Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Sonntag, 28. August 2016

Nicht mein Morgen



Nicht mein Morgen

oder


Ein Morgen mit Purzel








Draußen ist schon hell. Die Sonne noch nicht da. Jedoch der nahe Bergrücken hat sie schon eingefangen. Das Erste, was ich sehe ,wenn ich morgens die Augen aufschlage und das Erste, was ich liebte, als ich hierher zog. Diese weite sonnendurchglühte Bergflanke.

Ein leichter Wind bauscht den Vorhang. Er bringt ein wenig Kühle. Selbst für Griechenland war dieser Sommer zu heiß, zu ununterbrochen heiß. Seit Wochen stehen sämtliche der Balkontüren offen. Es sind Schiebetüren, die können nicht knallen. Und sind die beste Klimaanlage. Ach, jetzt könnte man noch eine Mütze Schlaf bekommen. Bin erst gegen vier Uhr ins Bett gegangen. Es ist für mich zu schade, mich sinn - und schlaflos im Bett zu wälzen. Da arbeite ich lieber an meiner „Dicken“, einer Gipsplastik, weiter.
Aber ich scheine nicht nur zu wenig geschlafen zu haben, ich habe wohl auch schlecht gelegen . Ich muss mich erst einmal sortieren. Alles tut weh. Alles knackt.  Ach ja, noch ne Mütze Schlaf...

Das sieht Purzel anders. Während ich versuche, was sich noch bewegen lässt, turnt der auf mir und dem Bett herum. Das darf er. Er ist ein echter Stubentiger, wohnt in der 3. Etage und kommt nicht raus. Ist also absolut sauber. Und noch so klein! Nur das Hopsen soll er lassen ...

„Purzellll!!! Du sollst Ruhe geben!!“

„Und du mir mein Fresschen. Sonst beiße ich dich ein bisschen in den Zeh,“ miaut er

 Das macht der. Das macht der glatt . Das macht der viel zu gerne. D e r domestiziert seinen Menschen! Also hoch! Aua! Alles knackt. Wie war das noch, wenn alles knackt? Ach ja, hm, da bin ich ja ganz schön knackig! Kicher! Aber ach, meine Beine!!

Ich habe ein Lymphproblem , aber in den letzten Tagen meine superteuren  Maßanfertigungen von Strümpfen nicht getragen. Ach hätte ich doch nur! Jedoch bei diesen Temperaturen! Eigentlich wollte ich heute ans Meer. Aber mit diesen Beinen? Das tu ich mir nicht an. Also nicht Meer. Strümpfe! Aber wo sind sie?

“Purzel, haste sie gefressen?“

Natürlich hat er nicht. Aber wie gesagt, er ist noch klein und alles um ihn herum ist Spielzeugland. Was nicht niet- und nagelfest, das wird Spielzeug. Ja, wo sind sie ? Ach so, ja, in der Waschmaschine. Und die Neuen stecken vorne im Wohnzimmerschrank. Mist! Wo doch eh schon alles weh tut und jetzt auch noch da nach vorne  tapsen zu müssen...Na gut.

Dann sitze ich auf dem Bettrand. Wer niemals solche Dinger trug, weiß nicht, was   man da leidet. Tapfer versuche ich, sie mir über zu ziehen. Das ist unmöglich. Man kann gar nicht in sie hineinfahren. Sie sind zu eng , zu fest, zu steif. Vor allem sind meine Füße viel zu weit weg. Endlich stecke ich einigermaßen drinnen. Nun wird´s nochmal schwierig, sie an den richtigen Platz zu bringen.

Aber Purzel hilft. Wir sind ein Superteam. Ich ziehe nach oben, Purzel nach unten.

"Purzel! Lass das , die gehen kaputt!"

"Macht aber richtig Spaß, " maunzt er und endlich haben wir es geschafft:

Jetzt die Cloggs. Was, nur einer? Katerchen? Ich neige inzwischen dazu, dass alles, was fehlt, irgendwas mit Purzel zu tun hat, und er neigt dazu, diese Unterstellung tatkräftig zu untermauern.

Nun gut, wandere ich eben mit nur einem Schuh und Purzel auf dem Arm in Richtung Küche.

Normalerweise, wenn ich Kommando “Komm, wir geh´n“ gebe, flitzt er los. Den Gang lang. Wie ein geölter Blitz. Bekommt vorne  die Ecke nicht, wird aus der Bahn getragen, schleudert an die Couch, berappelt sich, biegt ab Richtung Fresschen, Küche, gibt auf der Zielgeraden noch einmal alles, um trotz Vollbremsung, Bremsweg 2m, dort doch noch im Flaschenregal zu landen. Es ist klugerweise fest mit der Wand verankert.

Zur Zeit soll Purzel nicht gehen. Er sprang aufs höher gelegene Badezimmerfensterbrett, nicht ahnend , dass da gar keines ist und flog gleich weiter, drei Etagen tief in den Garten. Er hat ein Pfötchen angeknackst und eine Hüftprellung. Und so wird er so oft, wie möglich noch getragen

Machen wir uns also auf den Weg. Diese Wohnung ist u-förmig um Treppenhaus und Aufzug herum gebaut. Das ergibt lange Wege. Er genießt das Tragen, ich überlege, wo mein zweiter Clogg steckt. Zuletzt meinte ich, ihn auf dem Nähkörbchen liegen gesehen zu haben, aber da lag er ja nicht.

