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Samstag, 30. Juli 2016

August-Märchen, Gamander Ehrenpreis






Wie es kam, dass der Gamander Ehrenpreis seinen stolzen Namen verlor und nun etwas augenzwinkernd auch Männertreu genannt wird














Vor vielen Jahren lebte am Rand eines kleinen Dorfes ein Mädchen, namens Veronica. in der Nachbarschaft von Veronika´s Elternhaus wohnte ein Junge , Max. die beiden waren zusammen groß geworden und schon im Sandkasten stand fest, dass sie sich liebevoll zugetan waren.Veronika buk ihrem Mäxchen eifrig und mit roten Backen Sandkuchen, einen schöner als den anderen. Mäxchen baute für seine Veronika Schlösser und Burgen. Für ihn stand fest , eines Tages würde er seine kleine Freundin in solch ein Schloß entführen. Täglich sah man die Beiden schon damals Hand in Hand durch den Ort wandern, hinaus auf die sonnigen Wiesen und Weiden, wo die Blumen üppig wucherten. Dort ließen sie sich gerne inmitten all dieser Pracht nieder, schauten den Lerchen zu, wie sie sich laut jubilierend in luftige Höhen schraubten, oder beobachteten nur ein paar Schmetterlinge.

Nun gab es da eine kleine blaue Blume. Sie wuchs versteckt unter den höheren Geschwistern, klein und demütig, Aber von einer Farbe, die man unter den größeren Blumen sofort hervor blitzen sah. Der Gamander, damals noch schlichtweg Gamander. Der hatte aber auch ein Blau an sich! Und deswegen liebte ihn besonders Veronika, hatte doch Mäxchen ebensolche intensiv blaue Augen.

Dann war aus Mäxchen ein Max geworden und aus Veronica ein blühendes junges Mädchen. Bald, sehr bald würde der Tag kommen, an dem die Eltern die Beiden zusammen geben, sie endlich Mann und Frau sein würden.

Da gingen eines Tages Männer durch das Land, die versprachen den Burschen Geld, Gold und Wohlstand, wenn sie nur bereit wären, dem König ein Jahr zu dienen und für ihn in den Krieg zu ziehen.

Das klang verlockend. Was war schon ein Jahr, wenn man dann ausgesorgt hätte. Man wohnte zwar in einer wunderbaren Landschaft mit weiten Wiesen und Wäldern und wer fleißig sein Feld bestellte, der konnte davon auch leben. Aber reich konnte man davon nicht werden.

Auch Max glaubte , vor der Hochzeit so noch zu Ruhm und Ansehen zu kommen. Für sein Mädchen wollte er seine Ehre, sein Leben einsetzen, um danach herrlich und in Freuden mit ihr leben zu können. Was half da alles Bitten und Flehen von Veronika. Lachend küsste er ihr die Tränen von den Wangen, schalt sie ein Dummerchen, ein Jahr, was wäre schon ein Jahr!

Am letzten Tag führte er sie noch einmal zu ihrer Wiese. Die stand in voller Blüte und fast schien es, als wolle sie mit ihrer Blumenpracht Veronika noch einmal erfreuen, oder Max Lebewohl sagen. Aber da blitzte es Blau zwischen all den Blumenkindern hervor. Der Gamander. Veronika begann erneut zu schluchzen, bleib doch, bleib bei mir, geh nicht fort. Doch Max beugte sich und begann eifrig, ein Sträußchen aus blauen Blüten zu sammeln. Das wollte er ihr da lassen, als Unterpfand ihrer beider Liebe und um seiner Ehre Preis. Das gab er ihr mit inniger Umarmung, wendete sich und ging.

Ehrenpreis nannte hinfort Veronika die Blümchen, Gamander Ehrenpreis. Wie oft suchte sie Trost in dem Blau, und wie oft stellte sie sich vor, beim Blick in die Blütchen, im Blau seiner Augen zu ertrinken. Doch es waren nur ihre eigenen Tränen, die ihr den Atem nahmen und die Angst um den Geliebten.

Das Jahr ging hin und Veronika hatte längst den kleinen Stauß liebevoll getrocknet. In einer gläsernen Schatulle, immer sichtbar, bewahrte sie diese, ihre ganze Kostbarkeit auf. Längst war ein zweites Jahr angebrochen und immer noch wartete sie. Nein, sie mochte nicht glauben, dass er im fremden Land den Tod gefunden hätte, sie müsste es doch fühlen. Auch mochte keiner derer, die zurück kamen, ihr Auskunft geben. Sie schüttelten nur den Kopf.

Dann, das zweite Jahr ging fast zu Ende, ging die Botschaft durchs Dorf, er sei zurück gekehrt.

Seine Eltern waren inzwischen ans andere Ende des Ortes gezogen. Wieder war es Sommer und wieder blühte der Gamander Ehrenpreis. Da lief sie durch ihre Wiese, um eilig zur Begrüßung ein Sträußchen für ihn zu pflücken. Mit roten Wangen und vor Glück und Erwartung leuchtenden Augen kam sie endlich an sein Haus. Von Weitem hatte sie schon die Musik vernommen und die klang ihr wie ihre Hochzeitsmelodie. Jetzt jubelnd noch die letzten Schritte, dann würde sie endlich wieder in seinen Armen liegen, oh, welch ein Jubel in ihrem Herzen! Gleich, gleich...

Da öffnet sich die Tür. Eine alte Frau tritt heraus. Seine Großmutter. Im Festgewand. Sie spreizt die Arme, kann die Anstürmende gerade noch auffangen. Drückt sie liebevoll an ihre Brust. Nein Kindchen, du kannst da nicht hinein. Er kam ja nicht alleine






Dann bückt sich die alte Frau und hebt das Sträußchen auf, das dem Mädchen aus der Hand fiel, schaut ratlos darauf. Alle Blüten waren abgefallen.

Seither nennt man das Blaue Blümchen auch „ Männertreu“

Zwinker: soviel zu deren „Ehrenpreis“.



Anmerkung: versucht es, pflückt ein Stengelchen, ihr bekommt es nicht bis nach Hause, mit allen seinen Blüten.......



© H. M. Kalitta

Kommentare:

  1. So ging es ja in Vorzeiten vielen jungen Frauen. In der Fremde wurde der Schatz untreu. Aber die Geschichte idt herzergreifend. LG Christa

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  2. Danke Christa, aber solange es "Männertreu" gibt, solange wird sie gebrochen werden, immer mal wieder. Muss m,al sehen, ob es irgend etwas über Frauen gibt :-)

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  3. ein schönes Märchen - und sicher nicht ganz aus der Luft gegriffen - Ich find's auch lustig, denn den Namen "Männertreu" kannte ich nicht - als Kind sagten wir "Katzenäugle" dazu.

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  4. lächel: kannst ja mal ein Sräußchen pflücken...

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