Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Dienstag, 19. April 2016

Heidi im Glühwürmchenwald

Gestern haben meine Tochter und ich beim Abendspaziergang mit Bella, unserer Pudeldame, das erste Glühwürmchen gesehen, und da kam mir mein Erlebnis von letztem Jahr in den Sinn, als ich das erste Mal seit meiner Kindheit wieder Glühwürmchen sah.




Heidi im Glühwürmchenwald




.
Da lebte ich nun also in Griechenland.
Der Umzug war vorbei und langsam, ganz langsam ließ der Stress nach und der Blick öffnete sich für neue Dinge. Für mein neues schönes Zuhause, die Wärme , die Sonne, ach , für so vieles.

Da fragte meine Tochter mich eines Abends, ob ich mit ihr und dem Hund noch ins Wäldchen kommen wolle.
Das Wäldchen lag hier schräg gegenüber und bisher hatte ich es nicht geschafft, mit ihr und Bella mit hinaus zu gehen.
Und so ging ich mit
.
Besagtes Wäldchen offenbarte sich recht romantisch und barg in seinem Inneren eine fast kreisrunde, kesselförmige Lichtung. Meine Tochter erzählte schon abends vorher, es seien Tausende und Abertausende von Glühwürmchen mit Anbruch der Dunkelheit dort gewesen. Grund, weshalb ich heute abend mit hinüber kommen wollte.
[x] skip video
Wann hatte ich das letzte Mal ein Glühwürmchen gesehen? Da war ich sieben. Seither kann ich mich nicht daran erinnern, je wieder eines gesehen zu haben, dachte , es gäbe sie gar nicht mehr.
Nun also waren wir dort im Wäldchen. Wir mussten von der Straße ein paar Meter vom Wäldchenrand hinunter gehen und befanden uns nun auf der Lichtung.

„Hier war alles voll“, erklärt Jasmin und ich bin enttäuscht, kein einziges Würmchen! Und so setzen wir unsere Runde fort und steigen auf der anderen Seite wieder hinauf. Sie tröstet:
„Warte mal. Es ist ja auch noch nicht ganz dunkel..“

Ich bin trotzdem enttäuscht, wie ein kleines Kind, dem man Schokolade versprochen hat und nun nicht gibt. Bella, die Königspudelin , hat dagegen gut Hüpfen und Springen, denn wir beschließen, um in die Dunkelheit zu kommen, eine größere Runde mit ihr zu gehen.

Dann ist es dunkel und wir stehen wieder am oberen Rand der Lichtung, und was ich nun zu sehen bekomme, übertrifft alle meine Erwartungen. Myriaden von Lichtern. Unwahrscheinlich hell und intensiv, als knipse jemand Leuchtstrahler an und aus.

Ich beginne zu jubeln und drehe und wende mich und überall hocken sie , die kleinen Strahlemännchen. Ich kann nicht schnell genug schauen . Da, da fliegt eines vorbei. Was, fliegen tun die auch? Und wie betätigen sie beim Fliegen nur ihre Lichtschalter?

Und wer hält mich plötzlich an den Händen fest?Warum tut Jasmin das denn?

Und wo kommt plötzlich der Wind in meinem Gesicht her? Jasmin ! Ja aber wo ist denn Jasmin?

Lichter zucken auf. Ich glaube nicht, was ich sehe. Ein paar Meter unter und hinter mir steht sie mit Bella. Und nun erkenne ich auch, wer mich an den Händen hält und woher der Wind kommt.
Zwei Glühwürmer halten mich links und rechts und sausen mit mir durch die Lüfte. Die sind ja riesig! Und es ist der Fahrtwind, der mein Gesicht kühlt.

Aber nein, ich, ich bin genau so klein , wie diese Käferlein. Wie kann das denn sein? Panik steigt in mir auf und beinahe hätte ich meine Hände losgerissen. Was fatal gewesen wäre.
Ich möchte reden , fragen , mich schlau machen, was das hier soll. Da beginnt das eine mit schnarrender Stimme.






















Er sei Waldemar und der andere sei Boromäus. Sie hätten den Auftrag direkt vom Ober-
Lichtungswart bekommen. Und sollten mich direkt zum Hofe des Herrn aller Leuchtkäfer, König Phosphaenus, schaffen. Dort würde ich bereits als Ehrengast erwartet und bekäme dann Antwort auf meine eventuellen Fragen.

Ha, eventuell ist gut! Sofort möchte ich wissen, was hier los ist!

Aber die Beiden, Waldemar und Boromäus, schweigen nun beharrlich, drehen noch eine Ehrenrunde über der Lichtung. Eigentlich müsste ich am Boden schleifen, denn sie fliegen jetzt nicht so hoch. Da fällt mir wieder mein Zustand ein , dass ich ja so winzig wie die Beiden bin. Und ich beginne zu schreien :

„Jassy! Jasmiiiin, hilf mir , halt mich fest.!“

Aber sie reagiert sehr eigenartig, steckt den Finger ins Ohr und tut als müsse sie die Luft heraus lassen und schaut sich suchend um. Hört sie mich denn nicht? Na ja, sehen kann sie mich kaum in der Dunkelheit und so winzig, wie ich jetzt bin. Auch meine Stimme muss wohl klein und unhörbar geworden sein, so daß Jasmin mich garnicht hören kann. Sie tut, als flöge ein lästiges Insekt summend um sie herum, dreht und wendet sich, lauscht immer wieder. Wenn sie jetzt noch anfängt, nach uns zu hauen? Wenn sie uns erwischt?

"Jasmiiin, nicht!!....hilf mir doch!!!“ Aber sie hört mich wohl nicht!

„Jaaaaaneeee!“ brülle ich noch mal und da schwirren sie mit mir ab.

Ich komme mir vor, wie im Weihnachtswunderland. Überall blitzt und blinkt es. Als hätten fleißige Hausfrauen unzählige Lichterketten dekoriert, die schönste Festbeleuchtung.
Aus Gras und Büschen leuchtet es und in der Luft herrscht reges Treiben. Das kommt von hier und geht nach da. Die reinste Völkerwanderung.

Und wieso scheine ich immer wieder Teile vom Hochzeitsmarsch von irgendwo herüber zu hören?

Nun gehen Waldemar und Boromäus mit mir in einen Sinkflug über und wir landen in einem besonders lebhaft erleuchteten Busch.

Ich werde begrüßt und bestaunt wie eine Exotin. Man knickst vor mir und küsst mir die Hände.
Zwei ältere Leuchtkäferherren treten mit großen Lupen vor mich hin und begucken und begutachten mich von allen Seiten. Dann verabschieden sich meine beiden Flugkapitäne und ich werde in eine Kleiderkammer geführt.
Dort setzt man mir ein Krönchen auf mit angedeuteten Fühlern und steckt mich in einen Umhang, der ein wenig wie ein herabhängendes Flügelpaar anmutet. Dann werde ich nochmals begutachtet.






Etwas scheint nicht zu stimmen an meinem neuen Outfit und Ratlosigkeit macht sich breit. Dann sagt jemand etwas und allgemeines Aufatmen erfolgt.

Ein Käfermädchen wird eilends fortgeschickt und kommt kurz darauf strahlend und freudig blinkend mit einer kleinen, ebenfalls blinkenden Laterne zurück. Die gibt man mir in die Hand. Nun scheint man mit mir und meinem Äußeren zufrieden zu sein und wohlwollendes Gemurmel entsteht.

Und plötzlich sind da auch wieder Waldemar und Boromäus. Sie haben sich, wie man bei uns sagt, in Schale geschmissen. Sie nehmen mich in ihre Mitte , während sich hinter uns so etwas wie ein Festzug formiert.

Und da erklingt auch wieder der Hochzeitmarsch und zu seinen Klängen geht es im Stechschritt und Synchronleuchten in Richtung Kronsaal, einigen besonders dichten und lauschigen Zweigen.
Ob hier nun des Rätsels Lösung wartet?

Ich werde ganz nach vorne geführt, wo ein Glühwurm, in Mönchstracht mit einem großen Buch vor mich tritt und auf den Wink eines anderen, in Samt und Seide Reichgekleideten, und mit Krone auf dem Haupt, zu lesen beginnt.

Aha , denke ich, also der mit Krone ist demnach Phosphaenus. Weshalb ist denn der so dünn? Ach so, ja, die fressen ja in reifem Alter nicht mehr, leben nur noch im Sinne des Wortes von Luft und Liebe, und ich mache mir so meine Gedanken.

So bekomme ich auch wenig mit von der Chronik der Luciolinae, Lampirinae und der königlichen Lampyris noctiluca. Doch dann wird’s interessant.

Da gibt es nämlich einen Brauch, einen ziemlich scheußlichen. Den fürchtet der junge König wie den Tod, denn das ist ja auch schließlich sein eigener. Der wird nämlich gleich nach der Paarung entsorgt, gefressen.  Und so will er ganz neue Wege gehen und hat einen Erlass heraus gebracht.

Dieser besagt , dass in der Nacht der Nächte, wenn allgemeine Verehelichung angesagt ist, jenes weibliche Wesen, welches sich sehnlich wünscht, Leuchtkäferchens Bekanntschaft zu machen, seine Frau werden soll. Er will einfach nicht " zum Fressen " lieb gehabt werden, sondern danach noch ein bisschen weiterleben...

..- und nun soll ich....Moment mal...

Waaas, wiiie, iiich? Hiiiilfeeee! „Jaaaaasmiiiiin!....Ich will hier raus!!!“

„Wieso, Mama , wieso wo raus??? Ist es nicht wunderschön hier?“ Oh, sie hört mich.

„Ja, wunderschön! Soo etwas habe ich ja noch gar noch nicht erlebt.! Aber nun lass uns schnell hier weg gehen. Ja? Bitte...komm...schnell...!"

Ich stehe in voller Größe neben ihr und schüttle mich in die Gegenwart zurück....Ja, was war d a s denn eben?

Haha, ein Märchen! Was sonst???

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen