Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Freitag, 20. Mai 2016








Tröpfchen in Not






Heute war es drückend heiß. Die Sonne stach mit spitzen Fingern auf die Erde und die Natur schien müde und kraftlos. Die Menschen stöhnten unter der Hitze und suchten den Schatten unter Bäumen, die doch viel zu gerne auch etwas kühler gehabt hätten.

Nun, die hatten aber wenigstens ihre Wurzeln, die weit genug in das Erdreich hinein reichten ,um dort Feuchtigkeit und Kühle zu tanken.

Anders sah es mit den Blumen aus. Manche streckten noch unverdrossen ihre Blätterärmchen zum Himmel aus, als wie um Regen bittend, aber andere nickten schon recht traurig mit den Köpfchen.

Ich dachte an Tröpfchen und dass es doch heut ganz schön zu tun hatte, um sein Pensum an zugeordneten Blumen zu bewältigen und alle zu tränken. Auch machte ich mir Gedanken wegen des Zauberröckchens. Würde es denn aus dieser trockenen heißen Luft genügend Feuchtigkeit saugen können? Nun, es war ja ein Zauberröckchen und darüber brauchte ich mir wohl keine Gedanken zu machen. Zauberei gehört nun mal ins Reich der Märchen, da ist alles möglich

Wir Menschen können zwar viel, und manchmal grenzt bei uns manches an Wunder, aber so einfach mal hokus pokus und dann is gut, nee, das haben wir noch nicht heraus. Als Jules Verne seine Bücher schrieb, dachte niemand, wie nahe wir seinen Ideen mal kommen könnten und bei Peterchen´s Mondfahrt hielt man das auch noch für ein Märchen und Zauberei. Heute wissen wir zwar, auf den Mond zu kommen, aber das hat mit Zauberei wiederum nichts zu tun. Das ist High tech.

Je nun, wie auch immer, Tröpfchen ist ja ein Elf aus diesem Jahrhundert und sein Röckchen unserem Standard angepasst. Und so hat es nun diese Membranen und so kann es das Wasser eben halten. Wie es aber sooo viel Wasser immer wieder aus der Luft filtern kann und in welcher Schnelligkeit das passiert, so dass es immer einsatzbereit ist, ja, Leute, d a s ist eben Zauberei.

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Ja, es war also ein richtig heißer Sommertag. Tröpfchen hatte alle Rockzipfel voll zu tun. Da bildeten sich am Horizont die ersten Wölkchen, wuchsen im Näherkommen zu stattlichen Wolkengebilden und überzogen allmälich den halben Himmel. Nein, nicht den ganzen, da würde mein lieber Schwager den Wahrheitsgehalt anzweifeln und mich korrigieren. Ein heftiger Wind kam auf und noch bevor man Blitze entdecken konnte, kündete schon ein heftiges Grummeln von ihnen. Ein Sommergewitter.

Tröpfchen war so eifrig bei der Arbeit und als es endlich bemerkte, was um es selbst herum vorging, da war es schon zu spät. Es versuchte noch, unter einem großen Kastanienblatt Schutz zu suchen, aber bevor es den Baum erreichte, da brach das Wetter los. Riesige Tropfen fielen auf die Erde und ergaben, wo sie auf den heißen Staub der Wege trafen, diesen köstlichen Geruch eines heftigen Sommerregens.

Nun sollen wir Menschen ja jeden Baum als Unterstand bei Gewitter meiden. Und das ist unbedingt wichtig und zu befolgen. Bei Elfen und Naturgeistern ist auch das anders. Auch Zauberei? Wer weiß? Jedenfalls dachte unser Elflein gerade noch, gleich in Sicherheit zu sein, da erwischte es ein Tropfen in voller Stärke. Es war einer der Sorte, den, wenn Menschen ihn als Beweiß beschreiben, wie heftig ein Regenguss war, im Durchmesser eines kleinen Hühnerei´s anzeigen, obwohl ein Taubenei auch gereicht hätte. Der schrie zwar noch „Achtung, weg, ich komme !“ und vollführte ein Funkenspektakel in allen Regenbogenfarben, um auf sich aufmerksam zu machen, wobei ihm ein letzter versprengter Sonnenstrahl half. Doch umsonst, er traf unser Tröpfchen volle Breitseite und nahm es mit nach unten.

