Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Donnerstag, 30. Juni 2016

BAZAARI






BAZAARI

IMMER WIEDER DONNERSTAGS





Da sitze ich weltvergessen und primle...male... so vor mich hin.
 Doch, das Bild wird gut und ich nütze die frühe Morgenstunde, wo der Tag draußen noch nicht glüht. Ein Krokodil mit rotem Westchen, oder sollte ich es blau malen? Nee, ich machs zartgelb.Zartgelb?

Plötzlich Alarmglocken. Zartgelb! Überm Stuhl hängt mein zartgelber Haremskittel und die Pluderhosen gleich daneben. Bazaari! Heute ist Bazaari. Jeden Donnerstag ist Bazaari und wie jeden Donnerstag freue ich mich darauf. Himmel! Das hätte ich nun fast vergessen. Doofes Krokodil.

Dann bin ich auf dem Weg nach unten. Haremskittel, Pluderhosen, weißblond. Ich falle auf,wie immer. Versuche meinen Schritten etwas Leichtfüßiges zu geben. Frau ist ja eitel und in diesem Outfit.....Da kann man sich nicht einfach irgendwie nach vorne bewegen. Was ja eigentlich schon schwierig genug ist. Nö! Da gehört schon etwas Eleganz rein. Also Po rein, Schulter zurück, aufrichten und Nase in den Wind. Wie eine kleine Königin, aufrecht und stolz. Zur Bekräftigung fasse ich meinen Trolley fester. Das macht mir Mut.

Ich bin heute nicht mit dem Scooter unterwegs, Nein, ich muss mich mehr bewegen. Solange es noch geht. Da ist d er Trolley doch sehr hilfreich. Wie wollte ich ohne ihn und ohne Scooter meine Wocheneinkäufe hier hinauf schaffen? Ich werde auf jeden Fall, den unteren Teil, den Krämermarkt auslassen, das würde ohne Scooter zu viel.

Fange also weiter oben an. Ach du lieber Schreck! Schön blöd, da ist mein Eiermann!. Eier zu aller unterst??? Das braucht gute Verpackung und ein besonderes Maß, das in den Trolley passt. Das ihm zu verklickern, ist schwer. Er spricht weder Englisch , Französisch ,noch Deutsch, was hier jeder zweite Grieche spricht. Weshalb ich wiederum immer noch kein Griechisch spreche, ich brauche es einfach nicht. Wenn ich die Schultern hebe und „den katalovèno“ hauche, springt mir sofort jemand zu Hilfe, freut sich sogar noch:... ah....kala.. Germanida... amorfoso...von wo... ich auch gewesen in....Und schon steckt man in der schönsten Unterhaltung.

Heute wird heiß und ich will so schnell wie möglich fertig werden. Gehe also hinter den Stand und zeige ihm, wie es am besten geht. 30 Eier zwischen drei halbierten Tabletts. Während ich das mache, ein altes Weiblein, auch Trolley, zieht mich am Kittel, sagt was, strahlt mich an. Sie will ihre Eier auch so verpackt haben , begreife ich. Ihr Landsmann noch nicht. Ich erklär´ s ihm , zahle und gehe. Weiblein winkt mir glücklich nach...kala Germanida...kalo...kalimera

Dann ist irgendwann mein Trolley voll. Die Eier wanderten bei jedem Stand höher und derTrolley bis zum Rand voll. Und ich mach mich auf den Heimweg.

Das ist ein schwieriges Unterfangen. Von nun an geht’s bergauf. Ich lasse den Markt, mit seinen Schreiern zurück. Die Menschen verlaufen sich allmälich und  ich, inzwischen bar aller Eitelkeit, bewege mich irgendwie vorwärts. Nun glüht der Tag. Die Hauswände strahlen Wärme ab, wie im guten alten Deutschland ein Kachelofen zur Winterzeit. Und auch Fußbodenheizung scheinen die Straßen hier zu haben. Nu stell doch mal jemand den Thermostat kleiner!!

Eine Frau überholt mich. Klein , zäh, fix. Ogott, hat die schiefe Beine! Aber, sie hat einen Riesenvorteil. Sie ist schnell schon gut 20 m weiter als ich.

Und da ist auch schon dieses scheußliche Straßenstück. Es steigt in zwei Absätzen in sicherlich einem Winkel von 30°, ist quer geriffelt und hat ein Geländer. Nun gut. Ich schaff das. Hoffe ich. Muss ich ja. Schweiß rinnt mir bei den ersten Schritten in die Augen. Ich erkenne gerade noch das Geländer. Bleibe stehen. Trolley auch, etwas sehr schräg. Ich wische mir mit dem Arm übers Gesicht. Wimperntusche? Egal. Schön sein war gestern. Und weiter geht’s. Ich hangle mich da mühsam am Geländer hinauf. Hänge schwer an meiner Hand. Der vorderen. An der hinteren hängt der Trolley. Fühle mich pi mal Daumen wie ein 3m-Gespann.

