Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Donnerstag, 30. Juni 2016

BAZAARI






BAZAARI

IMMER WIEDER DONNERSTAGS





Da sitze ich weltvergessen und primle...male... so vor mich hin.
 Doch, das Bild wird gut und ich nütze die frühe Morgenstunde, wo der Tag draußen noch nicht glüht. Ein Krokodil mit rotem Westchen, oder sollte ich es blau malen? Nee, ich machs zartgelb.Zartgelb?

Plötzlich Alarmglocken. Zartgelb! Überm Stuhl hängt mein zartgelber Haremskittel und die Pluderhosen gleich daneben. Bazaari! Heute ist Bazaari. Jeden Donnerstag ist Bazaari und wie jeden Donnerstag freue ich mich darauf. Himmel! Das hätte ich nun fast vergessen. Doofes Krokodil.

Dann bin ich auf dem Weg nach unten. Haremskittel, Pluderhosen, weißblond. Ich falle auf,wie immer. Versuche meinen Schritten etwas Leichtfüßiges zu geben. Frau ist ja eitel und in diesem Outfit.....Da kann man sich nicht einfach irgendwie nach vorne bewegen. Was ja eigentlich schon schwierig genug ist. Nö! Da gehört schon etwas Eleganz rein. Also Po rein, Schulter zurück, aufrichten und Nase in den Wind. Wie eine kleine Königin, aufrecht und stolz. Zur Bekräftigung fasse ich meinen Trolley fester. Das macht mir Mut.

Ich bin heute nicht mit dem Scooter unterwegs, Nein, ich muss mich mehr bewegen. Solange es noch geht. Da ist d er Trolley doch sehr hilfreich. Wie wollte ich ohne ihn und ohne Scooter meine Wocheneinkäufe hier hinauf schaffen? Ich werde auf jeden Fall, den unteren Teil, den Krämermarkt auslassen, das würde ohne Scooter zu viel.

Fange also weiter oben an. Ach du lieber Schreck! Schön blöd, da ist mein Eiermann!. Eier zu aller unterst??? Das braucht gute Verpackung und ein besonderes Maß, das in den Trolley passt. Das ihm zu verklickern, ist schwer. Er spricht weder Englisch , Französisch ,noch Deutsch, was hier jeder zweite Grieche spricht. Weshalb ich wiederum immer noch kein Griechisch spreche, ich brauche es einfach nicht. Wenn ich die Schultern hebe und „den katalovèno“ hauche, springt mir sofort jemand zu Hilfe, freut sich sogar noch:... ah....kala.. Germanida... amorfoso...von wo... ich auch gewesen in....Und schon steckt man in der schönsten Unterhaltung.

Heute wird heiß und ich will so schnell wie möglich fertig werden. Gehe also hinter den Stand und zeige ihm, wie es am besten geht. 30 Eier zwischen drei halbierten Tabletts. Während ich das mache, ein altes Weiblein, auch Trolley, zieht mich am Kittel, sagt was, strahlt mich an. Sie will ihre Eier auch so verpackt haben , begreife ich. Ihr Landsmann noch nicht. Ich erklär´ s ihm , zahle und gehe. Weiblein winkt mir glücklich nach...kala Germanida...kalo...kalimera

Dann ist irgendwann mein Trolley voll. Die Eier wanderten bei jedem Stand höher und derTrolley bis zum Rand voll. Und ich mach mich auf den Heimweg.

Das ist ein schwieriges Unterfangen. Von nun an geht’s bergauf. Ich lasse den Markt, mit seinen Schreiern zurück. Die Menschen verlaufen sich allmälich und  ich, inzwischen bar aller Eitelkeit, bewege mich irgendwie vorwärts. Nun glüht der Tag. Die Hauswände strahlen Wärme ab, wie im guten alten Deutschland ein Kachelofen zur Winterzeit. Und auch Fußbodenheizung scheinen die Straßen hier zu haben. Nu stell doch mal jemand den Thermostat kleiner!!