Die Zielgerade. Oder hab ich ihn auf der Waschmaschine liegen sehen? Ich weiß noch, irgendwo, wo er nicht hingehörte. Vielleicht auf...

.Autsch, Aua, Au-wau-wau... mein nackter Fuß tritt auf etwas Hartes, Kantiges. Au-hau-hau-hau ….ich mache einen Satz ...und wieder landet Purzel im Flaschenregal ..  diesmal mit mir 

“Purzelllll!“

Es war die Spule von meinem Spinnrad, wie hat er die ab bekommen???

Nun ja, was solls : blöde Strümpfe bei inzwischen 29°, nur ein Schuh, blaue Flecken auf dem Arm... eigentlich kann jetzt nichts mehr passieren. Jetzt KAFFEE....!!!

Ich puste auf den blauen Flecken auf meinem Arm und beginne, das Kaffeemehl in die Maschine zu zählen. Upps, ja was´n des? Das verschwindet, rieselt klammheimlich weg. Hm? Och nee, ich vergaß die Filtertüte. Also nochmal neu. Immer noch beschäftigt mich die Frage nach meinem Schuh und immer noch tapse ich auf nur einem herum.

Dann mit dem Tablett hinaus . Um die Spule mach ich einen Bogen, die liegt noch. Der Fußboden ist an diesem Morgen so weit weg. Mit Katerchen rechne ich nicht, der aber mit der Spule. Läuft mir zwischen die Füße. 2. Satz, entgegengesetzte Richtung. Die Scheibe Brot wird von Teller und Tablett katapultiert und landet im Bücherregal. Direkt vor einem Buch „ Frühstück, der beste Stresskiller“.... Na ja, also dann....

Endlich sitze ich. Endlich KAFFEE! Greife nach der Kanne. Ja , wo ist denn die Tasse?? Nützt nix, nochmal auf. Schaue etwas neidig auf Katerchen, der frißt schon. Humpel immer noch halb barfuß, immer noch  um Spule, in die Küche.

Tasse! Serviette nehme ich auch gleich mit, Honigbrot gibt Klebefinger. Zurück. Achtung Spule! Bogen. Ich werde sie aufheben, sobald ich “Stress gekillt“, gefrühstückt, habe.

So, nun hält mich nichts mehr. Ich sitze. Ein leichtes Lüftchen fächelt mir den Kaffeeduft in die Nase, mein geliebter Bergrücken, sonnenbeschienen von Osten , mein Riesenhibiskus mit neuer Blüte und Katerchen zufrieden vor m Fresschen, ich vorm Kaffee. Herz, was willst du mehr?

Will gerade nach der Tasse greifen, da... es klingelt...Nein..., ich bleibe jetzt sitzen.... niemand will zu mir.... bleibe sitzen.... versteh eh kein Griechisch, wer oder was da immer vor der Tür steht...Nein,.... ich geh jetzt ...nicht....Und spring auf. Es könnte das lang ersehnte Päckchen aus Good old Germany sein...

„Parakalo? Oriste?“

Rauschen …

„Oriste?“

Rauschen. Niemand. Ich kehre auf meinem Einzelschuh zurück. Bogen um die Spule.
Will mich setzen.
Da war die Schaukel beim Aufspringen an das Tischchen gestoßen und der Kaffee schwappte über. Nun ja, da rentiert sich wenigstens die Serviette, weil, nur wegen paar klebrigen Honigfingern...?

Allerdings, bevor ich mich nun setze, bemerke ich , das Lüftchen , das von den Bergen streicht, ist doch recht kühl. Immerhin haben wir hier draußen nur 26 °. Man ist inzwischen viel mehr gewohnt. Also wieder Küche,  Achtung Spule! Dort befindet sich noch mein Seidentuch. Hatte es gestern um den Korb gebunden, als wir zum Tierarzt fuhren, damit mir Purzel nicht entwischen könnte.

Im Korb liegt noch seine Decke. Das Seidentuch wickle ich ab und hänge es mir über, der Korb wandert auf den Schrank und die Decke bring ich in die Bibliothek, da hat sich Purzel inzwischen auf der Couch niedergelassen.

 Im Flur windet es. Mein Seidentuch verfängt sich in der Türklinke, die Tür schleudert zu und mir an Stirn und Zeh. Autsch! Sternchen ! Man sieht bei so was wirklich Sternchen!!

 Ich taste mich durch diese Milchstraße zum Kater. Will ihm die Decke unterlegen. Komme ihm dabei vielleicht falsch an seine Verletzungen. Erschrocken maunzend scheuert er mir sein Pfötchen ins Gesicht. Autsch!

Es reicht!

Du hast dort oben viel Englein bei Dir , schick doch eines davon auch zu mir.

Mit diesem Text im Kopf, blauen Flecken auf  Arm und Zeh, einer Beule auf der Stirn und Pfotenabdruck auf der Wange, hopse ich auf einem Schuh zurück . Die Aussicht auf meinen Kaffee macht den Schmerz erträglich. Und an das halbe Barfußgehen könnte ich mich echt gewöhnen. Mein rechtes Bein ist eh bisschen länger, OP bedingt. Mit dem einen  Clogg links ist der perfekte Ausgleich geschaffen.

Komme auf dem Balkon an. So! Nach mir die Sintflut! Jetzt hält oder stört mich nichts mehr, jetzt, endlich!! Hic Rhodos,hic salta.

Endlich KAFFEE!!!


Der ist kalt....