Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Freitag, 25. März 2016

Ein bisschen Frieden










Ein bisschen Frieden.
 
 


 
Mein Schwiegervater war Erzkatholik und seine Brüder hohe Tiere in der Katholischen Kirche, einer davon hoher Würdenträger. Es macht mich ein wenig stolz, dieses zu berichten, obwohl ich ja nur angeheiratetes Familienmitglied war, aber:

Ich, war evangelisch.

Ob alles nur daran lag? Ich weiß es nicht. Man sprach allgemein nicht lieb von ihm..

Ich hätte jetzt auch anfangen können:

Mein Schwiegervater war ein Giftzwerg.

So klein er war, so böse war er. Niemand mochte ihn wirklich und ich bekam gleich am ersten Tag, als mein Verlobter mich zu seinen Eltern brachte, eine gehörige Lektion.

Und sowieso , eine Mischehe und dann noch eine evangelische! Ich schluckte, verließ mich auf meine gute Erziehung und begegnete ihm mit größter Höflichkeit.

Meine Mutti hatte mir eingeprägt: Zwei Dinge, Püttiputt, (petit pou):
Lächeln ist die eleganteste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen und ärgert mehr ( letzteres sagte sie natürlich nicht).

Und: Wenn du nicht mehr freundlich sein kannst, so bleibe doch bitte höflich.!

Und so lächelte ich und blieb höflich. Meiner Schwiegermutti wegen, die eine ganz , ganz liebe Frau war, ihn abgöttisch liebte und still unter seiner Art litt.

Nun hatten sie wieder einmal auf der Durchreise bei unserer kleinen Familie Station gemacht. Meine Mutti war auch zu Besuch und so luden wir auch noch meine Schwägerin und ihren Mann dazu ein. Saßen urgemütlich um den großen Tisch und genossen den friedlichen Wochenausklang.

In diese gute Stimmung hinein seufzte mein Schwager zwischen zwei Tortenstücken wohlig:
Ach ja, und wenn man nun noch wüsste, dass man morgen nicht mehr zur Arbeit müsste, das wäre das Non plus ultra... nicht Schwiegervater?"


Oh! Das kam gar nicht gut bei dem an. Er war gerade in den Ruhestand versetzt worden und vielleicht kam er damit nicht zurecht. Jedenfalls fiel er verbal über den armen Dieter her, der sich prompt am nächsten Tortenstück verschluckte, hieß ihn alles Liederliche und er solle erst mal Respekt vor dem Alter lernen und diesen Zynismus verbäte er sich.

Der Einwand von jemanden, das hätte Dieter doch so gar nicht gemeint, brachte ihn noch mehr in Rage und als Schwiegermama dann auch noch versuchte zu schlichten, fiel er so böse über sie her, dass sie zu weinen begann. Doch er fuhr fort, nun sie zu beschimpfen. Und schien kein Ende zu finden. Meine beiden kleinen Töchter sperrten Mund und Augen auf, waren dem Weinen auch schon ganz nah.

Ich schaute meinen Mann an, dann seine Schwester. Die stierten betreten auf ihre Teller und keiner unternahm etwas zu Mutters Verteidigung .

Das war zu viel

Ich schaute in die eben noch so frohe Runde, dann zu meinem Schwiegervater, und klopfte mit der flachen Hand ein paarmal...nein, ich hieb nicht.. auf den Tisch und sagte:
Bitte, meine Lieben, an diesem Tisch hier, Schwiegervater, möchte ich Frieden. Hier herrscht - Frieden..."

Oh!-

In meiner Erinnerung ging er wie´s HB- Männle an die Decke. Beim wieder Runterkommen schlug er genau da, wo die Schubladen waren, auf die Anrichte. Die war neu und erst tags zuvor provisorisch aufgebaut worden. Es machte klack, klack, klack, und sämtliche Stirnbretter der Schubladen klappten nacheinander zu Boden.

Nein, es war mir gar nicht zum Lachen zu Mute, nein, damals nicht. Es war das Ende.

Ich war vor meinem eigenen Mut auf die Veranda hinaus gelaufen. Später kam Schwiegermama, sagte, meine Mutter hätte ihn beruhigt und sie selbst hoffe, Ihr Sohn Wolfgang, mein Mann, würde doch bitte so niemals werden... und verabschiedete sich traurig. Ich habe sie nie mehr gesehen.

Viele Jahre später, die Mädchen waren erwachsen. Die Schwiegereltern waren dem Ruf des ältesten Sohnes von Gelsenkirchen nach Münster gefolgt, wo sie nun mit dessen Familie Kopf an Fuß lebten. Das ging nicht lange gut und nach Mutters Tod eskalierte die Situation.
Wir selbst hatten keinerlei Kontakt mehr zu irgend einem Familienmitglied, da ging abends spät das Telefon. Es war Vater, belanglos, nur mal so. Nun rief er immer öfter an... belanglos. Dann : Wie geht es Heidi?" und noch etliche Gespräche später: Könnt ihr nicht mal kommen?" Er hatte sich inzwischen mit allen zerstritten.


Und wir kamen.

Was wir aber sahen, war schlimm, zum Teil Ekel erregend. Da hauste der kleine Mann in einer total verwahrlosten Wohnung und ernährte sich von Dosenwürstchen, Pulverkaffee und Mengen Rotweins.

Wir fuhren nun regelmäßig hinauf, um ihn zu versorgen, bis ich ein sehr schönes Altenheim fand und den Vorschlag machte, ihn zu uns zu holen, was wir auch gleich machten.

So. Was dann geschah, ist so schön, dass es mir wert war, diese Geschichte aufzuschreiben.

Er bewohnte jetzt ein gepflegtes Appartement, Bad, kleine Schrankküche, ging mittags hinunter, wo sie Sterne verdächtige Küche servierten , nach Wahl, freute sich abends aufs kalte Büffet und nahm sich noch etwas für die Nacht mit, wenn er sich dem stillen Genuss seines Rotweines hingab. Wenn etwas Besonderes stattfand oder auf Wunsch, holten wir ihn dann Samstag oder Sonntag zu uns, oder fuhren mit ihm hinaus.

Plötzlich war er derjenige, der sagte, wie gut ich gekocht hätte... und dass ich mich doch nun auch etwas hinlegen solle nach dem leckeren Essen ...und Wolf solle doch gut auf mich aufpassen...und wie schön es sei, dass er nun da sein könne. Und hatte er früher über alles geschimpft und gelästert, womit ich die Wohnung hübsch gestaltete, so fand er die Dinge heute sehr ansprechend und gemütlich. Plötzlich war alles gut.

Wenn ich ihn dann zu später Stunde ins Heim zurückfuhr, lag er zufrieden im Fond und sang in den höchsten Tönen mein Lob. Wie gut es ihm bei der Heidi gehe... und wie es ihm überhaupt so gut hier gehe... und so gut sei es ihm im ganzen Leben noch nicht gegangen...juch-hu-hu-hu-hu-hu...und überhaupt sei er der glücklichste Mann.

So wurde aus unserem Giftzwerglein aufs Alter noch ein zufriedener, glücklicher Mann. Weiß man´s denn, mit welchen Geistern er früher zu kämpfen hatte, die ihn so bös werden ließen? Nun, ich bin sicher, als alle ihn schließlich verlassen hatten, erinnerte er sich an meine Worte und dass ich um nichts anderes als um Frieden bat, nur ein bisschen Frieden, an meinem Tisch. Und so besann er sich eben an diesen Tisch.


Nachwort

Was ich mit dieser Geschichte sagen will, ist:

Manchmal geschieht einem Unrecht. Womit ich nicht die spektakulären Fälle meine, die vor dem Kadi enden.

Nein, ich meine die kleinen, die sich in der Stille zwischen Menschen abspielen, oft gedankenlos, und viel mehr weh tun.

Wenn du aber sicher bist, selbst nichts Böses getan zu haben, dann kannst du ruhig sein. Lass es laufen.

Die Zeit reift und mit ihr die Menschen. Dann geht im Nachhinein manchem ein Lichtlein auf: halt mal, das war ja gar nicht so. Und wenn es ganz besondere Menschen sind, geben sie das dann auch zu und bitten vielleicht um neue Freundschaft.

Ich habe diese Erfahrung drei mal gemacht. Die längste dauerte 20 Jahre. Diese....


 

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