Eine Frau überholt mich. Klein , zäh, fix. Ogott, hat die schiefe Beine! Aber, sie hat einen Riesenvorteil. Sie ist schnell schon gut 20 m weiter als ich.

Und da ist auch schon dieses scheußliche Straßenstück. Es steigt in zwei Absätzen in sicherlich einem Winkel von 30°, ist quer geriffelt und hat ein Geländer. Nun gut. Ich schaff das. Hoffe ich. Muss ich ja. Schweiß rinnt mir bei den ersten Schritten in die Augen. Ich erkenne gerade noch das Geländer. Bleibe stehen. Trolley auch, etwas sehr schräg. Ich wische mir mit dem Arm übers Gesicht. Wimperntusche? Egal. Schön sein war gestern. Und weiter geht’s. Ich hangle mich da mühsam am Geländer hinauf. Hänge schwer an meiner Hand. Der vorderen. An der hinteren hängt der Trolley. Fühle mich pi mal Daumen wie ein 3m-Gespann.

Dann kommt der Absatz. Ha, sagt Bauch, dein Trolley wurde dir damals von einer guten Fee geschenkt, die an alles gedacht hat und sogar an eine integrierte Sitzmöglichkeit. Könntest du ja gleich mal ausprobieren. Was, spinnst du, signalisiert Kopf, du wirst dich doch jetzt hier nicht so einfach hinsetzen, den Klappsitz ausklappen und neben die Straße setzen. Du nicht. Bist grade mal 72, kannste machen mit 82. Aber ein Weilchen stehen bleiben, verschnaufen, Bauch an Kopf? Kopf: das geht. Schnauf, schnauf, puuuuuust....

Dann weiter. 2. Abschnitt, oben mit Spitzkehre nach links. Irgend ein Arm knackst, weiß selber, dass ich knackig bin. Endlich auf gemäßigter Straße. Etwas Schatten. Tippel  müde, geschafft, fix und foxi vor mich hin. Oh, wie schön, da blüht schon eine Wegewarte, daneben ein Tussilago farfara, die eine meines Erachtens zu früh, der andere noch immer. Also dieses Zartblauviolett der Wegewarte , so hübsch! Ach, und da vor mir geradeaus das Wäldchen! Schatten! Und was sehen meine geblendeten Augen? Eine, zwei Bänke! Ich brauch nur eine.

Dieser winzig kleine Umweg , meine Laufrichtung zu verlassen und den Schlenker zum Wäldchen zu machen, geht fast über meine Kräfte. Aber dann sitze ich. Ein kleines Häufchen Sommerhitze. Adretter Haremskittel? Verschwitzt. Aparte Pluderhosen? Vergiss es. Eleganz? Hahaha! Ich werde froh sein, das letzte Stück noch zu schaffen. Aber vorläufig angle ich mir mal einen Pfirsich aus der Tasche und lass es mir wohl sein. Lasse die Kühle des Wäldchens um mich streichen und genieße einfach nur, da zu sitzen

Der Pfirsich ist köstlich, saftig und süß. Ich freu mich, bin ein wenig stolz. Ich habs geschafft. Ohne Scooter. Auf eigenen Beinen. Der Rest ist pipifax, schaff ich auch noch. Hoffe ich nicht nur, weiß ich. Solange ich es nur will!

So, meine Lebensgeisterchen sind wieder erwacht und ich erhebe mich. Etwas mühsam zwar...Hüft– und Knieprothese motzen ..aber zügig. Komm, Trolley, wir gehen. Gehen. Da ist es wieder. Schwer stütze ich mich auf meinen Trolleygriff, versuche, stehen zu bleiben. Es wird gleich vorbei gehen! Nach dem ersten Schritt ist meist alles wieder gut- Auf, erster Schritt! Los, versuchs. Kopf hämmert: los jetzt. Beide Beine sagen : njet. Sind taub, Füße gar nicht vorhanden. Mit äußerster Anstrengung bekomme ich ein Bein hoch. Schritt. Dann das andere. Aufrecht bleiben, weiter so, Schritt , Schritt. Heute Morgen, als ich ging, wollte ich gehen, aufrecht, wie eine kleine Königin, jetzt bin ich froh, es wie ein Roboter zu schaffen. So geht das nun schon längere Zeit. Inoperabel. Versuchen Sie , die besten Therapien zu bekommen. Solange, wie möglich ES heraus zu schieben. Spinalkanalstenosen....6 ( sechs!) Stück..... machen dicht... kaum noch Rückenmark durchlässig....und bewegen Sie sich vorsichtig.....Tja, so sagte der das letzte Mal. Ich aber halt mich an das ... geht nun schon längere Zeit so ....kanns da nicht auch noch eine weitere längere Zeit so gehen?