Aber ach , da war ein altes Schlammloch, ein ausgetrockneter Gartenteich. Und justement dahinein landete Tröpfchen und Tropfen. Der Regentropfen entschuldigte sich zwar noch, stammelte auch wohl so etwas wie "von gleicher Fraktion" , vereinte sich mit seinen Brüdern und zerfloß.

Da saß Tröpfchen nun. Zum Glück war es auf dem Wassertropfen nicht all zu hart gelandet. Es war ihm selbst nichts geschehen. Aber beim Versuch, aus diesem Matsch und dieser neuerlichen Pampe heraus zu kommen, rutschte es immer wieder aus. Nicht nur seine Flügelchen, sondern auch sein Röckchen wurden dabei fürchterlich in Mitleidenschaft gezogen. Kurz, total verdreckt und verschlammt. Je mehr es aber versuchte , sich zu befreien, desto mehr sank es ein. Kraftlos lag es dann in dem Schlamm. Das teure Röckchen war dahin und eben so unbrauchbar, wie seine Flügelchen geworden. Fliegen konnte es nicht mehr, selbst wenn es aus diesem vermaledeiten Loch heraus finden würde.Verzweifelt begann es zu schluchzen.

Das hörte eine Amsel. Und als sie festgestellte, dass es gerade zu regnen aufgehört hatte, stieß sie hinunter zu Tröpfchen. Sie sah sofort, was zu tun war. Sie nahm Tröpfchen vorsichtig um die Taille und zog und zog. Aber das Elflein steckte zu tief mit den Beinchen fest und so mühte und plagte die Amsel sich doch sehr. Sie stemmte sich mit den Beinen gegen und zog, sie hüpfte sogar dabei etwas hoch. Sie versuchte die ganze Technik, die sie anwandte, um einen dicken Wurm aus dem Erdreich zu Tage zu befördern.
                                                                 
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Ich stand am Fenster. Der Schauer war vorbei. Nun wollte ich sehen, wie es den Blumen ergangen sei.

Ach, die Amsel ist auch schon da. Klar in dem aufgeweichten Boden kann sie nun leichte Beute machen. Aber was hat sie denn da? Die arbeitet aber kräftig! Und w a s hat sie da, eine Libelle? Wie kommt die an eine Libelle? Das muß ich mir ansehen.









Barfuß eile ich hinaus. Die Amsel läßt mich nah herankommen, bevor sie hinauf aufs Garagendach fliegt. Ich schaue nach der Libelle. Libelle? Das ist ja Tröpfchen! Und in welchem Zustand!

„Tröpfchen, so sehen wir uns wieder! Armes Kleines, komm wein nicht mehr, alles wird gut!“

Damit lege ich ganz vorsichtig diese kleinen Beinchen frei und lächle insgeheim über das Wortspiel „Elfenbein-chen“ Aber oh, wie sieht der kleine Elf bloß aus!

„Hör mal, Tröpfchen, ich nehme dich jetzt erst mal mit hinein. Habe keine Angst. Aber wir müssen den Dreck auf dir entfernen, verstehst du das? Ich werde dich baden müssen.“

Drinnen nehme ich eine Müslischale, fülle warmes Wasser ein und setze das kleine Wesen ganz behutsam samt Kleidchen hinein. Dann breche ich ein winziges Stückchen aus einem Seifenrest und reiche es der Kleinen.

„Damit kannst du dich waschen und auch dein Röckchen etwas damit bearbeiten. Ich befürchte, ich mit meinen großen Händen mach da eher etwas kaputt. Aber der Schmutz muss da vollkommen raus. Ich schau derweil nach einem Handtuch.“

Als ich wieder komme kullern dicke Tränen über Tröpfchens Gesicht und es schaut mich mit roten Augen an. Als ich aber frage weshalb es wieder weinen müsse, lacht es mich mit glockenhellem Stimmchen aus.

„Dieses Ding da, diese Seife, die kitzelt ganz schön in den Augen.“

Kitzelt, haha!!! Das sehen wir Menschenkinder aber ganz  anders! Doch mein Tröpfchen strahlt nun wieder und nicht nur vor Sauberkeit. Und so packe ich es vorsichtig in ein Gästehandtuch, wo es unter Lachen und Gekicher ein wildes Gestrampel beginnt und in den weichen Falten ein Versteckspiel beginnt. Ich befürchte aber,dass die Flügel erneut zu Schaden kommen könnten und in der hohlen Hand bringe ich es hinaus und setze es zum Trocknen in den nun auch wieder strahlenden Sonnenschein.

Als ich später noch einmal hinaus gehe, um nach ihm zu sehen, liegt da ein Rosenblatt mit winzig kleiner Schrift:

„Gutschein für ein Blumenmärchen. Würde dir die Akelei gefallen?“


Sonntag, 8. Mai 2016








Mai-Märchen
oder
Wie Tröpfchen auf die Erde kam



Es war Mai, endlich Mai.

Die Natur schien über Nacht alle Bäume, Blumen und Sträucher auf einmal mit Blüten übergossen zu haben. Der Garten prangte in allen Farben, die Vögel jubilierten und trugen zu Neste und die Sonne tat , was sie konnte, das Defizit der vergangenen Tage, auszugleichen.

Nach einem neugierigen Begrüßungsgang dessen, was schon alles blühte, durch den Garten, beschloss ich, mich hinaus zu setzen und ein wenig zu malen. Und das machte ich auch.

Das war wundervoll. Ein laues Lüftchen strich über all die Blumenpracht hin und brachte immer wieder einen neuen Duft mit. Die Sonne strahlte von einem blitzblauen Himmel und verbreitete ihre Wärme. Und mitten in all dieser Herrlichkeit saß ich nun also mit dem Zeichenblock auf den Knien.

Allerdings hatte ich die halbe Nacht hindurch geschrieben und merkte, wie ich nun etwas schläfrig wurde. Merkte auch, wie mir immer wieder einmal die Augen zu fielen und ich kurz einnickte. In einem dieser Augenblicke wurde Tröpfchen geboren:

Gerade war es soweit, die Augen gingen zu, mein Kopf nickte nach unten. Doch was war denn das? Was krabbelte denn da durch mein Zeichenpapier? Erst gab es ein Ritsch und dann ein Ratsch, ein Riss entstand und ein winzig kleines , niedliches Dingelchen kämpfte sich durch den Spalt. Dann war es an der Oberfläche, rappelte sich auf und strich sein zartes Röckchen glatt und auch seine buntschillernden Flügelchen.

Da stand es nun.  Und wunderte sich.

Denn da war ein Vergissmeinnicht. Aber das schien doch sehr, sehr trocken zu sein, denn es lag ja da auf dem Boden, zu seinen Füßen. Da stimmte doch etwas nicht. Nun war Tröpfchen ein sehr junges Tröpfchen und hatte noch keinerlei Erfahrung mit Menschen. Es gehörte zu den Blumenelfen, die mit der Wasserversorgung, beziehungsweise der Gesunderhaltung der Blumen betraut waren. Es hatte ein Zauberkleidchen an, welches aus weichem Wasser gesponnen war.


Das heißt, das Röckchen bestand aus blattartigen , gedoppelten Lagen eines Stoffes, der wie eine Membran wirkte, welche die Feuchtigkeit aus der Luft sog und sie zwischen diesen Lagen als Wasser festhielt. Ja auch an den Elfen war die neue Technologie nicht spurlos vorüber gegangen. Der eigentliche Zauber bestand aber nun darinnen, das der Austausch immer wieder blitzschnell erfolgte. Das kann der Mensch sich nun nicht einmal vorstellen, wie das funktioniert. Und was der Mensch sich nicht erklären kann, hält er einfachheits halber als Zauber.

Tröpfchen brauchte nun also nicht mehr Schwerstarbeit leisten, und Eimer voller Wasser um einander schleppen. Es brauchte bloß sein Röckchen aus zu wringen und hatte genügend Wasser. Und das machte es nun.
Aber o weh, das Vergissmeinnicht rührte sich gar nicht. Es begann nicht, die Feuchtigkeit auf zu saugen und seine Blütenköpfchen zu heben. Tröpfchen wrang nicht nur sein Kleidchen, es rang nun auch seine Hände. Was geschah denn da? Was war das denn? Wie konnte denn sowas geschehen? Das Vergissmeinnicht wurde blaß und blässer, löste sich auf und verschwand und Tröpfchen stand in einer blaugrünen Pfütze.
Tröpfchen verstand das nicht. Es begann verzweifelt zu weinen. Das war ja das Allerallerschlimmste für einen Blumenelfen, eine Blume verkommen zu lassen. Und dieses Vergissmeinnicht war einfach verschwunden. Was würde bloß Mutter Natur dazu sagen?

 Es weinte hemmungslos. So sehr, dass ich auf es aufmerksam wurde und fragte , was denn so Schreckliches geschehen sei. Da deutete es auf das Blatt und berichtete, wie die Blume einfach verschwand. Und es sei doch verantwortlich, dass alle Vergissmeinnicht heute noch ihr Wasser bekämen und dieses sei eh schon so trocken gewesen.

Und nun ist es ganz futsch“, es sagte wirklich „futsch“!

Ich blickte auf meine Zeichnung. Ja, die war wirklich futsch, die Farben zerlaufen.

Du, ich kann so nicht zurück fliegen. Was soll ich denn bloß tun? Ich kann so nicht zurück kommen. Was soll denn nun nur aus mir werden?“

Damit begann es wieder bitterlich zu weinen und unter Schluchzen gestand es :

Und die anderen Vergißmeinnicht muss ich doch auch noch gießen und die habe ich hier im Garten noch garnicht entdeckt.“

Ach, ha je, war das ein Elend, wie dieses kleine Wesen weinte und todunglücklich war. Ich nahm es behutsam auf und setzte es auf meine Schulter.

Schscht, schscht, wer wird denn so weinen?“

Damit griff ich nach einem Rosenblütenblatt und gab es dem unglücklichen Tröpfchen.

Komm, putz dir jetzt mal dein Näschen und dann versprech ich dir, alles wird gut.“

Aber wie soll denn alles gut werden? Ich habe gepatzt und die anderen Vergißmeinnicht werden auch kaputt gehen,“ fiepste es mit ersticktem Stimmchen.

Tja ja, gell, das möchtest du nun wissen. Ihr könnt ´ne Menge, die wir nicht können. Aber wir können eine Menge, die ihr nicht könnt. Und jetzt pass mal auf, was wir machen.“

Kannst du zaubern?“ fragte es hoffnungsvoll.

Nee. Menschen können nicht zaubern, das überlassen wir gerne den Märchen -und Fabelwesen und eben euch. Können täten wir es schon gerne, aber könnten wir es, wären wir gottgleich. Nein, zaubern kann ich nicht, aber malen. Und jetzt pass auf.“

Damit riß ich das nasse Blatt vom Block und begann mit einem neuen Vergissmeinnicht.

Tröpfchen riß Mund und Nase auf und begann freudig seine Flügel aneinander zu reiben, was ganz so klang, als zirpe eine Grille. Tja ja, nicht allas ist Grille, was wie Grille zirpt.

Als das Bild fertig war, staunte es erst wie über eine Sinnestäuschung, trippelte darüber hin, immer und immer wieder, dann kletterte es zurück auf meine Schulter und streichelte mit beiden Ärmchen meine Wange. Das fühlte sich an, wie ein loses Haar, das dort hängen würde, oder ein Insekt, und beinahe war ich versucht, dieses vermutliche Tier weg zu wischen und hätte am Ende Tröpfchen beschädigt.

So nahm ich es sacht von der Schulter und trug es hinüber zu dem Beet, wo auch die Vergißmeinnicht standen und ließ es dort auf die Erde hinunter. Sofort begann es, sein Röcklein zu bearbeiten und bedankte sich während dessen strahlend und glücklich.

Ich werde mir etwas zum Dank für dich überlegen, ich komme wieder.“

Damit verschwand es zwischen den Blüten.

Ich setzte mich wieder auf meinen Gartenstuhl und träumte noch ein wenig vor mich hin. Als ich erwachte, lächelte ich versonnen über diesen wunderschönen vermeintlichen Traum. Dann nahm ich meinen Stift wieder auf, um mein Werk zu signieren. Dabei fiel er mir aus der Hand und ins Gras.

Direkt neben ein feuchtes Blatt Papier mit einem gerade noch erkennbaren verwaschenen Vergissmeinnicht....

(c)H.M.Kalitta