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Montag, 28. November 2016

Dezembermärchen

Warum der Weihnachtsstern  errötete 
und was im Dornwald geschah



Es war Dezember.

Weihnachten stand vor der Tür. Und in Nazaret war man wie jedes Jahr fest am Packen. Zumindest erzählte man es Jahr für Jahr so.

Und so machten sich auf, Josef aus Nazaret, mit Maria seinem angetrauten Weib, welche war schwanger, nach Bethlehem in die Stadt Davids.

Maria und Joseph passte das ganz und gar nicht. Schließlich war Maria hochschwanger, wie alle Welt ja später wusste. Ausgerechnet jetzt hatte Kaiser Augustus dieses blödsinnige Gesetz erlassen. Dem hatte man zu folgen. Man kannte seine Grausamkeiten, wenn er in Rage war. Nein, nein, da machte man sich doch lieber auf den Weg, auch, wenns beschwerlich würde.

Maria warf vorsichtshalber noch ein paar Windeln in ihr Bündel. Wie man heut auf allen Bildern sehen kann, würde sie diese später notwendig gebrauchen. Und Joseph sattelte den Esel. Dem kam das aber auch nicht gelegen, hatte er doch hinter der Hütte einen Platz mit herrlich frischen Disteln entdeckt, Süß und lecker. Aber er war eben wirklich ein Esel, wusste nicht, welch auserwählte Last er da tragen sollte-

So brach man auf. Joseph hatte Maria auf den Esel gehoben und lief nun, gutmütig, wie immer und in Gedanken nebenher. Dass er es nicht war, von dem sie das Kind bekam, das wusste  er schließlich genau so gut, wie alle anderen auch.Wer aber sonst es gewesen sein sollte, darüber wurde nur hinter vorgehaltener Hand gemutmaßt. Maria selbst konnte es ja kaum glauben, wie ihr geschah und so nannte sie es für sich selbst ein Wunder. Was ja auch wir bis heute noch tun.

Sie saß also lieblich glühend und erblühend und in aller Unschuld auf dem Esel. Allerdings unter dem Lauten Protest des Selben, I - aaaahh!!

So zogen sie also also mal wieder gen Bethlehem hinauf. Einen Tag. zwei Tage, drei oder mehr? Es müssen aber doch wohl mehrere gewesen sein, denn wer setzt sich ein, zwei Tage vor der Geburt noch auf einen Esel. Einen störrischen dazu.

Ünd dann, ganz plötzlich, so, wie ja auch immer Weihnachten ganz „plötzlich“kommt, war da dieser Dornenwald.

Den kennen wir seit Kindertagen hinlänglich. Der starrte nur so von Dornen. Aufmüpfigen, gemeinen Dornen. Die kannten das Lied natürlich auch. Und bösartig, wie sie waren, würden sie diesen Flüchtlingen schon zeigen, wer hier das Sage hatte. Pah, Rosen!! Und wenn es inzwischen 10 x anders geschrieben steht. Wir pfeifen auf Rosen, wir sind Dornen und wir bleiben Dornen, nix Rosen! In ihrem Eifer übersahen sie vollkommen, dass zu dieser Zeit die Beiden noch gar keine Flüchtlinge waren.

Nun wuchs aber da, unter all dem Dornengestrüpp ein kleiner Busch. Dessen Samen muss wohl mit dem Wind dorthin gekommen sein. Weise Männer , Botaniker, nannten ihn Euphorbia pulcherrima.
Der unterschied sich gewaltig von all den Dornen und prangte unter ihnen mit saftigen grünen Blättern. Diese waren so um den Stamm angeordnet und in der Form derart, dass, wenn man von oben auf ihn blickte , es immer neue Sterne ergab. Er machte sich herzerfrischend zwischen der Dürre des Waldes.

Er selber war aber gar nicht zufrieden. Viel zu klein und popelig waren seine Blüten, gelb, als wären sie nichts anderes , als ihre eigenen Staubgefäße.Er träumte von einer schönen Blühte. Rot, lila oder blau. Hatte schon den Fennek, Munk und das Chamäleon befragt, ob sie nicht Rat wüssten. Die hörten zwar halbherzig zu, schüttelten aber entschuldigend ihre Köpfe und trollten sich davon. So hatte er es aufgegeben, jemals eine richtige und attraktive Blütenpflanze sein zu wollen.

Doch nun erreichten unsere Wanderer den Wald. Maria war abgesessen, wohl um den Esel und ihr Hinterteil etwas zu schonen. Der Esel quittierte das mit lautem zustimmenden I-jah und versuchte alsbald von den Dornen. Aber selbst für ihn, waren sie zu hart und Laub trugen sie ja nicht, wie jedes Kind weiß. Und so trottete er hinter Maria her, die durch den Dornwald schritt. Es erbarmte sie , wie unglücklich der Wald schien, wie düster und wahrhaft erbärmlich. In ihrer übergroßen Liebe hätte sie ihm gerne davon abgegeben. Einige Dornenranken schienen das zu spüren.

Traurig schritt sie weiter.

Da! Ja was war denn das? In all der graubraunen Dürre ein frischer grüner Farbtupfer! Sie eilte darauf zu. Voll Freude beugte sie sich hinunter zum Strauch, strich behutsam, fast zärtlich, über die obersten kühlen, weichen Blätter. Fragte: „Ja, wer bist denn du? Wie kommst denn du hier in all diese Dürre. Du bist ja so wunderschön , so frisch und herzhaft grün!“

Ja sowas hatte unser Strauch ja noch gar nie erlebt! So etwas hatte ja noch nie jemand zu ihm gesagt! Sein kleines Pflanzenherz fing an, zu pumpern , alle Säfte stiegen ihm zu Kopf und wo Maria ihn berührt hatte, da errötete er. Das Wunder geschah. Seine kleinen Blütchen blieben klein, aber seine rot gefärbten Blätter glichen einer großen sternförmigen Blüte , in deren Mitte sich die wirklichen Blüten nun tatsächlich wie Staubgefäße ausnahmen. Und Maria jubelte: „ Ein Stern . Ein Stern! Ein
wunderschöner Weihnachtsstern!“

Als das die Dornen mit bekamen, warfen auch die Letzten all ihren Widerstand und Hochmut über Bord, wollten auch nur noch so lieb gehabt und gelobt werden, wie der Weihnachtsstern. Sie rüttelten und schüttelten sich und aktivierten all ihre so lang verborgenen Kräfte. Alsbald öffneten sich überall Blüten,die zu wunderschönen Rosen heraufwuchsen. Was wir eigentlich auch längst wissen könnten, denn es gibt ja jene Bilder in denen Maria in all ihrer Lieblichkeit nach überstandener Geburt im Rosenhag sitzt.

Der Weihnachtsstern aber hat nie vergessen, wie lieb Maria zu ihm war und sich an ihm gefreut hat. Und so errötet er Jahr für Jahr immer noch. Und immer zu Wewihnachten

(C)Heide Marie Kalitta






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