Und Schritt..Schritt. Es geht immer besser. Und das soll es, wenigstens...until my dying day...

Mühsam, aber immer energischer hebe ich die Beine. Biege um die Ecke. Da, 200m voraus, das schöne weiße Haus. Die Höhe ist geschafft, die Straße fast eben. Das freut den Trolley. Und Schatten! Das freut mich. Nun noch über den breiten leeren Platz, nochmal sengende Hitze und dann Schlüssel ins Schloss, Aufzug, seufz....

Oben packe ich meine Schätze aus und denke: welch ein wunderwunderschöner Tag! Welch ein Leben! Freu mich jetzt schon auf den nächsten Bazaari und weiß, der Scooter bleibt auch diesmal heroben...




Dienstag, 28. Juni 2016

Juli - Märchen Der Holunder




Juli - Märchen

oder

Der Holunder





Es war einer von diesen heißen Tagen . Die Luft hing voller Blütenduft und mir hatte es der Holderbusch wieder einmal angetan.

In seinem Schatten saß ich und versuchte seine Dolden zu zeichnen. Allerdings gab ich es bald auf, jedes Blütchen einzeln in der Fläche zu zeichnen. Das würde ich, vielleicht später, mit viel Muße einmal nachholen. Fürs erste reichte es , sie andeutungsweise einzufügen.

Ich weiß nicht, woran es lag, aber immer wieder schien mich etwas zu blenden und immer wieder musste ich geblendet unterbrechen.. Etwas unwirsch schaute ich auf, um zu sehen , was Ursache dessen war. Dann sah ich es. Eine Libelle schien auf Sonnenstrahlen zu reiten, wie ein Hexlein auf einem Besen . Und natürlich war es keine Libelle, wie wir Menschen gern vermuteten, es war Tröpfchen.
Dieses kleine Elfenmädchen war inzwischen so zutraulich geworden, dass es sich sogar in einigem Schabernack mit mir versuchte. So war es auf die Idee gekommen, einzelne Sonnenstrählchen einzu fangen und sie in meine Augen zu lenken.

„Tröpfchen, Tröpfchen, du bist entdeckt, Frechdachs, der du bist“, rief ich ,und , schwupp, eine leichte Berührung und Tröpfchen war mit dem nächsten Strahl auf meiner Schulter gelandet.
Da lag es nun bäuchlings und betrachtete mein Werk.

„Ach könntest du mich nicht da hinein malen“, bat es,“ dann kann ich den Duft immer um mich haben“.

„Och Tröpfchen, wenn s weiter nichts ist, dann wollen wir das machen.“

„Ah ja, und ich erzähl dir solange etwas“, meinte es.

“Gut, ich höre“, dabei nahm ich meinen Stift wieder auf. Und Tröpfchen begann:

„Also, da war mal eine bitter arme Frau. Die hatte ein Töchterlein. Das war ihr Ein und Alles. Und noch etwas besaß sie. Vor dem Haus wuchs dicht an der Mauer ein Holderbusch. Er war nicht sehr schön und man konnte nicht so recht sagen, stützte der Busch das alte Haus oder das Haus den Busch. Der alten Frau war das gleich. Sie liebte ihren Holunder und wenn er blühte, setzte sie sich mit dem Kind zu ihm, und genoß seinen Duft und befand, er sei der wunderschönste Holunderbusch überhaupt. Ja klar, mit den Augen der Liebe....