Dann kommt der Absatz. Ha, sagt Bauch, dein Trolley wurde dir damals von einer guten Fee geschenkt, die an alles gedacht hat und sogar an eine integrierte Sitzmöglichkeit. Könntest du ja gleich mal ausprobieren. Was, spinnst du, signalisiert Kopf, du wirst dich doch jetzt hier nicht so einfach hinsetzen, den Klappsitz ausklappen und neben die Straße setzen. Du nicht. Bist grade mal 72, kannste machen mit 82. Aber ein Weilchen stehen bleiben, verschnaufen, Bauch an Kopf? Kopf: das geht. Schnauf, schnauf, puuuuuust....

Dann weiter. 2. Abschnitt, oben mit Spitzkehre nach links. Irgend ein Arm knackst, weiß selber, dass ich knackig bin. Endlich auf gemäßigter Straße. Etwas Schatten. Tippel  müde, geschafft, fix und foxi vor mich hin. Oh, wie schön, da blüht schon eine Wegewarte, daneben ein Tussilago farfara, die eine meines Erachtens zu früh, der andere noch immer. Also dieses Zartblauviolett der Wegewarte , so hübsch! Ach, und da vor mir geradeaus das Wäldchen! Schatten! Und was sehen meine geblendeten Augen? Eine, zwei Bänke! Ich brauch nur eine.

Dieser winzig kleine Umweg , meine Laufrichtung zu verlassen und den Schlenker zum Wäldchen zu machen, geht fast über meine Kräfte. Aber dann sitze ich. Ein kleines Häufchen Sommerhitze. Adretter Haremskittel? Verschwitzt. Aparte Pluderhosen? Vergiss es. Eleganz? Hahaha! Ich werde froh sein, das letzte Stück noch zu schaffen. Aber vorläufig angle ich mir mal einen Pfirsich aus der Tasche und lass es mir wohl sein. Lasse die Kühle des Wäldchens um mich streichen und genieße einfach nur, da zu sitzen

Der Pfirsich ist köstlich, saftig und süß. Ich freu mich, bin ein wenig stolz. Ich habs geschafft. Ohne Scooter. Auf eigenen Beinen. Der Rest ist pipifax, schaff ich auch noch. Hoffe ich nicht nur, weiß ich. Solange ich es nur will!

So, meine Lebensgeisterchen sind wieder erwacht und ich erhebe mich. Etwas mühsam zwar...Hüft– und Knieprothese motzen ..aber zügig. Komm, Trolley, wir gehen. Gehen. Da ist es wieder. Schwer stütze ich mich auf meinen Trolleygriff, versuche, stehen zu bleiben. Es wird gleich vorbei gehen! Nach dem ersten Schritt ist meist alles wieder gut- Auf, erster Schritt! Los, versuchs. Kopf hämmert: los jetzt. Beide Beine sagen : njet. Sind taub, Füße gar nicht vorhanden. Mit äußerster Anstrengung bekomme ich ein Bein hoch. Schritt. Dann das andere. Aufrecht bleiben, weiter so, Schritt , Schritt. Heute Morgen, als ich ging, wollte ich gehen, aufrecht, wie eine kleine Königin, jetzt bin ich froh, es wie ein Roboter zu schaffen. So geht das nun schon längere Zeit. Inoperabel. Versuchen Sie , die besten Therapien zu bekommen. Solange, wie möglich ES heraus zu schieben. Spinalkanalstenosen....6 ( sechs!) Stück..... machen dicht... kaum noch Rückenmark durchlässig....und bewegen Sie sich vorsichtig.....Tja, so sagte der das letzte Mal. Ich aber halt mich an das ... geht nun schon längere Zeit so ....kanns da nicht auch noch eine weitere längere Zeit so gehen?

Und Schritt..Schritt. Es geht immer besser. Und das soll es, wenigstens...until my dying day...

Mühsam, aber immer energischer hebe ich die Beine. Biege um die Ecke. Da, 200m voraus, das schöne weiße Haus. Die Höhe ist geschafft, die Straße fast eben. Das freut den Trolley. Und Schatten! Das freut mich. Nun noch über den breiten leeren Platz, nochmal sengende Hitze und dann Schlüssel ins Schloss, Aufzug, seufz....

Oben packe ich meine Schätze aus und denke: welch ein wunderwunderschöner Tag! Welch ein Leben! Freu mich jetzt schon auf den nächsten Bazaari und weiß, der Scooter bleibt auch diesmal heroben...




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