Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Freitag, 25. August 2017

 
 
Nur mal kurz ein
 
 
 
Lebenszeichen
 
 
 
  
Meine Lieben, Freunde und Leser.
 
Wie ihr ja inzwischen sicher gelesen habt, sind bei mir in Thessaloniki zweierlei Arten an sehr seltenem und besonderen Lymphknotenkrebs festgestellt worden und die Uni Athen hat mir die Therapie in Deutschland zu machen, empfohlen.  So bin ich nun hier in Süddeutschland und von  Schwester und Schwager sehr herzlich aufgenommen worden.
Beide zögerten keinen Augenblick, als meine "Asyl"-Anfrage kam. Und inzwischen genieße ich die Tage hier mit Ihnen, so gut mir das gelingt. SIE tun ihr Bestes dazu, mit kleinen Ausflügen, Wanderungen, Kaffee trinken im Garten und Spieleabenden mit richtig viel Spaß. Von der guten Küche meiner Schwester will ich gar nicht erst anfangen zu schwärmen.
Dachte daher auch, meine Bauchbeschwerden kämen von der Ernährungsumstellung. 
Inzwischen weiß ich es leider  besser und versuche, auch damit fertig zu werden. Man hat hier alles noch einmal selbst untersucht, kam zum selben Ergebnis wie Athen, nur dass man immer noch versucht, die Arten zu bestimmen, was dauert. Morgen wird nun die Knochenmarkspunktion gemacht werden. Und am 31. diesen Monats wird dann wohl das letztendliche Gespräch Aufklärung über das Procedere einer Therapie bringen. Meine liebe Schwester ist dabei immer treulich an meiner Seite, was mich recht stark macht.
Aber nicht nur dies, die Tage sind mit vielerlei hübschen Dingen ausgefüllt und es ginge mir eigentlich recht gut, wenn, ja, wenn...
 
Dies jedoch nur zur Information und nun Schluss damit.
 
Ich habe Mit "Lebenszeichen " überschrieben. Und das meine ich auch so. Das Leben ist hier so vakant und vielfältig. Die Landschaft, die Menschen, das Klima. Und immer wieder fällt mir dazu das Lied "Geh aus mein Herz und suche Freud" ein, und sicherlich beginne ich meine Leutchen zu nerven, wenn ich ein übers andere Mal immer wieder aufjubel: "wie schön, wie wunderwunderschön!"
 
Und dann das Städtchen, pardon, die Stadt, Universitätsstadt. Da pulsiert das Leben, gibt Zeichen,  Lebenszeichen, verbindet Menschen für kurze Augenblicke mit einander. Durch ein Lächeln, eine Geste, ein Wort. Wer da noch sauertöpfisch bleibt, ist selber schuld.
So sind meine Schwester und ich heute ganz spontan in die Stadt
gefahren, haben das Auto etwas außerhalb geparkt und sind dann in die Straßenbahn um gestiegen. Ich dachte in der Bahn während der Fahrt geschwind an die morgige Prozedur der Knochenmarkspunktion und überlegte laut zu meiner Schwester gewandt, wie das wohl vor sich ginge und sie meinte dann lapidar: "Die werden schon wissen, wie sie es machen" Und ich erwiderte ebenso: "Hm, ich aber auch, schließlich bin ich die Hauptzutat..." Plötzlich verwandelten sich  die Gesichter, lachten, lachten mich an und eine sehr fröhliche Straßenbahn fuhr Richtung Stadtmitte. Lebens - Zeichen !
Wir hatten unsere Erledigungen bald zufriedenstellend und froh erledigen können und warteten in einem Kaufhaus  fröhlich auf den Lift, der uns auf eine  hübsche Kaffeeterrasse bringen sollte. Der Lift kam und eine junge Familie, Vater, Mutter und drei Kinderchen, alle mit dem gleichen Lockenköpfchen, stiegen aus. Mutter mit Kinderchen schob nach rechts, während der Vater, ein stattlicher Mann mit Bart, geradeaus vor einem Bücherregal stehen blieb und dabei ein paar Takte der englischen Nationalhymne trällerte. Als er verstummte, sang ich einfach weiter und noch bevor die Lifttür zu ging, drehte er sich um und sein fröhliches Lachen begleitete uns nach oben. Lebenszeichen eben.
Die Terrasse entpuppte sich weit und geräumig. Hoch über der Stadt lag sie in kühlem wohltuendem Schatten, eingebettet zwischen Schloßberg und Münster. Herrlich, da oben einen Eiskaffee zu schlürfen und "Leute zu gucken".
 
Dann fuhren wir heimwärts und auch da wieder diese Lebenszeichen. Eine Frau saß mir gegenüber, die lächelnd unser Gespräch verfolgte und ich fand ihre Tasche bild - hübsch. So mit Blütenranken und Schmetterlings. Ich sagte ihr das und sie strahlte und erzählte uns freudig, weil sie ihr auch so  gut gefallen habe, hätte sie sie ihrer Tochter ausgespannt. Das wiederum wurde nicht nur von uns lächelnd aufgenommen , auch neben uns verfolgte man freundlich unser Gespräch und eine glückliche Frau grüßte und winkte uns freundlich nach, als sie ausstieg. Lebenszeichen, Zeichen von Leben.
Wir fuhren weiter. Meine Schwester resümierte, weshalb ihr Auto seit einiger Zeit beim langsam fahren quietsche. Ich meinte, da müsse man überlegen, weshalb es das nur beim langsam fahren mache und welches die Logik dahinter sei. Rücken an Rücken zu meiner Schwester saß ein junger Mann. Der drehte sich nun um und sagte, ha, das sei die Radaufhängung, er hätte das auch gehabt und dann erklärte er das. Entschuldigte sich aber gleich, dass er sich eingemischt hätte. Und wieder gab es nicht nur von uns ein herzhaftes Gelächter. Ja, eben, die Zeichen des Lebens.
Wir haben dann meinem Schwager beim Abendbrot von diesen kleinen, liebens - und lebenswerten Highlights berichtet und wie schön alles gewesen sei und dass es überall nette Menschen gäbe und er meinte, ja, wie man in den Wald hinein rufe , so schalle es heraus. Ha ha, danke!
 
Tatsächlich war es ein wunderwunderschöner Tag und ich für mich habe ihn, trotz allem, genossen und wieder einmal mehr für mich festgestellt, Menschen können so etwas Wundervolles sein und Freude lauert an jeder Ecke. Man muss nur offen für beides sein.
 
So geht dieser bezaubernde Tag nun in die Nacht und morgen werde ich mich an seine Fröhlichkeit erinnern, wenn mir zum Heulen sein sollte, dort in der Klinik. Auch dort gibt es  Menschen. Nette, wundervolle Menschen.
 
Für heute sag ich mal gute Nacht und morgen vergesst die Freude nicht.
 
Eure Heide Marie