Dann wurde eines gar nicht schönen Tages das Kindlein krank. 

Das war nun zweimal schlecht, denn zum einen verweigerte es, zu essen und zum Anderen hatte die Frau auch gar nichts mehr. Rein gar nichts, nicht mal eine Krume Brot. Was sollte sie nur tun? Das Töchterchen musste essen, zu Kräften kommen. Ein fürchterlicher Husten schüttelte und entkräftete es immer wieder und auch das Fieber wollte nicht weichen.

In ihrer Not eilte sie hinaus zu dem Holunderbusch und muss da wohl laut ihr Leid geklagt haben. Denn plötzlich rüttelte sich der Baum und säuselte:

„Nimm von meinen Blüten und ein wenig Mehl, das Ei, welches gerade deine Henne gelegt hat und Milch von Nachbars Kuh, mache einen kleinen Pfannekuchenteig und tauche eine meiner Dolden da hinein, nimm deine letzte Butter und backe sie darinnen heraus und wenn du hast, gib dann etwas Zimt oder Zucker darüber und gib das deinem Kind.

Flugs eilte die Frau hinein, suchte ihre letzten Reste zusammen und tat, wie ihr der Baum geraten hatte. Nicht umsonst sprach man ihm geheime Kräfte zu und sie wollte ihm nur zu gerne glauben. Dann das letzte bisselchen Zucker darüber und schon eilte sie damit zu dem Kind. Das erwachte von dem köstlichen Duft, schlug die Augen auf und verlangte sofort davon zu essen. Wie freute sich die Frau darüber und sie eilte durch das Dorf, um von den guten Leuten sich noch ein wenig Zutaten für das nächste Mahl zu erbitten. Als jene das Rezept hörten, bekamen sie selber Gelüste und gaben der Frau gerne und bereitwillig von den Zutaten ab. So erschienen dort erstmals „Holunderküchlein“ auf dem Speiseplan. Jungen und Alten schmeckten sie vortrefflich.“

„Und das Mädelchen?“

„Nun, das aß jetzt zwar wieder etwas, aber der Husten und das Fieber wollten nicht so recht weichen. Und wieder klagte die Mutter dem Holunder ihr Leid. Der aber begann im Wind zu säuseln: Siehst du die wunderhübschen Beeren , die aus meinen Blüten geworden sind? Sie stecken voller guter Dinge. Koche einen Saft aus ihnen und gib deinem Kind davon zu trinken.. Das tat sie sogleich und siehe, das Fieber sank und der Husten verschwand nach und nach. Schon bald befand sich das Kind wieder wohl und munter. Überglücklich lief die Frau von Haus zu Haus, um auch diese frohe Botschaft allen kund zu tun.und sogar heute noch kannst du in alten Arzneibüchern über die Wirksamkeit des Holunder´s nachlesen. Da nennt man die Beeren auch Fliederbeeren. Wieso kann ich dir nicht sagen, ist halt so.“
„Aha, so war das also. Ich weiß, meine Tante schwor auch noch auf die gute Wirkung und auch sie sagte „Fliederbeeren“. Aber Tröpfchen , ich kenne noch ein anderes Rezept, lecker im Sommer, hat meine Mutti immer gemacht, „Hollersekt“ .

Und ich beginne auf zu zählen , wie das geht. Wie ich aber zum Ende komme und auch meinen Stift weglege, schaue ich auf meine Schulter. Die ist leer, und Tröpfchen wohl über Berg und Hügel längst davon .

Nun, überlege ich, war das nun ein Märchen, was mir Tröpfchen da erzählt hat, oder nicht? Tatsache ist, Holundersaft wirkt fiebersenkend,schweißtreibend und hustenstillend. Und die Küchlein schmecken lecker. Tja und der Hollersekt??? Ich werde hinein gehen und das Rezept am besten aufschreiben.









HOLLERSEKT
8 – 10 l Wasser
¼ l Weinessig
2 Zitronen (Saft)
1 – 2 Pfund Zucker
10 – 12 schöne Holunderdolden

Alles zusammen zugedeckt stehen lassen, 3 – 4 Tage ( Gärung), in Schraubverschlussflaschen abfüllen und ca, noch 10 – 14 Tage im Keller stehen lassen. Sehr kalt servieren.


Donnerstag, 9. Juni 2016

 Für alle jene, welchen  Die Heinzelmännchen verborgen geblieben sind




August Kopisch

Die Heinzelmännchen zu Köln


                                 Wie war zu Köln es doch vordem
Mit Heinzelmännchen so bequem!
Denn, war man faul,... man legte sich
Hin auf die Bank und pflegte sich:
        Da kamen bei Nacht,
        Ehe man's gedacht,
    Die Männlein und schwärmten
    Und klappten und lärmten,
            Und rupften
            Und zupften,
    Und hüpften und trabten
    Und putzten und schabten...
Und eh ein Faulpelz noch erwacht,...
War all sein Tagewerk... bereits gemacht!
Die Zimmerleute streckten sich
Hin auf die Spän' und reckten sich.
Indessen kam die Geisterschar
Und sah was da zu zimmern war.
        Nahm Meißel und Beil
        Und die Säg' in Eil;
    Und sägten und stachen
    Und hieben und brachen,
            Berappten
            Und kappten,
    Visierten wie Falken
    Und setzten die Balken...
Eh sich's der Zimmermann versah...
Klapp, stand das ganze Haus... schon fertig da!
Beim Bäckermeister war nicht Not,
Die Heinzelmännchen backten Brot.
Die faulen Burschen legten sich,
Die Heinzelmännchen regten sich –
        Und ächzten daher
        Mit den Säcken schwer!
    Und kneteten tüchtig
    Und wogen es richtig,
            Und hoben
            Und schoben,
    Und fegten und backten
    Und klopften und hackten.
Die Burschen schnarchten noch im Chor:
Da rückte schon das Brot,... das neue, vor!
Beim Fleischer ging es just so zu:
Gesell und Bursche lag in Ruh.
Indessen kamen die Männlein her
Und hackten das Schwein die Kreuz und Quer.
        Das ging so geschwind
        Wie die Mühl' im Wind!
    Die klappten mit Beilen,
    Die schnitzten an Speilen,
            Die spülten,
            Die wühlten,
    Und mengten und mischten
    Und stopften und wischten.
Tat der Gesell die Augen auf,...
Wapp! hing die Wurst da schon im Ausverkauf!
Beim Schenken war es so: es trank
Der Küfer bis er niedersank,
Am hohlen Fasse schlief er ein,
Die Männlein sorgten um den Wein,
        Und schwefelten fein
        Alle Fässer ein,
    Und rollten und hoben
    Mit Winden und Kloben,
            Und schwenkten
            Und senkten,
    Und gossen und panschten
    Und mengten und manschten.
Und eh der Küfer noch erwacht,
War schon der Wein geschönt und fein gemacht!
Einst hatt' ein Schneider große Pein:
Der Staatsrock sollte fertig sein;
Warf hin das Zeug und legte sich
Hin auf das Ohr und pflegte sich.
        Das schlüpften sie frisch
        In den Schneidertisch;
    Da schnitten und rückten
    Und nähten und stickten,
            Und faßten
            Und paßten,
    Und strichen und guckten
    Und zupften und ruckten,
Und eh mein Schneiderlein erwacht:
War Bürgermeisters Rock... bereits gemacht!
Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht,
Die Heinzelmännchen kommen sacht:
        Eins fähret nun aus,
        Schlägt hin im Haus,
    Die gleiten von Stufen
    Und plumpen in Kufen,
            Die fallen
            Mit Schallen,
    Die lärmen und schreien
    Und vermaledeien!
Sie springt hinunter auf den Schall
Mit Licht: husch husch husch husch! – verschwinden all!
O weh! nun sind sie alle fort
Und keines ist mehr hier am Ort!
Man kann nicht mehr wie sonsten ruhn,
Man muß nun alles selber tun!
        Ein jeder muß fein
        Selbst fleißig sein,
    Und kratzen und schaben
    Und rennen und traben
            Und schniegeln
            Und biegeln,
    Und klopfen und hacken
    Und kochen und backen.
Ach, daß es noch wie damals wär!
Doch kommt die schöne Zeit nicht wieder he  




Montag, 6. Juni 2016

Juni-Märchen, oder Wie die Akelei zu ihrer besonderen Blüte kam





Hallo und guten Tag liebe Freunde und Leser, 




bin zur Zeit bei meiner Schwester und meinem Schwager hier in Deutschland. In einer ganz besonders schönen Gegend. Da ist der Kaiserstuhl und dort ist das Markgräflerland. Genau da dazwischen und zwischen ringsum Reben liegt der Ort.

Und dort gibt es diesen wunderschönen Garten mit einer Vielfalt an Gewächsen,Gräsern, Büschen, Bäumen und eben Blumen die Hülle und Fülle.

Dieser Garten hat es mir angetan. In diesem Garten wurde Tröpfchen geboren. Es und er sollen der Rahmen sein, für jeweils ein Blumenmärchen, das ich immer in der ersten Monatshälfte hier einstellen möchte.

Dazu lade ich Sie herzlich ein. Über Kommentare würde ich mich freuen.



Ihre Heide Marie Kalitta






Juni - Märchen
oder
Wie die Akelei zu ihrer besonderen  Blüte kam





Es war die Stunde Pan´s.
Ich  hatte mich mit dem Malzeug  wieder einmal in den Garten  hinaus begeben, um  mir die Akelei genau zu besehen und zu malen. Tröpfchen, mein Elfenmägdelein,  hatte  mich auf die Idee gebracht, mit der Anfrage, ob ich nicht ein Märchen, und zwar über die Akelei, hören wollte. Und gerade blühten diese und der Garten war voll von ihnen. Und immer, wenn ich an ihnen vorbei ging, musste ich eines ihrer Blütenköpfchen  betasten, ihre Blütenblättchen vorsichtig zur Seite schieben , um den wunderbaren Aufbau der Blüte zu begreifen. Da waren die Deckblätter, die wie beschirmend zwischen den Kelchblättern hervorsprießten. Aber diese Kelchblätter waren das Besondere. Jedes war in sich, wie früher ein Bonbontütchen, geschlossen, mit dem Zipfel nach oben.
 Zipfel , ja , Zipfel...wie ein winziges Zipfelmützchen, oben kess eingerollt. Allerliebst sah das aus.

Nun, dies wollte ich versuchen zu malen. Aber dann sah ich die Liege einladend im Schatten stehen und eh ich mich besann, lag ich da schon längs und träumte in den nachmittäglichen Sommerhimmel hinein. Die Sonne versuchte mit ihren Strahlen durch das Laubwerk des Holunderbusches zu kommen, in dessen Schatten ich lag. In diesem Geflirre von Sonne und Schatten über mir, meinte ich plötzlich Tröpfchen zu erblicken.

Es saß da unter einer Blütendolde, wie unter einem Sonnenschirm auf einem Blatt und blickte müßig auf mich hinab. Dabei zupfte es immer wieder die älteren Blütchen aus den Dolden und ließ sie spielerisch auf mich hinabschweben.

"Na ,endlich, da bist du ja. Ich dachte schon, du wollest mein Akeleimärchen gar nicht mehr hören... Ha-ha-hatschi!"

"Aber Tröpfchen, und wie ich das will! Schau doch, ich habe ja mein Zeichenzeug mit gebracht.Ich will ja nicht nur dein Märchen hören, sondern ich will es auch illustrieren und die Akelei dazu malen."

"Aha, malen....so wie damals jenes Vergißmeinnicht, das sich dann unter meinen Füßen in Nichts auflöste?  "  

"Na ja, das haben Aquarelle so an sich, dass sie sich unter Wassereinfluss auflösen und du hattest es mit deinem Zauberröckchen so liebevoll und ausgiebig  begossen", lächelte ich.

"Hach, du kannst heut darüber lachen, aber ich dachte, ich hätte ein Pflänzchen umgebracht oder zumindest verkommen lassen. Das Schlimmste, was einem Blumenelf passieren kann. Ha-ha-ha-hatschiiii!"schniefte es und bei jedem Niesen  rieselten weitere kleine weiße Blütchen auf mich herab.

"Tröpfchen, ich glaube , der Zusammenprall mit dem Wassertropfen und das anschließende Schlammbad haben dir nicht gut getan."

" Ach nee, ich glaube eher, es kommt von der Hasel. Die blüht. Hatschi!"

"Ach du lieber Schreck. Ein Blumenelflein mit Pollenallergie. Ja gibts denn sowas?"

" Du, ich bin ja nur für Blumen da, nicht für Büsche. Aber die Hasel steht hier eben so nahe bei. Doch  nun lass mich dir endlich erzählen, bevor es noch schlimmer wird. Also, das war nämlich so:

Vor vielen Zeiten, nachdem der liebe Gott all die hübschen Blumen geschaffen hatte, übergab er diese der großen Mutter Erde. Diese schwelgte aber bereits in einer Vielfalt und gab die Blumen an Mutter Natur weiter. Sie solle damit Feld Wald und Flur besonders hübsch ausschmücken. Und das tat diese dann auch, wie ihr ja alle allenthalben immer noch sehen könnt.

In den Gärten stellte sie Blumen mit extra hübschen Blüten auf, denn so nahe bei, sollten sie die Menschen besonders erfreuen.

Nun war da aber ein Blümchen dabei, das war so unscheinbar und farblos. Nicht einmal ein bisselchen Farbe hatte es an sich, mit der es hätte prunken können. Rein gar nichts. Dem lieben Gott müssen da wohl schon die Farben ausgegangen gewesen sein. Und auch die Blüte zeugte nicht mehr von großer Phantasie eines genialen  Meisters. Sechs flache Blättchen, basta.

Aber Mutter Natur tat das unglückliche Dingelchen leid und sie bat die Sonne, sich doch des Pflänzchens anzunehmen und dafür zu sorgen, dass sich doch wenigstens etwas Chlorophyll in Stengel und Blättern entwickeln möge. Das tat die liebe Sonne, denn unter anderem ist das ja ihr Metier.

Nun also war das Blümchen wenigstens erst einmal lebensfähig. Aber traurig war es trotzdem. So wurde es immer mutloser und zarter. Es wollte doch auch bloß ein wenig Farbe im Gewand haben , wenn sein Kleidchen schon von einfachster Machart war. 

Mutter Natur wußte keinen Rat mehr. Sie überlegte hin und her. Alle Blumenstoffe waren verbraucht. Auch konnte sie dem lieben Gott ja nicht so mir nichts, dir nichts ins Handwerk pfuschen und einfach ein anderes Kleid machen lassen. Sowas habt ihr Menschen dann in späteren Jahren erst gemacht, dass ihr den Blumen und Pflanzen gänzlich neue Kleider und Formen verpasst habt. 

Nun, also  ein neues Kleid war nicht möglich. Mutter Natur war sehr in Gedanken. Aber sie wäre nicht jene große Mutter aller Natur gewesen, würde sie nicht alles zum Guten wenden können, was ihre Schützlinge und Wesen da draußen betraf.

Farbe, dachte sie , wo bekomme ich Farbe her? Und da hatte sie eine Idee. “

Hier machte Tröpfchen eine Pause, um einen Sonnenstrahl zu befreien, der sich in seinem Haar verfangen hatte, und nun vorwitzig mit seinen Locken spielte.

„ Ja, und weiter?“ drängte ich.

„Also Mutter Natur hatte eine geniale Idee. Übrigens wurde die von euch Menschen dann irgend wann übernommen und manche noch erhaltene alte Frescen und Mosaiken sind so entstanden. Mit solchen Farben.“

„Äh??“

„ Ja, sie überlegte also, wo sie Farben auftreiben könnte. Da fielen ihr die unterirdischen Schatzkammern der Zwerge ein und welch eine Farbenpracht all die glitzernden Edelsteine entfalteten! Sie würde sofort zu den Zwergen gehen.“

„ Zwergen?“

„ Ja, ja, die gab´s damals noch. Du weißt doch , vor der Sache mit Köln....Wie war es doch in Köln vor dem, mit Heinzelmännchen so bequem. Und dann......neugierig war des Schuster´s Weib....“

„ Schneider´s...“

„ ...Schneider´s Weib....streut Erbsen hin , zum Zeitvertreib....na ja, ab da gab´s keine Heinzelmännchen mehr. Nur uns Elfen gibt es noch. Allerdings werden wir immer für Schmetterlinge oder Libellen gehalten. Nur Menschen mit Flügeln, also mit viel Phantasie, sehen uns noch. Ihr sagt ja auch: auf den Schwingen der Phantasie....“

„ Also gut, keine Heinzelmännchen mehr. Aber erzähle weiter. Sie ist also zu den Zwergen gegangen....“

„...und dort durfte sie sich Edelsteine aussuchen und auch ein paar von den Zwerglein zur Hilfe. Sie
sollten die ausgesuchten Steine zerreiben. Sie selbst wollte dann das Gesteinsmehl mit Flüssigkeit zu einer Farbe vermengen. Genau so haben es eure Maler damals gemacht. Unter all den Farben gefiel ihr das Blau des Lapislazuli sehr gut.Aber das hatte schon der Rittersporn und so entschied sie sich für das Dunkelviolett des Amethist 

Freudig kehrte sie mit zwei Farbeimern zur Akelei zurück. Die war überglücklich. Flux wurden ein paar Elfenjungen herbeigerufen. Die brachten ihre Eimerchen aus Kastanienschalen und ein paar Marderhaare als Pinsel mit. Dann kletterten sie in die Spitzen der umstehenden Grashalme hinauf und schon begann eine fröhliche Malerei.

So also kam die Akelei zu ihrer Farbe. Da die Junges aber so eifrig pinselten, waren ihnen ihre Elfenhütchen im Wege und tauchten auch selber ab und zu in die Farbe. Also hängten sie diese oben über die Blüte. Aber, oh Schreck, als sie mit Malen fertig waren, ließen sich die Hütchen nicht mehr abnehmen, sie waren mit der Farbe verklebt. Da half alles Ziehen und Zerren nichts, eher wäre die ganze Blume zerrissen. Und die Akelei fand, dass diese Zipfelmützchen etwas ganz Besonderes aus ihr machten und war´s zufrieden.
So entstand diese wunderhübsche Blüte der Akelei. Der Prototyp, würdet ihr heute sagen. Die restliche Farbe wurde verdünnt und für nachfolgende Generationen aufgehoben.“

" Ha-ha-ha-hatschiiii..."Davon wachte ich auf.  Aber eigenartig, da hatte wohl ich immer  genießt. Und auch jetzt kitzelte mich ein Sonnenstrahl in der Nase. Der Himmel strahlte in makellosem Blau, die Sommerhitze um mich herum flirrte und im Holunderbusch suchte ich vergeblich im Schattenspiel der Blätter nach Tröpfchen.

Es schien mir, als habe ich einen wunderschönen Traum gehabt. Aber als ich mich erheben wollte, um ihn gleich in meinen Labtop einzugeben, seltsam, da rieselte es wie Schnee von meinen Schultern und Haaren. Lauter kleine Holunderblütchen.....

Und das Märchen? Ja geht nur hin und schaut bei der Akelei nach, da werdet ihr schon die Elfenhütlein mit ihren allerlieblichst  eingedrehten Zipfelchen sehen können....
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© H.M. Kalitta

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