Tag kommen, an dem die Eltern die Beiden zusammen geben,
sie endlich Mann und Frau sein würden.
Da gingen eines Tages Männer durch das
Land, die versprachen den Burschen Geld, Gold und Wohlstand, wenn sie
nur bereit wären, dem König ein Jahr zu dienen und für ihn in den
Krieg zu ziehen.
Das klang verlockend. Was war schon ein
Jahr, wenn man dann ausgesorgt hätte. Man wohnte zwar in einer
wunderbaren Landschaft mit weiten Wiesen und Wäldern und wer
fleißig sein Feld bestellte, der konnte davon auch leben. Aber
reich konnte man davon nicht werden.
Auch Max glaubte , vor der Hochzeit so
noch zu Ruhm und Ansehen zu kommen. Für sein Mädchen wollte er
seine Ehre, sein Leben einsetzen, um danach herrlich und in Freuden
mit ihr leben zu können. Was half da alles Bitten und Flehen von
Veronika. Lachend küsste er ihr die Tränen von den Wangen, schalt
sie ein Dummerchen, ein Jahr, was wäre schon ein Jahr!
Am letzten Tag führte er sie noch
einmal zu ihrer Wiese. Die stand in voller Blüte und fast schien es,
als wolle sie mit ihrer Blumenpracht Veronika noch einmal erfreuen,
oder Max Lebewohl sagen. Aber da blitzte es Blau zwischen all den
Blumenkindern hervor. Der Gamander. Veronika begann erneut zu
schluchzen, bleib doch, bleib bei mir, geh nicht fort. Doch Max
beugte sich und begann eifrig, ein Sträußchen aus blauen Blüten zu
sammeln. Das wollte er ihr da lassen, als Unterpfand ihrer beider
Liebe und um seiner Ehre Preis. Das gab er ihr mit inniger Umarmung,
wendete sich und ging.
Ehrenpreis nannte hinfort Veronika die
Blümchen, Gamander Ehrenpreis. Wie oft suchte sie Trost in dem
Blau, und wie oft stellte sie sich vor, beim Blick in die Blütchen,
im Blau seiner Augen zu ertrinken. Doch es waren nur ihre eigenen
Tränen, die ihr den Atem nahmen und die Angst um den Geliebten.
Das Jahr ging hin und Veronika hatte
längst den kleinen Stauß liebevoll getrocknet. In einer gläsernen
Schatulle, immer sichtbar, bewahrte sie diese, ihre ganze
Kostbarkeit auf. Längst war ein zweites Jahr angebrochen und immer
noch wartete sie. Nein, sie mochte nicht glauben, dass er im fremden
Land den Tod gefunden hätte, sie müsste es doch fühlen. Auch
mochte keiner derer, die zurück kamen, ihr Auskunft geben. Sie
schüttelten nur den Kopf.
Dann, das zweite Jahr ging fast zu
Ende, ging die Botschaft durchs Dorf, er sei zurück gekehrt.
Seine Eltern waren inzwischen ans
andere Ende des Ortes gezogen. Wieder war es Sommer und wieder
blühte der Gamander Ehrenpreis. Da lief sie durch ihre Wiese, um
eilig zur Begrüßung ein Sträußchen für ihn zu pflücken. Mit
roten Wangen und vor Glück und Erwartung leuchtenden Augen kam sie
endlich an sein Haus. Von Weitem hatte sie schon die Musik vernommen
und die klang ihr wie ihre Hochzeitsmelodie. Jetzt jubelnd noch die
letzten Schritte, dann würde sie endlich wieder in seinen Armen
liegen, oh, welch ein Jubel in ihrem Herzen! Gleich, gleich...
Da öffnet sich die Tür. Eine alte
Frau tritt heraus. Seine Großmutter. Im Festgewand. Sie spreizt die
Arme, kann die Anstürmende gerade noch auffangen. Drückt sie
liebevoll an ihre Brust. Nein Kindchen, du kannst da nicht hinein. Er
kam ja nicht alleine
Dann bückt sich die alte Frau und hebt
das Sträußchen auf, das dem Mädchen aus der Hand fiel, schaut
ratlos darauf. Alle Blüten waren abgefallen.
Seither nennt man das Blaue Blümchen
auch „ Männertreu“
Zwinker: soviel zu deren „Ehrenpreis“.
Anmerkung: versucht es, pflückt ein
Stengelchen, ihr bekommt es nicht bis nach Hause, mit allen seinen
Blüten.......
© H. M. Kalitta


Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen