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Mittwoch, 20. April 2016

Hallo, Griechenland...

Ende diesen Monats jährt sich zum 1. Mal mein Wegzug von Deutschland nach Griechenland und in Gedanken lasse ich in diesen Tagen alles nochmal Revue passieren






Hallo, Griechenland, da bin ich.....





Quelle: H.M. Ka



Der Morgen hatte mich mit dem warmen Lufthauch geweckt, der die Gardinen bauschte und hier ständig sanft durch die offenen Räume zog. Er vermittelte ein angenehm wohliges Gefühl auf der Haut und trug den herrlichen Duft der blühenden Akazien von der gegenüberliegenden Straßenseite herein. Dieser Duft und dieser sanfte Hauch waren das erste, was ich hier wirklich genoss. Die schöne große Wohnung, mit den vielen Balkons, im Augenblick noch etwas weniger, denn überall standen noch Umzugskartons, und an den Aufbau der Bibliothek war noch nicht ansatzweise zu denken. Dort stapelte sich alles, was noch nicht seinen endgültigen Platz gefunden hatte

Ich war nun zwar in Griechenland , ich war da , aber so recht angekommen war ich noch lange nicht.

Da sagte meine Tochter beim Frühstück , es sei heute unten in der Stadt Bazaari und ob ich mir zutraute, mit ihr hin zu gehen. Wir waren alle etwas vom Umzug mitgenommen Mein 1mm-Rest- Rückenmark schrie zwar Zeter und Mord , aber den Bazaari entgehen lassen? Nö, den wollte ich schon erleben!

Also kletterten wir in den Jeep und ließen uns von Ilias mitten ins Gewusel fahren. Ganz Drama schien schon auf den Beinen zu sein und in den schmalen Straßen stockte der Verkehr. In der Nähe hörte man schon die Ausrufe der Marktschreier. Ein Bazaari ist wie ein Wochenmarkt und ein Krämermarkt zusammen.. Au, da war was los!

Bildschöne. aparte Griechinnen jeden Alters, dazwischen sehr unvorteilhaft gekleidete junge Mädchen . Und dann, Überraschung, sogar einige ganz passable Griechen der männlichen Spezies. Die ich eigentlich nicht so gerne mag, weil ich sie immer noch für rücksichtslos, ungalant und machohaft halte. (Anwesende unbedingt ausgenommen)

Wir bahnen uns einen Weg, und schauen nicht nur nach den tausenderlei ausgelegten Waren, sondern frönen auch ausgiebig dem „ Leute gucken“ . Eine jüngere Frau mit üppigen Formen, in ein knallenges Jeanskleid gezwängt, steht mir plötzlich im Weg, dreht mir ein dralles, wohlgerundetes Hinterteil entgegen und unwillkürlich hebe ich schon die Hand, um ….Christianes ungläubiger Aufschrei „Mama!!!!“kann mich gerade noch bremsen.



Jaane steuert zielstrebig in eine Nebenstraße; dieser Händler dort soll das beste Obst und Gemüse haben. Dafür schreit er auch am lautesten, wobei er lachend seine mannigfaltigen Zahnlücken offenbart. Fasziniert betrachte ich dieses fröhliche lebhafte Bauerngesicht. Aber er hat tatsächlich sehr gute Ware . Wir kaufen kiloweise Tomaten, Auberginen, Bohnen, Zuccini, Gurken.

Bei einem Blumenstand erstehen wir einen Rhododendron für den Wohnzimmerbalkon und bei einem anderen suchen wir uns Töpfchen mit Thymian, Oregano, Minze und Basilikum aus. Dann trollen wir uns mit viel Gelästere über unsere lieben Mitmenschen in Richtung Platia. Was nicht so einfach ist, in der Menschenmenge sich einen Weg zu bahnen und meinen gewichtigen 70cm- Rhododendron vor Havarien zu schützen . Aber wir nehmen es gelassen und finden fröhlich immer neue Opfer zum Ablästern.

Wie gerade den älteren, eigentlich sehr gepflegten Herrn im frischgestärkten sportlich dunkelblauen Hemd .Das Weiß seiner eleganten Leinenhosen offenbart sich allerdings als sehr indiskret und ich stoße meine Tochter an:

„Sieh mal, Jaane, wie apart. Weiße Unterhöschen, darinnen weißes Unterhemdchen und dann das Oberhemd hineingestopft. Tz-tz-tz-tz-, was so weiße Hosen so alles an den Tag bringen! “

Schon erwartete ich wieder Jaane`s „aber Mama“. Jedoch diesmal blieb es aus. Stattdessen grinst auch sie und überlegt laut, wer ihm diese Hose wohl verpasst haben mochte und ich lästerte gleich
weiter:

„Ob er wohl 2 links, 2 rechts Doppelripp, oder Maco feingekämmt trägt? Sieht eher nach feingekämmt aus....“





„Tja, das wird dann doch wohl sein kleines Geheimnis bleiben.“

Inzwischen sind wir nahe der Platia angekommen und Jaane eröffnet mir, dass sie noch eine
Erledigung zu machen hätte, wozu sie unsere Schätze nicht mitschleifen wolle und ob sie mich an einer Bank oder sonstigen Sitzgelegenheit eine Weile zurück lassen dürfe.

Na ja, zurücklassen ist gut. Sitzen ist besser und so setze ich mich brav auf einen von Jaane angewiesenen Platz und sitze nun wie eine Henne inmitten unserer zehntausend Tüten und Tütchen.

Und schon höre ich es um mich tuscheln.. “.ah, Germanida...“ Ich strahle mein nettestes Lachen in die Runde und bemerke nun erst, wir sitzen rund um eine Brunnenanlage herum. Hübsch! Eine kleine ruhige Oase. Direkt daneben brandet der Verkehr. Kommt zum Stoppen, weil zwei befreundete Autofahrer eben mal kurz anhalten, sich aus den Fenstern lehnen und ungeachtet des Verkehrs eine kleine fröhliche Unterhaltung beginnen, oder sich für den Abend zu einem Frappé verabreden-

Die ersten Hupen mahnen kurz, das Gespräch zu beenden und seitens der Angemahnten erfolgt ein lachendes Zurückwinken und -hupen, dann ein fröhliches „Adío, ta léme argotéra“ und der Verkehr rollt weiter.

Das wiederholt sich, während ich da sitze einige Male, auch zwischen Fußgängern und Autofahrern. Hier an diesem kleinen Platz quirlt das Leben, scheint sich ganz Drama zu begegnen. Es führen zwei Fußgängerzonen nach hinten und versickern irgendwo in den schmalen Straßen mit den vielen kleinen Läden und Boutiquen in den alten abenteuerlich anmutenden Häusern mit den vielen Balkons..

Eben kommt eine Frau, setzt sich neben mich. Ein Mann kommt zum Brunnen. Sieht nicht aus, als müsse er dieses Wasser trinken, hat es aber doch wohl nötig , denn er trinkt aus vollen Händen. Die Frau und ich schauen gemeinsam in seine Richtung. Er sieht wirklich gut aus . Und ich denke gerade „ja, der könnte mir dann schon gefallen“, da dreht sich die Griechin zu mir und zieht anerkennend die Augenbrauen hoch und nickt. Auch wenn sie kaum meine Gedanken erraten konnte, so hat sie doch wohl die gleichen gehabt und ich nicke lächelnd zurück. Dann erklärt sie mir etwas , wobei sie auf ihre Füße zeigt, die in zierlichen, sicher nicht für Marktgänge geeigneten Sandalen stecken, und macht ein schmerzverzerrtes Gesicht dabei. Dann bedeutet sie mir, jetzt weitergehen zu wollen , grüßt fröhlich und geht. Ich zwitschere ihr stolz eines meiner spärlichen griechischen Worte nach: „jasou"!

Inzwischen bin ich gegenüber bei zwei Frauen wohl zum Gesprächsthema geworden. Ich verstehe etwas von „Germanida“ und begegne ihren Blicken , wobei die eine überschwänglich lächelnd mit dem Kopf nickt und die andere eher etwas schuldbewußt die Augen senkt. Was sie wohl über mich geredet haben? Jedenfalls haben sie mitbekommen, dass Jaane und ich deutsch gesprochen hatten. Ich werde Jaane nachher bitten, etwas in ihrem perfekten, fließenden Griechisch zu sagen, denke ich etwas gemein.

Gerade ist eine junge Mutter mit ihrem Kind am Brunnen und füllt ein Fläschchen für die Kleine, die mich verschämt anlächelt und eine Weile kokettieren wir miteinander, bis das Fläschchen voll ist.

Da betritt eine Zigeunerin die Szene. Bildhübsch, und abenteuerlich gekleidet . Ein Augenschmaus. Sie trägt etliche Körbe mit sich, wovon mir als Korbfan mindestens drei gefallen könnten. Aber ich habe bereits eine solche Vielzahl davon, dass ich sie nach dem Umzug hierher, bereits dekorativ auf dem Küchenschrank aufstellen musste. Sie bietet sie hier und da an und ich wünsche ihr, dass Jemand ihr einen Korb abkauft und ihr keinen Korb gibt. Ein Mann scheint interessiert. Es ist ein besonders schönes Stück und als er aufblickt und sich unsere Blicke treffen, versuche ich seinen fest zuhalten und nicke ihm aufmunternd und in Richtung Korb zu. Er lächelt, nickt und kauft. Nach Abschluss winkt er mir mit seinem Neuerwerb zufrieden und fröhlich zu . Und langsam , denke ich bei mir, langsam kann es mir hier gefallen.

Da kommt auch schon Christiane. Sie erfüllt meine Bitte mit dem Griechisch sprechen und die Damen gegenüber bekommen große Augen und schauen schnell verschämt weg, als ich sie etwas schadenfreudig anlächle.

Dann sammeln wir unsere Schätze ein und machen uns auf den Heimweg. Der wird den Berg hinauf zwar etwas beschwerlich, aber der Bazaari und die Zeit am Brunnen haben erfreuliche Eindrücke hinterlassen und für den ersten Gang in die Stadt sehr hoffnungsvolle.

Allerdings, als wir abends noch etwas bummeln gehen wollen und ich in weißen Leinenhosen antrete , meint meine Tochter spitzbübisch lächelnd:“ Aha, weiße Spitzenhöschen , zart gestreift....!“

Und ich ziehe mich schnell nochmal um.

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