Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Sonntag, 27. März 2016

Menschen kommen, Menschen gehen

 


 

Menschen kommen, Menschen gehen


Manchmal kommen Menschen in dein Leben
und du weißt, etwas wird sich ändern.

 



    Als mein Mann in 2012 starb, kamen lauter neue Menschen in mein Leben.
Sie kamen, blieben und trugen mich durch diese schwere Zeit.

So, wie sie kamen, wie sie waren, für mich wurden, so war ich ganz sicher, der Himmel musste sie mir geschickt, sie mir zur Seite gestellt haben. Engel eben. Daran gab und gibt es bis heute keinen Zweifel. Zwei dieser Lieben sind nun etwas weiter weg gezogen, so dass wir uns leider jetzt nicht mehr jeden Tag sehen und zusammen sein können.

Mit ihrem treuen Beistand und einfach immer Dasein haben sie mich in dieser Zeit plötzlichen Alleinseins aufgefangen....Langsam lernte ich so, mein Leben allein zu schultern.

Die Zeit kommt und geht und mit Ihr die Ereignisse

Es kam Ralf.

Durch eines meiner Gedichte, das er kommentierte, auffallend genau interpretierte, lernten wir uns kennen. Posteten angeregt, und fanden mit jedem Post herzlichere Worte, bis wir dann staunend feststellten und in zunehmendem Maß feststellten, es müsse eine Seelenverwandtschaft zwischen uns sein. Und nun drängten da zwei Seelenhälften zu einander, wollten beieinander sein.

Dann skypten wir und es geschah

Er textete ganz offiziell: "nicht gesucht und doch gefunden..."Dann: "...ich könnte schreien vor Glück..."..( lach, mein Herz schrie mit ! )

Zwei Tage später war er da, im frühen Morgengrauen stand er vor mir, war die Nacht durchgefahren.

Das, was an Liebem, Gutem durch den Äther rüber gekommen war, zeigte sich nun erst in aller Macht und vollkommener Größe.

Das Wunder der Liebe geschah. Wir wollten nur noch eines, für immer zusammen sein, diese Liebe leben. Machten Pläne. Erst würden es die Wochenenden sein, dann wollte er hier in den Süden wechseln.

Ich fuhr in den Schwarzwald hinauf, um meinem "Stiefmütterchen" Ilona von Ralf und unserer Liebe zu berichten.

Nun saß ich bequem und überglücklich im IRE zurück nach Hause. Verträumt sah ich draußen diesen wundervollen Sommerabend, diese herrlichen Schwarzwaldmatten vorüber ziehen, bald würde ich es zusammen mit Ralf sehen.

Die Stimmung war perfekt. Die Räder und mein Herz sangen immerzu: Ralf, Ralf, Ralf. Der ganze Abend jubelte mit mir Ralf. Ralf. Und ich fuhr in diesen wundervollen Abend, in dieses wunderbare Glück.

Da kam sie.

Der Zug hatte sich gefüllt und ich war mit meiner neuen Nebensitzerin in ein angeregtes Gespräch vertieft, als eine große, stattliche Erscheinung, Sommerkleid, Strohhut, Rucksack und Walking-stöcke, alles zusammen etwas gewöhnungsbedürftig, bat, uns gegenüber Platz nehmen zu dürfen, und bald schon waren wir zu dritt in fröhlichen Gesprächen und unser Lachen mischte sich in mein "Ralf- Ralf".

Es stellte sich bald heraus , auch diese Frau kam aus Pforzheim und war tagsüber in Hausach bei einem Burgfest gewesen. Allein. Sie sei ständig unterwegs, immer allein, mal hier, mal da, wo eben in der Region etwas los sei. Das klang interessant, zumal sie wesentlich älter als ich war, und ich nach Knie- und Hüft-TEP gerade wieder das Gehen gelernt hatte. Und ich dachte dabei an unsere wunderschöne bevorstehende Wochenendehe, die Ralf und ich zu führen gedachten und an die langen Wochentage, an denen ich auf ihn würde warten müssen. In dem Augenblick, als ich sie fragen wollte. wandte sie sich bereits an mich, ob ich mich ihr nicht einmal anschließen wollte, was ich sofort bejahte.

Noch am selben Abend zu Hause wusste ich plötzlich, irgend etwas würde geschehen, etwas würde sich ändern. Beklommen fragte ich mich, wofür kam diese Frau gerade jetzt in mein Leben? Ich bekam irrsinnige Angst. Mir war klar, es könne nur etwas mit Ralf zu tun haben. Hatte der Himmel mir wieder einmal einen Engel geschickt?

Zwei Tage später rief sie an. Und alles hatte sich bereits geändert.

Als Ralf seiner Expartnerin, sie waren bereits vor mir getrennt, von uns berichtete, muß etwas geschehen sein. Alte Gefühle seien wieder hoch gekommen. Ich weiß nicht, wie sie es anstellte, er kämpfte einen irrsinnigen Kampf, sprang immer wieder hin und her. Verzweifelt: "...kann man denn zwei Menschen lieben...?" Bat um Bedenkzeit. Kam wieder. "Jetzt bleibe ich für immer, alles ist gut" und fuhr eine Stunde später zurück.

Ich konnte nicht um ihn kämpfen, konnte ihn nicht halten, er wäre zerbrochen. Das nächste Wochenende stand an und wieder wollte er kommen. Kam auch und es war wunderschön. Wir fuhren nach Tübingen, bummelten durch die Gassen und freuten uns auf den Sonntag.

Plötzlich Handy, verstört, er müsse zurück, sein Vater, Krankenhaus.
Sonntag Anruf, es sei nicht sein Vater gewesen, ein Mißverständnis - heute bin ich sicher. sie hatte ihn damit zurück gelockt aber,"sei nicht traurig, wir sehen uns Freitagabend.." Und wieder freute ich mich aufs Wochenende.

Da, Donnerstag ein Abschiedsbrief mit den Schlüsseln, der mich in die Knie zwang. Doch Freitagabend Handy:"...würdest Du mich denn noch hereinlassen, wenn ich jetzt käme? Ich bin unterwegs zu DIR ...!" Wieder machten wir Pläne. Wieder schien alles gut. Wieder Glückseligkeit pur.

Nun hatte er sich schon nach einem Verein hier umgesehen, dem er beitreten wollte. Das nächste Wochenende sollte ich bei ihm verbringen, freute mich riesig. Auch Griechenland wurde erörtert . Es wurde unser schönstes, aber auch unser letztes Wochenende. Wir verbrachten es bei meiner Schwester und meinem Schwager in Freiburg und nun schien wirklich alles wirklich gut
.
Die Woche über skypten wir und am Freitag freuten wir uns, und zählten zusammen die Stunden herunter. Er sagte gegen 16.00 Uhr, er führe dann gleich los, ich solle mich nicht sorgen, es würde wohl spät . die Ferien , der Verkehr...

Ich war so glücklich , bald...

Hatte die Schränke freigeräumt und unsere Lagerstatt , das "Hundekörbchen" neu gerichtet, wir schliefen kreuz und quer, drunter und drüber, purzelten umeinander wie die jungen Hunde in ihrem Körbchen, schliefen dicht bei einander und jedes in seinem Eckchen.

Gegen 18.00 ging ich aus Ungeduld noch einmal zu unseren letzten Mails. Wusste, er ist schon auf halbem Weg , bald da, bald wieder bei mir. Wollte einfach nur noch mal seine lieben Worte nachlesen , dass alles in Ordnung sei und wie auch er sich freute. Ich las, wusste ja, bald wäre er wieder bei mir und jetzt bereits schon ganz dicht hier, und jede Minute brachte ihn näher. Oh, wie sehr ich ihn vermisste , mich auf ihn freute! Irrsinnig freute. Mein Herz schlug Purzelbäume
.
Ich las voller Vorfreude.

Doch plötzlich stand da : ich werde nicht kommen, Du ahnst, Helga...
.
Seither kam er nicht mehr , ging ganz zu ihr zurück. Alles was wir hatten , waren 3 1/2 traumhafte Wochenenden. Ich nehme an, er hat auch kalte Füße bekommen über all den Änderungen, die unsere Partnerschaft mit sich gebracht hätte und die er bereits geplant hatte. Das konnte er nicht schaffen, nicht in diesem Zwiespalt. Da ging er.

Sönne, wie Sonne , blieb. Sie war da. Sie ist da und sie bleibt an meiner Seite, nimmt mich jeden Tag mit hinaus. Wir haben den nördlichen und den südlichen Schwarzwald, die nähere und die fernere Umgebung durchstreift, sind inzwischen ein eingeschworenes Team.

Diese Frau, 80 Jahre, fit ,wie ein Turnschuh, ein Urviech, kennt ganz Süddeutschland , sämtliche Events, sämtliche Wege dahin, sämtliche Bahn- und Busverbindungen und sicherlich auch noch die Ablegezeiten der Schiffe....

Wenn wir auseinander gehen, frägt sie: "...uuund, was machen wir morgen?"
und ich lache nur, und antworte : "Sag du es mir, du weißt doch : Ich Piggeldy. D U Frederik. Du sagst und ich folge dir."

So sind wir fast jeden Tag unterwegs, manchmal nur ein kleiner morgendlicher Walk about in der näheren Umgebung, dann wieder mit Bus- und Bahnanfahrt. Der Bodensee lockt, z.Zt. Konstanz, Meersburg. Im Herbst die Pfalz. Dazwischen kleinere Events, Feste in der Region.

An Sönnes Seite habe ich mir mein Lachen wiedergeholt, habe ich gelernt, wieder über Steine, Pfützen und Gräben zu springen, Treppen hinauf und herab zu hüpfen und neben ihrer bedächtigen Gangart immer wieder rechts oder links auszubrechen, um etwas Hübsches zu betrachten. Dann wartet sie geduldig, wie eine Mutter auf ihr Kind, bis ich meine Betrachtungen oder Fotos gemacht habe. Sie hat Traubenzucker für mich dabei und Stofftaschen für meine eventuellen Fundstücke und sogar immer ein paar Strümpfe, weil ich barfuß in den Schuhen stecke, auch wenn es auf kühle 1200m hinauf geht.

Besonders schön , unsere Gespräche, angeregt und heiter, oder wortkarg und nachdenklich, oft auch über weit Strecken stumm. Manchmal genügt ein Blick in die selbe Richtung, ein Lächeln, ein Kopfnicken. Es ist wunderschön, an ihrer Seite durch Wälder, Moore, Täler, Schluchten und über kahle windige Höhen zu wandern. Oft bleibt sie stehen und erzählt mir etwas über den jeweiligen Ort. Und auch ich weiß von Fabeln und Sagen zu berichten und manchmal nur von Unfug. Und dann schütten wir uns wieder aus vor Lachen. Mein ganzes Leben habe ich solch einen Menschen gesucht, der so mit mir durch Gottes Wunderwelt streift.

Morgens , +/- 8.00 Anruf , anonym. Aha!
"Ja Sönne, guten Morgen, uuuund?" und dann folgt ihr "Pass emal uff, heut gehe mer in d´ Heidelbeere (...Himbeeren, Brombeeren, Mirabellen , Pilze....)" Es folgt der Treffpunkt, Zug, Bahn, Bus, Uhrzeit wird verhandelt.

Wenn wettermäßig aber gar nichts geht, so stürzen wir uns in die Fluten eines der umliegenden Thermalbäder und genießen deren wohltuende Entspannung. Oder werden kreativ. Heute haben wir gemalt, morgen gehen wir in die Zwetschgen. Wo die auf dem Baum hängen , auf welcher verlassenen Wiese, d a s weiß nur sie, Sönne. Sie Frederik , ich Piggeldy.

Und Ralf?

Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört. Er wird immer mehr an den Rand meiner schönen Erinnerungen geschoben, entfernt sich immer mehr aus meinem Leben und meiner Zeit und bleibt doch immer in meinem Herzen.

Die Zeit flieht. Aber Sönne ist da, i s t meine Zeit. Leibhaftig, groß, fest, unverbrüchlich, liebevoll und treu. Würde ich sie malen, malte ich sie als stolze Fregatte unter vollen Segeln. Und so segelt sie mit mir an Bord durch meine Zeit, trägt mich liebevoll durch manchmal immer noch schwermütige Tage, hört sich geduldig meine zaghaften Versuche an, Ralf wie beiläufig, ohne Zittern in der Stimme zu erwähnen, Gedanken und Gespräche an ihn zu zu lassen, schweigt dazu vielsagend mit dem Lächeln einer Sphinx und zieht beharrlich unserer Wege vorwärts.

Vorwärts!! Sie Frederik. Ich Piggeldy
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Das Manuskript






 

Das Manuskript
 
 
 
                                             Nein! noch immer kann ich´s nicht fassen.
                                                           Ich fass es einfach nicht.
Kann´s auch noch nicht ruhen lassen,
es drängt mit Macht ans Licht.
 

Ich war Deine ganz große Liebe,
das war so echt und so klar.
Was war´s was sie so schnell trübte?
Es kam zu schnell zu dem "war".
 


Was war Dir nur geschehen?
Was machte mich Dir fremd?
                                                        Ich musste verzweifelt zusehen,
wie irgend etwas uns trennt.
 

    Doch nun, nach all diesen Jahren,
       jetzt, wo es Dich nicht mehr gibt,
    jetzt musste ich erfahren,
    es war ein Manuskript.


 Du hast es falsch gedeutet
und wandtest Dich von mir ab.
Dir hat es Schmerz bereitet.
Über mir brachst Du den Stab.


 Du gingst hart mit mir ins Gericht,
urteiltest nach Deinem "Wissen".
Doch wie es Dir schien, so war es nicht;
Du hättest reden müssen !
 

War´s wirklich denn für Dich so schwer
mich frank und frei zu fragen:
Dies Manuskript, wo kommt es her ?
Dann hätt ich Dir können sagen:

 
 
Mein Schatz, hättest Du doch nur weitergelesen !
Den Brief zu Ende und die kleinen Geschichten.
Unschwer hättst Du erkennen müssen
Nein, da war nie ein andrer gewesen !
Du und ich, unsere erste Zeit !
Darüber tat ich berichten !

 

 
Als Büchlein wollt ich´s Dir binden,
Dir zeigen, wie lieb ich Dich hab.
Du solltest es bekommen
zum ersten Hochzeitstag.

 

Doch dann konnt´ ich´s nirgends mehr finden.
Hab oft dich danach gefragt.
Dein Herz begann zu erblinden.
Warum hast du nie was gesagt?
 
 
Jetzt erst habe ich es gefunden.
Und all meine Briefe an Dich
mit Seidenband lieb gebunden.
Verschlossen ! Auch für Dich !

 
 
In einer goldnen Schatulle
im finstersten Kellerloch:
das Grab einer so großen Liebe.
Mein Gott....und ich liebe Dich noch...


(c) Heide Marie Kalitta

 





 


 

 

Freitag, 25. März 2016

Ein bisschen Frieden










Ein bisschen Frieden.
 
 


 
Mein Schwiegervater war Erzkatholik und seine Brüder hohe Tiere in der Katholischen Kirche, einer davon hoher Würdenträger. Es macht mich ein wenig stolz, dieses zu berichten, obwohl ich ja nur angeheiratetes Familienmitglied war, aber:

Ich, war evangelisch.

Ob alles nur daran lag? Ich weiß es nicht. Man sprach allgemein nicht lieb von ihm..

Ich hätte jetzt auch anfangen können:

Mein Schwiegervater war ein Giftzwerg.

So klein er war, so böse war er. Niemand mochte ihn wirklich und ich bekam gleich am ersten Tag, als mein Verlobter mich zu seinen Eltern brachte, eine gehörige Lektion.

Und sowieso , eine Mischehe und dann noch eine evangelische! Ich schluckte, verließ mich auf meine gute Erziehung und begegnete ihm mit größter Höflichkeit.

Meine Mutti hatte mir eingeprägt: Zwei Dinge, Püttiputt, (petit pou):
Lächeln ist die eleganteste Art, dem Gegner die Zähne zu zeigen und ärgert mehr ( letzteres sagte sie natürlich nicht).

Und: Wenn du nicht mehr freundlich sein kannst, so bleibe doch bitte höflich.!

Und so lächelte ich und blieb höflich. Meiner Schwiegermutti wegen, die eine ganz , ganz liebe Frau war, ihn abgöttisch liebte und still unter seiner Art litt.

Nun hatten sie wieder einmal auf der Durchreise bei unserer kleinen Familie Station gemacht. Meine Mutti war auch zu Besuch und so luden wir auch noch meine Schwägerin und ihren Mann dazu ein. Saßen urgemütlich um den großen Tisch und genossen den friedlichen Wochenausklang.

In diese gute Stimmung hinein seufzte mein Schwager zwischen zwei Tortenstücken wohlig:
Ach ja, und wenn man nun noch wüsste, dass man morgen nicht mehr zur Arbeit müsste, das wäre das Non plus ultra... nicht Schwiegervater?"


Oh! Das kam gar nicht gut bei dem an. Er war gerade in den Ruhestand versetzt worden und vielleicht kam er damit nicht zurecht. Jedenfalls fiel er verbal über den armen Dieter her, der sich prompt am nächsten Tortenstück verschluckte, hieß ihn alles Liederliche und er solle erst mal Respekt vor dem Alter lernen und diesen Zynismus verbäte er sich.

Der Einwand von jemanden, das hätte Dieter doch so gar nicht gemeint, brachte ihn noch mehr in Rage und als Schwiegermama dann auch noch versuchte zu schlichten, fiel er so böse über sie her, dass sie zu weinen begann. Doch er fuhr fort, nun sie zu beschimpfen. Und schien kein Ende zu finden. Meine beiden kleinen Töchter sperrten Mund und Augen auf, waren dem Weinen auch schon ganz nah.

Ich schaute meinen Mann an, dann seine Schwester. Die stierten betreten auf ihre Teller und keiner unternahm etwas zu Mutters Verteidigung .

Das war zu viel

Ich schaute in die eben noch so frohe Runde, dann zu meinem Schwiegervater, und klopfte mit der flachen Hand ein paarmal...nein, ich hieb nicht.. auf den Tisch und sagte:
Bitte, meine Lieben, an diesem Tisch hier, Schwiegervater, möchte ich Frieden. Hier herrscht - Frieden..."

Oh!-

In meiner Erinnerung ging er wie´s HB- Männle an die Decke. Beim wieder Runterkommen schlug er genau da, wo die Schubladen waren, auf die Anrichte. Die war neu und erst tags zuvor provisorisch aufgebaut worden. Es machte klack, klack, klack, und sämtliche Stirnbretter der Schubladen klappten nacheinander zu Boden.

Nein, es war mir gar nicht zum Lachen zu Mute, nein, damals nicht. Es war das Ende.

Ich war vor meinem eigenen Mut auf die Veranda hinaus gelaufen. Später kam Schwiegermama, sagte, meine Mutter hätte ihn beruhigt und sie selbst hoffe, Ihr Sohn Wolfgang, mein Mann, würde doch bitte so niemals werden... und verabschiedete sich traurig. Ich habe sie nie mehr gesehen.

Viele Jahre später, die Mädchen waren erwachsen. Die Schwiegereltern waren dem Ruf des ältesten Sohnes von Gelsenkirchen nach Münster gefolgt, wo sie nun mit dessen Familie Kopf an Fuß lebten. Das ging nicht lange gut und nach Mutters Tod eskalierte die Situation.
Wir selbst hatten keinerlei Kontakt mehr zu irgend einem Familienmitglied, da ging abends spät das Telefon. Es war Vater, belanglos, nur mal so. Nun rief er immer öfter an... belanglos. Dann : Wie geht es Heidi?" und noch etliche Gespräche später: Könnt ihr nicht mal kommen?" Er hatte sich inzwischen mit allen zerstritten.


Und wir kamen.

Was wir aber sahen, war schlimm, zum Teil Ekel erregend. Da hauste der kleine Mann in einer total verwahrlosten Wohnung und ernährte sich von Dosenwürstchen, Pulverkaffee und Mengen Rotweins.

Wir fuhren nun regelmäßig hinauf, um ihn zu versorgen, bis ich ein sehr schönes Altenheim fand und den Vorschlag machte, ihn zu uns zu holen, was wir auch gleich machten.

So. Was dann geschah, ist so schön, dass es mir wert war, diese Geschichte aufzuschreiben.

Er bewohnte jetzt ein gepflegtes Appartement, Bad, kleine Schrankküche, ging mittags hinunter, wo sie Sterne verdächtige Küche servierten , nach Wahl, freute sich abends aufs kalte Büffet und nahm sich noch etwas für die Nacht mit, wenn er sich dem stillen Genuss seines Rotweines hingab. Wenn etwas Besonderes stattfand oder auf Wunsch, holten wir ihn dann Samstag oder Sonntag zu uns, oder fuhren mit ihm hinaus.

Plötzlich war er derjenige, der sagte, wie gut ich gekocht hätte... und dass ich mich doch nun auch etwas hinlegen solle nach dem leckeren Essen ...und Wolf solle doch gut auf mich aufpassen...und wie schön es sei, dass er nun da sein könne. Und hatte er früher über alles geschimpft und gelästert, womit ich die Wohnung hübsch gestaltete, so fand er die Dinge heute sehr ansprechend und gemütlich. Plötzlich war alles gut.

Wenn ich ihn dann zu später Stunde ins Heim zurückfuhr, lag er zufrieden im Fond und sang in den höchsten Tönen mein Lob. Wie gut es ihm bei der Heidi gehe... und wie es ihm überhaupt so gut hier gehe... und so gut sei es ihm im ganzen Leben noch nicht gegangen...juch-hu-hu-hu-hu-hu...und überhaupt sei er der glücklichste Mann.

So wurde aus unserem Giftzwerglein aufs Alter noch ein zufriedener, glücklicher Mann. Weiß man´s denn, mit welchen Geistern er früher zu kämpfen hatte, die ihn so bös werden ließen? Nun, ich bin sicher, als alle ihn schließlich verlassen hatten, erinnerte er sich an meine Worte und dass ich um nichts anderes als um Frieden bat, nur ein bisschen Frieden, an meinem Tisch. Und so besann er sich eben an diesen Tisch.


Nachwort

Was ich mit dieser Geschichte sagen will, ist:

Manchmal geschieht einem Unrecht. Womit ich nicht die spektakulären Fälle meine, die vor dem Kadi enden.

Nein, ich meine die kleinen, die sich in der Stille zwischen Menschen abspielen, oft gedankenlos, und viel mehr weh tun.

Wenn du aber sicher bist, selbst nichts Böses getan zu haben, dann kannst du ruhig sein. Lass es laufen.

Die Zeit reift und mit ihr die Menschen. Dann geht im Nachhinein manchem ein Lichtlein auf: halt mal, das war ja gar nicht so. Und wenn es ganz besondere Menschen sind, geben sie das dann auch zu und bitten vielleicht um neue Freundschaft.

Ich habe diese Erfahrung drei mal gemacht. Die längste dauerte 20 Jahre. Diese....


 

Dienstag, 22. März 2016

Mit Brille wär das nicht passiert...








Mit Brille wär das nicht passiert..
.....allerdings, das Eine, wie das Andere nicht.....
Dieses Modell fand ich auf eine Optikermesse und habe mich fast darein verliebt
Brille is gut, wenn man sie braucht. Ich brauche sie nicht. Nicht immer.  Gut, im Super- oder Baumarkt. Auf dem Bahnhof und dem Flugplatz. Aber sonst? Ich sehe alles, alles was zu sehen ist. Nur nicht scharf.

Scharfff...Aber muss ich das? Wie das schon klingt! Hart.  Die Wirklichkeit ist schon manches Mal hart genug. Muß ich sie da auch noch scharffff sehen? Nö- Ganz im Gegentum, ich sehe Dinge, die gibt es so gar nicht. Die sind zwar da, aber ich sehe sie anders. Ich sehe gerne alles ein bisschen anders...

Ich sehe auch mehr. Bunte Papageien in Bäumen.... der letzte Sturm hat eine Plastiktüte in die Äste gezwirbelt. Da hinten im Garten tanzt eine Fee im weißen Kleid zwischen Sonne und Schatten...der Wind spielt mit einem Hemd, und auf der Wäscheleine dahinter, mit einem zusammengeschobenen
 langen Laken. Wie kommt das Krokodil denn dort auf den Acker, liegt ganz still da und sonnt sich....oh, ein Stück unregelmäßige Ackerfurche. Dort, der winzig kleine Mann, ein Kleinwüchsiger?...nöö, ein Hydrant....

Tor!
Da draußen steht ein Mann. Der stand da doch gestern auch schon. Und vorgestern.. auf dem Sportplatz.
 Ich sitze allein am Frühstückstisch. Jasmin war schon fertig, als ich kam. 
 Taost, Honig, etwas Bacon vielleicht. Gedankenverloren mümmle ich vor mich hin, eben so gedankenverloren geht mein Blick über die Balkonbrüstung, bleibt am Blattwerk der Akazie, gegenüber, hängen. Dahinter liegt der stillgelegte Sportplatz  mit der Sprachschule daneben.
Der steht immer  noch da, ich kann ihn gerade durch eine Lücke im Blattwerk sehen. Hellblaue Hose, cremefarbenes Hemd. ...Oh der Toast ist zu dunkel...Wieso steht der da immer? Immer gerade, wenn ich auch hier am Tisch sitze....die Butter ist zu hart und der Toast zerbröselt unter ihr, ach je, gibt ne Ferkelei auf dem Telller....ob der da draußen Pause macht? Um eine zu rauchen? Is vielleicht ein Angestellter der Sprachschule und braucht in den Pausen seinen Glimmstengel....na,ja, werde jetzt mal weiter machen, sehen, dass ich in die Hufe komme....
Den Mann habe ich vergessen. Aber in der Mittagspause ist der wieder da.
Wieder mümmle ich einsam vor mich hin. Jasmin hat sich entschuldigt und sich bereits wieder ans Korrigieren  gemacht....ob der Frappee ihr zu stark war, sie hat ihn nicht ganz ausgetrunken....eigenartig,  der da draußen steht immer am selben Platz....warum hat sie den denn nicht ausgetrunken..... hat das einen Grund, dass der immer an der selben Stelle steht, ob da etwas ist, wo er sich gegen lehnt?....so, das war lecker, hatte schon lange keine Schmorgurken mehr....ob das eine Art Schuluniform ist... der trug das doch schon gestern...und vorgestern...hellblaue Hosen, schmutzigweißes Hemd.....so, ich trinke noch meinen Espresso, mag den  griechischen Frappee nicht, nee, dieser widerliche Schaum, und  dann geht´s wieder an meine Plastiken....
Inzwischen habe ich mich an seinen Anblick gewöhnt, auch an die Uniform und inzwischen wuchs auch die Lücke zu, ich sah ihn nicht mehr.
Der Sommer kam. Und ging. Der Herbst begann das Laub von den Bäumen zu nehmen. Die Lücke war wieder da.
Der Mann auch. In gleicher Uniform . Am selben Platz.....Hallo, du da...ich grüße dich....schön! ein Mensch mit Prinzipien und Beständigkeit....
Dann ist der Baum leer , gibt den Blick hinter sich frei und eine ganz andere Perspektive. Mein Mann steht da immer noch herum.  Aber nun ist er der Eckpfosten zu einem verlassenen Tor in den Farben der Griechischen Nationalmannschaft......


Heiner




Ein wunderschöner Frühlingsmorgen. Ich bin so richtig in Stimmung, könnte die ganze Welt umarmen. Und so hab ich mich auf den Weg in die Stadt gemacht, ein wenig gucken, ein wenig shoppen, vielleicht ein paar Freunde oder Bekannte treffen. Bissel Geld ausgeben. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gerade habe ich ein Blüschen entdeckt und will in das Geschäft gehen, da erspähe ich etwas weiter die Straße hinauf, Heiner. Seine große stattliche Figur überragt alle anderen. O, wie schön!

Ich winke..... Keine Reaktion.... „Huhu“....“Huhu-u!“...Endlich entdeckt er mich. Kommt näher.

„Hallo-ho, Heiner!!“winke ich. Er dreht sich um. Ach, ist Anna auch irgendwo? Ich freu mich auf die Beiden. Und warte, bis er heran ist. Die letzten Meter steht die Sonne direkt hinter ihm, so dass ich ihn nur schemenhaft erkennen kann. Ich strahle ihn über´s ganze Gesicht an, habe die Beiden lang nicht mehr gesehen. Er dreht sich wieder um. Ja wo bleibt denn Anna? Nun ist er heran.

O Gott! Das ist nicht Heiner. Hilfe! Mauseloch! Wo ist das nächste Mauseloch? Ob ich noch schnell die Tür ins Geschäft erwische?

Peinlich, oh wie peinlich! Der bleibt vor mir stehen. Ich versuche, eine Entschuldigung zu formulieren. Gedanklich drehe und winde ich mich wie ein Fisch. Schaue ihm schräg von unten ins Gesicht. Fange an zu stottern. Der grinst. Is´n hübscher Kerl. Was die Sache noch prekärer macht. Mann, Mann, Mann! Wie komm ich aus dieser Situation bloß wieder raus?

Er weiß das, greift nach mir, klatscht mich an seine Brust und sagt:“ Ich bin zwar nicht Heiner, aber DAS muss jetzt sein....!“



     (C)Heide Marie Kalitta






Der Hase
(c)Heide Marie Kal
Es war ein Sonntagmorgen, so, wie Sonntagmorgende zu sein haben. Kaiserwetter. Das Tal lag in seiner ganzen Schönheit vor dem weit geöffneten Fenster. Die Felder, die Wiesen, der Wald auf dem Hügel...

Da weht die Andacht, wie ein Hauch, durch alle Wipfel leise...heißt es in einem alten Lied. Und so empfand ich es auch.

Kochen? Kochen konnte warten. Nein , besser: ich konnte doch im Feld und in den Wiesen nach Kräutern schauen. Wiesensalbei hatte ich da neulich entdeckt. Genau richtig für meine „Saltimbocca“. Kalbsschnitzelchen á la Romana. Mir lief jetzt schon das Wasser im Munde zusammen. Und warum nicht Wiesensalbei??

Und so beschloss ich, einen Gang über die Wiesen und Felder zu machen.

Meine kleine Tochter,  nahm ich mit. Wo die andere steckte , weiß ich heute nicht mehr. Nun gut, wir tigerten los. Warm war es, schön war es. Überall blühten die Feldblumen in üppiger Pracht.. Da, ein bunter Eichelhäher flog Richtung Wald. Und hoch über uns zog ein Falke seine Runden, von zwei anderen Vögeln attackiert. Das sah man hier öfters: einen Raubvogel, der von anderen Vögeln, Krähen wohl, immer wieder angegriffen wurde..

In diesem Tal gab es immer noch allerhand Getier, das aus dem nahen Wald herunter kam, um sich im Sonnenschein zu tummeln oder zu äsen. So war ein Spaziergang dort immer mit Erwartung , gleich irgendetwas Spannendes zu entdecken, verbunden. Wir liebten dieses Tal. Waren auch jeden Tag draußen.

Das Land lag sonnenbeschienen vor uns und der Duft eines Sommermorgens ließ uns weit einatmen. Einfach schön war das. Der Weg zog sich vor uns sanft durch das hügelige Gelände und offenbarte immer neue Ausblicke...

Und plötzlich!

„Schau , Jasmin! Schau ! Da vorne... mitten auf dem Weg...siehst du es? ...Das Häschen! ...Schau doch nur!“

Jassy schaute. Dann schaute sie mich an. Vorsichtig gingen wir weiter. Der Hase schien überhaupt nicht scheu zu sein. Und Jassy schaute. Abwechselnd auf den Hasen und auf mich. Und der Hase schien es gar nicht eilig zu haben mit dem berühmten Hasenpanier.

Immer näher kamen wir und ich überlegte gerade, wie ich den eigentümlichen Blick meiner kleinen Tochter auf mich zu deuten hätte, da hob der Hase seine Ohren und machte sich in die Lüfte... auf und davon.....

Es war eine große Saatkrähe gewesen....



 (c) Heide Marie Kalitta


Sonntag, 20. März 2016

So kann´s gehen. Mord...Fortesetzung

                  

So kann´s gehen. Mord...? Fortsetzung

                                               So, da saß er nun. In diesem engen sterilen Raum. Wie hatte das alles nur geschehen können? Was hatte er getan?

Und warum hatte sie dies gefragt? Wie kam sie darauf? Seine Frau umgebracht ! Wie konnte sie nur??? Und - dann hatte er zu fest zugegriffen. Sie war einfach weggesackt.

Er hatte dann versucht, sie in sein Auto zu tragen. Er schaffte es nicht. Rannte, es zu holen. Als er sie dann da liegen sah, leblos im feuchten Moos , stieg Panik in ihm auf. Wie hatte das bloß geschehen können!. Sie musste hier schleunigst weg. Was sollte er tun? Und wie bekam er sie am besten hier weg?

Wie transportierte er sie am Besten? Sollte er sie aufrecht sitzend auf dem Vordersitz anschnallen, oder sie flach auf den Rücksitz legen.
Er entschied sich für letzteres.

Dann preschte er los, so gut das auf dem Waldweg ging. Aber er verfuhr sich. Schweiß stand auf
seiner Stirn. Nahm denn dieser verflixte Wald kein Ende? Er musste da raus. Er musste Land gewinnen. Eile war geboten.

 Er wußte nicht, wie lange er noch umher irrte. Sein Hemd klebte am Rücken , der Kragen schien zu eng und das Blut schien in den Ohren zu rauschen. Er geriet immer mehr in Panik, er, der doch sonst immer so ruhig war. Es war die volle Panik, der blanke Horror. und wieder, hatte er zu ´fest zugegriffen? Er wollte das nicht. Das doch nicht. Eigentlich hatte ihre Frage doch ganz nach Scherz geklungen...

Irgend wann war er auf eine Landstraße gestoßen, hoffte schon, alles bald hinter sich bringen zu können und vorwärts zu kommen. Pech! Er geriet prompt in eine Straßensperre. Zufälle gibt's!

Dann ging alles ganz schnell. Die Polizei escortierte ihn hinten und vorn und mit Blaulicht und Sirene gings in die nächste Stadt. Ihm war schon alles egal, wenn er nur bald aus diesem Albtraum erwachen könnte.

Und nun saß er also hier in diesem stillen Raum. Und er begann nachzudenken. Es hatte alles so gut angefangen, nicht nur die Sache mit Ihr. Schon vor Jahren
.
Er stammte ursprünglich aus kleinen Verhältnissen, kam aus dem Schwäbischen , aus Lalala. Aber er hatte seine Arbeit, die machte ihm Spaß und er hatte eine liebe Frau. So lebte man in gesicherten Verhältnissen und war zufrieden.

Durch seine gute Arbeit brachte er es sogar zu einem kleinen Wohlstand, aber bevor man den genießen konnte, etwa sich eine hübsche Neuanschaffung gönnte, starb die Frau, und alles blieb beim alten. Er lebte in Bescheidenheit weiter. Dann kam die nächste Rezession und er verlor seine Arbeit, seine Firma musste schließen. Es war die schwärzeste Zeit seines Lebens. Damals entstand jenes Foto.

Aber dann ging alles ganz schnell. Eine Tante starb, und vermachte ihm ein Haus. Allerdings weit weg im Bayrischen. Zur gleichen Zeit bekam er eine Menge Antwort auf seine Bewerbungsschreiben. Wie gesagt, er liebte seine Arbeit und er machte sie gut. Und so war er in der Lage, frei entscheiden zu können.

Aber damit nicht genug, das Schicksal setzte noch eins drauf und bescherte ihm einen der neuen Arbeitsplätze justement in aller nächster Nähe des geerbten Hauses. So hatte das Schicksal bereits vor ihm entschieden und so kam er ins Bayrische.

Er hatte dort sehr schnell Fuß gefasst, machte eine steile Karriere und geriet in ganz anderes Fahrwasser. Ja, jetzt genoss er seinen Status und gönnte sich doch schon ab und an ein wenig Luxus. Was auch auf seine Persönlichkeit abfärbte. Sein Auftreten war freundlich und entgegenkommend,
aber bestimmt. Ein Mann, der wusste, was er wollte, ein ganz neuer Mensch.

Nur eines fehlte ihm. Damals , die Zeit mit seiner Frau. Er war nie gerne allein gewesen, hatte es genossen, es nicht mehr zu sein. Und so überkam ihn doch immer öfter eine gewisse Sentimentalität. Nein, er mochte nicht mehr allein sein. Und immer öfter musste er an seine Frau ,d.h. an die Zeit, wo er nicht allein war , denken. Und dann wurde der Wunsch nach einem Menschen so stark, und eine Zärtlichkeit stieg in ihm auf, so vehement, dass er in diesem Moment die ganze Welt hätte an sein Herz nehmen mögen.

In dieser Situation entdeckte er ihr Foto. Das war es. Das war sie. Wie sie ihn ansah, mit einem Lächeln, etwas scheu, etwas schelmisch. Ja was denn nun? Und blitzblanken Augen. Die, wenn er haben könnte! Aber die würde bestimmt viele Zuschriften bekommen und nicht gerade auf ihn warten. Doch versuchen musste er es.

Als sie nicht gleich zurück schrieb, dachte er , naja, war ja klar, so wie sie aussieht....doch dann kam ihre Mail und da wusste er, sie oder keine. und er preschte voraus, viel eiliger als e r
eigentlich wollte.

Dann endlich, er konnte es nicht erwarten, das Date. Wie sie ihm öffnete, wie sie in der Tür stand! Das passte. Da stimmte alles und sein Herz hatte schon entschieden... Und wie sie dann durch den Wald gingen, vergnügt wie Kinder, Hand in Hand, und wie sie ihn anstrahlte , und wie er sie mochte und wie sie sprach und wie er es genoss und, und, und...Und als sie dann noch sagte, ihr sei ganz schwindelig, wahrscheinlich vor Glück! Und wie sie sich dann urplötzlich sich vor ihm aufbaute und schelmisch nach seiner Frau fragte...

Da saß er nun und betrachtete still ihr Gesicht. Und jetzt würde er genau das machen , was ihm vor Stunden nicht gelang. Er legt seine Hände um ihre Schultern, seine Arme auch, zieht sie behutsam hoch...und gerade, als sie ihre Augen aufschlägt, küsst er sie.

In diesem Moment, wie auf Stichwort im Film, klopft es an die Tür, ein Arzt betritt den Raum, sieht die Beiden in ihrer Glückseligkeit und meint fröhlich: " oh, bitte lassen Sie sich nicht stören, ich wollte bloß nach ihr sehen und sagen, alles wird gut. Es waren die Muscheln..."

Freitag, 18. März 2016

So kann´s gehen: Mord...

   Aufgepasst im virtuellen Raum  

            

So kann´s gehen: Mord im bayrischen Wald?


       



Da war es nun. Ihr Foto. Es prangte an der Fotowand ihres Portals, für jedermann sichtbar. Hübsch, doch, ja, es gefiel ihr. Sonst hätte sie es ja nicht da hinein gestellt. Aber man war ja doch etwas eitel. Vielleicht auch etwas stolz darüber, in ihrem Alter noch solche Bilder aufweisen zu können, oder zu dürfen?

Gut, Spaghettiträgerchen mit über 70?

Nie zuvor hatte sie je Spaghettiträger getragen, außer an ihren Dessous. Aber nun lebte sie in Griechenland, war dort oft am Meer gewesen und hatte eine hübsche Bräune erhalten. Und, dort lief frau auch in ihrem Alter noch obenrum leicht bekleidet herum. Und erst zögernd , dann mutig, zog sie gleich.

Ja, nun hatte sie es eben getan, wollte es einfach noch mal wissen, wo sie stand.
Uuups, holla, gerade den letzten Punkt gesetzt und schon ging´s los.

!Oh joyjoyjoy! Was da alles hereinkam! Und wer! Sehr Liebe, sehr Charmante, sehr Humorvolle, Höfliche, Zurückhaltende, Aufdringliche und jene, die glaubten - und das zu Recht, denn mehr hatten sie tatsächlich nicht,, - nur mit einem einzigen Ding punkten zu können und sehr schnell zur Sache strebten, die Ferkels...Bah!...Schnell weg damit, man ist ja ein anständiges Mädchen.

Aber doch, doch , da kristallisierten sich ein paar nette Kommentare heraus , auch von netten Userinnen. Das freut sie. Und sie beginnt zu schreiben. Mit manchen kommt es zu einer kleinen Unterhaltung, bei anderen zu einer lebhaften Korrespondenz, und manche Kontaktanfrage stellt sich ein.

Ein wenig ist sie nun doch überrascht und liest und schreibt und liest und schreibt..
Doch dann: „Horch mal , Gerda.... na sowas.... und schau mal.... what a man!!!“

Sie geht nochmal zurück zu seinem Anfangskommentar. Der war ganz okay, bis auf das etwas abgedroschene....hallo, schöne Frau....Sie hatte kurz geantwortet, war dann mal in sein Profil gegangen und was sie da fand, alles vom Besten! Ein Bild von einem Mann, groß, stattlich. Was er an Fotos zeigte, ließ nichts zu wünschen übrig.

Wow! hatte sie gedacht, und, was will so einer von einer alten Frau? Na ja, älteren...Mit einem weiteren Mailing hatte sie nicht gerechnet.

Doch nun war er wieder da. Und nun entspann sich doch noch ein recht amüsantes, Abend füllendes Geschreibe. Und der Typ schien tatsächlich sie zu meinen. Wow! Und dann wollte er sie sehen , erst über Skype, dann live.

Wie er sich das vorstelle. Oh, man könne sich treffen.

Treffen also, hm. Mich treffen. Wie und was erwartet der? Was erwartet er von m i r? Meint er es ernst? Was meint er ernst? Meint er nur eine Gelegenheit? Und überhaupt, wer ist er wirklich? Dieser Supermann?

Dann ist er auf Skype. Ihm scheint zu gefallen, was er sieht. Drängelt ein bisschen. Sagt plötzlich, obwohl vielbeschäftigter Geschäftsmann, morgen komme ich...

Uups! Tausend Fragezeichen purzeln plötzlich in ihrem Kopf durcheinander, Aber morgen....

In dieser Nacht schläft sie schlecht. Die Fragezeichen! Und sie beschließt, nochmal nach unten zu gehen und nochmal sein Profil aufzurufen. Gibt den Namen über das Suchfenster ein, und... nöö, wer is´n des???

Da erscheint ein etwas verhuschtes, männliches Wesen. Kleidung und Umfeld etwas , sagen wir mal...najaa... in keinster Weise dem entsprechend, was Er auf dem Direktprofil vorstellte.
Aber er hatte erzählt, er stamme aus Lalala. Und das steht hier. Und die eigentlichen Gesichtszüge stimmen überein.

Meine Güte, zwischen dem und jenem klaffen Welten. Das Datum! Ups, letztes Jahr. Das gibt es doch nicht! Nun, es wird ein altes Foto sein. Aber gibt man nicht hier sein bestes Bild herein? Hm, eigenartig das Ganze. D e r Mann, und d a s Ambiente!!??

Noch mehr Fragezeichen. Nein, irgendetwas stimmt da doch nicht. Und früh am nächsten Morgen:
„Gerdlein. Ich muß dir was zeigen. Sieh dir dies an, dieses Männchen“

„Das ist sicher ein Versehen“

„Versehen? Wie denn? Nein, er sagte ,er käme aus Lalala und dieser hier, schau doch , da steht Lalala, und die Gesichtszüge stimmen. Gut, es mag ein altes Foto sein, er hat da auch noch eine andere Haarfarbe. Aber er schreibt in 2014 noch Lalala.“

„Doch ein Versehen,“ meint Gerdalein resigniert.

„Nee, nee, da is was anderes im Gange. Der Mensch mit dem ich gestern geskypt hatte, das war der vom jetzigen Profil, unter dessen Profilbild man ihn heute zuerst zu sehen bekommt . Ein ganz anderer Mensch, mit einem total anderen Auftreten und total anderem Umfeld.“

Und dann beginnt sie nach zu denken.

Was ist zwischen 2014 und 2015, zwischen Lalala und Freiung gelaufen, hat aus diesem ärmlich anmutenden Männchen diesen stattlichen Mann gemacht?

Und dann, wieso hat er es so eilig, sie zu sehen. Sie! Sie ist um etliches älter, als er, WAS will er von ihr, was erhofft er sich. Als er anfangs sofort auf ihre Frage nach dem „live“ vorschlug, sie könne ihn doch besuchen, hatte sie lachend abgelehnt, mit der Begründung, er könne ja vielleicht ein Ritter Blaubart sein, ein Frauen mordendes Ungeheuer .

Sie hatte schon viele , sehr viele Kontaktanfragen von jüngeren Usern bekommen. Eigentlich meist jüngere und auch sehr viel jüngere, die ihr brave bis feurige Komplimente machten, zum Teil auch ganz eindeutige Angebote. Wo sie sich fragte, ja spinnen denn die, die Römer? Und deren Beweggründe sie nicht verstand.

Witzig, dachte sie, da hatte sie immer für ältere Männer geschwärmt. Sehr älter. Aber nun in ihrem Alter blieb nach oben hin kaum noch Spielraum, sie müssten denn 80, 9o sein. Tztztz....

Ja , nun, ihre Bilder sahen alle verdammt gut aus, aber in ihrem Profil hatte sie ihr Alter ganz offiziell angegeben. Da stand es klar und deutlich für jedermann ersichtlich. Mit dem Endeffekt der Nachfrage, dass das doch wohl ein Tippfehler sein müsse.

Was also wollten die ? Hatten die alle einen Mutterkomplex, Angst vor den Ansprüchen junger Frauen, suchten sie Geborgenheit oder einfach nur ihr Geld? Gedachten die etwa, sie dereinst zu beerben?

Aber zurück zu diesem . Paul hieß er. Was wollte er? Der konnte jede bekommen. Und vor allem, jede Jüngere. Warum also sie? Und was lag zwischen den beiden Bildern , den beiden Profilen, diesen beiden Männern? Dass man sich soo verändern konnte! Nun, er konnte beruflich gewechselt haben, konnte dieser halb auch den Wohnort gewechselt haben, konnte so zu Wohlstand gekommen sein. Aber wechselte man da so schnell und total sein Image?

Steckte eine Frau dahinter? Hatte er für eine Frau alles hinter sich gelassen? Vielleicht eine reiche Frau? Eine sehr reiche. Aber er schrieb unter „Single“. Wo wäre diese Frau dann jetzt? Hatte er sie beerbt? Und wenn, woran mochte diese Frau gestorben sein?

Doch ein Ritter Blaubart? War das seine Masche? Und nun sie? Je länger sie darüber nachdachte, desto schlüssiger wurde ihr diese Vermutung. Was war in diesem Jahr geschehen. Hatte er...? Ihre Vermutung wuchs immer mehr zur Erklärung. Und nun war sie dran.

 Heute sollte sie sich mit ihm treffen! Wie sagte man so schön? Der Hintern ging ihr ganz schön auf Grundeis. Ob sie es lieber ließe? Nun, es war ja nichts bewiesen, bestand ja nur in ihrer Fantasie. Andererseits, er kam hierher, wusste, dass sie nicht allein sein würde, zeigte sich auch ihrer Freundin, diese würde sich seine Autonummer aufschreiben. Und selbstverständlich waren das ja alles nur Hirngespinste ihrerseits.

Aber sie würde ihn ansprechen auf jene verschiedenen Profile. Ja, das würde sie tun, der Unterschied war schließlich frappierend. Und spannend.
 
So. Nun aber erst mal gefrühstückt. Kaffee, Toast, Honig. Sollte sie sich ein Eilein kochen? Ach, da war doch noch etwas von dem Muschelragout von gestern, oder vorgestern? Das auf Toast. Hm, ein Gläschen Sekt dazu, wäre dann ein schönes Sektfrühstück zur Feier dieses Tages. Die düsteren Gedanken verschwanden und nun begann sie sich doch auf dieses Date zu freuen.. Was würde der Tag ihr bringen?

Kaum hatten sie ihr Frühstück beendet, klingelte es schon. Uups, ihr Herz machte einen Satz. Sie ging zu öffnen. Da stand er an der Gartentür. Dieser Mann wie ein Bild. Uups, ihr Herz machte den zweiten Satz. Und als er den Weg herauf kam, auf sie zu und zur Begrüßung sie einfach wie selbstverständlich an die Brust nahm, hüpfte es nur noch.

Beim Smalltalk mit der Freundin ließ sie sich Zeit, betrachtete ihn ausgiebig und er gefiel ihr immer besser. Nichts blieb mehr von den Gedanken der frühen Morgenstunden.

Ganz im Gegenteil, als er sie später an der Hand durch den morgendlichen Wald führte, sie immer wieder ansah, wie er sie ansah, sie auch immer wieder leicht an sich zog, ihr dabei sogar einmal ein zartes Küsschen ins Haar hauchte, wow, das hatte was, das m a c h t e was. Auch die Unterhaltung war sehr angeregt. Kurz gesagt, man verstand sich auf Anhieb, kam sich in fröhlichen Gesprächen näher, lachte und neckte sich auf liebevolle Art.

 Nichts blieb mehr von ihrem schwarzen Verdacht und sie meinte sogar, etwas schwindelig zu sein, etwa vor Glück? Und immer öfter geschah es, dass er sie festhalten musste, weil ihr so schwindelte.

Aber dann , irgendwann, war es Übermut oder Mutwillen , fragte sie eben doch. Fragte nach der Ursache seiner solch hübschen Veränderung. Hatte kurz das Gefühl eines Erschreckens bei ihm, als er ihre Hand sekundenlang fast zerdrückte. Danach war er verändert, einsilbig, sein Lächeln zurückhaltender. Fast etwas traurig. Nein, sie konnte diesen Ausdruck nicht recht deuten. Wollte der plötzlichen Situation eine wieder heitere Note verpassen, stellte sich vor ihn, legte ihre Hände an seine Brust, lachte ihn übermütig an und kicherte:

„Komm sag schon, haste deine Frau umgebracht?? Hahaha?“

Da legte er ihr die seinen schwer auf die Schulter. Zu dicht an ihren Hals, meinte sie noch, und: das war falsch, total falsch, alles aus. Sie sah sein Gesicht beängstigend näher kommen, fühlte noch den Schwindel aufsteigen und den Druck seiner Hände an ihrem Hals, sackte endlich zusammen und ... starb.


Fortsetzung folgt.

 
 

Mittwoch, 16. März 2016

We like Rubens

Angefangen hat es damit, dass ich schon immer eine Frauenplastik machen wollte; dick, sehr dick und sehr schön, denn ich denke, eines schließt das andere nicht aus. Ich machte also Skizzen und stellte sie zur Auswahl. Da schrieb eine Userin....und nun stell dir die mal beim Cancan tanzen vor. Das tat ich . Folgendes kam dabei heraus. Danke Babsy, für die gute Anregung...

 We like Rubens
 

 
 
 
 

 
Es waren einmal drei Damen, die waren korpulent.
Die Eine nahm es stoisch, und zweie haben geflennt.
 
Grad über ihren Schößen, da fing das Elend an,
es brauchte abwärts Größen, da schaute Jedermann.
 
Doch alle dies Gaffer, die machten eines nicht,
die sahen auf das Fahrgestell, leider nicht ins Gesicht.
 
Denn dorten stand zu lesen, ganz offen - bitte sehr-
war´n engelsgleiche Wesen, drum gab Gott bisschen mehr.
 
Was gut ist, darf wohl mehr sein, das hat er sich gesagt.
Tat er denn nicht bedenken, dass frau vielleicht verzagt?
 
In dieser Zeit, wo alles nur nach dem Äußeren sieht,
schaut mancher nicht die Schönheit, die im Verborgnen blüht.
 
Was soll mir klein, was soll mir small, was soll mir 36 ?
Charakter Bleibt, doch Schönheit geht. Die Zeit arbeitet fleißig.
 
Der Volksmund meint aus gutem Grund, und dieser Grund scheint triftig,
alles , was nicht ein bisschen rund, nur dürr und zäh, sei giftig.
 
Bist du nun dick und bist du drall, sei doch mal selbstverliebt.
Denk an ´nen bunten Kinderball, was der den Kindern gibt.
 
Der ist so rund und bunt und schön, tut keinem andern weh,
ist einfach nur zur Freude da und keiner sagt ihm: "geh"
 
Doch nimm mal einen Zimmerschrank, der ist so hart und eckich. An seinen Kanten stößt man sich....beim Menschen ist das schrecklich....
 
Da war doch einmal einer, der hatte gleich erkannt,
schön, wenn viel drauf und rundherum. Rubens war er genannt.
 
Der hatte schon als Kind erfahrn, schon als ganz kleines Bübchen,
welch neckisch Schönheit "mehr drauf" macht, und liebte Mutters Grübchen.
 
Das aber nützte unsern Drei nun eigentlich nicht viel,
doch dann kam eines Tages , ein Schlachten ruf ins Spiel.
 
Der kam aus fremdem Lande: Fat is so beautyfull !
Verlief auch nicht im Sande, riss alle mit vom Stuhl.
 
Nun brachen schöne Zeiten an, man stand zu seinem Bauch.
Man stand zu seinem "Mehrwert", und unsre Dreie auch.

 Und wenn das ist, so wie es ist und Mehr ist wunderschön,
da meinen unsre lieben Drei, das wollen wir jetzt mal sehn.
 
Sie stell´n sich vor den Spiegel, betrachten ihre Grübchen.
Der sagt: gar nicht so übel, seid richtig fesche Liebchen.
 
Das macht sie froh, das macht sie stolz, das steigert ihre Laune,
dass vor der Hütten so viel Holz. Doch halten hinterm Zaune?
 
Drei Girls, wie wir, so stramm und rund, sind wahrlich fette Beute.
Wir packen jetzt beim Schwanz den Hund, werfen uns vor die Meute.
 
Und eines Abends im Varieté da haben sie´s getan.
Da war ein Jubel und Juchhe, da tanzten sie Cancan.
 
Das war ein Gleiten und ein Wogen, so weich und wunderschön.
Wie sich das wiegte und schmiegte, war wonnig an zu sehn.
 
Da war kein bisschen Ruck-zuck und auch Stakkato fehlte.
Das war ein hold Adagio, das staunend Alle beseelte.
 
Und hier nun endet mein Gedicht. Ich sage nun: das war´s.
Die Drei vergaß man lange nicht; sie wurden ´große Stars.
 
 
 
 
 
 

Dienstag, 15. März 2016

Prima Show

Zoo oder Varieté; das ist die Frage



Prima Show
 
 
 
 

Wolfgang, hatte gerade den 4.Herzinfarkt ganz knapp überstanden . Er war bereits klinisch tot und musste reanimiert werden.
Nun lag er noch immer auf der Intensivstation, konnte aber schon wieder lächeln und seine Späßchen machen. Und das Schönste, wir durften ihn besuchen. So war nicht nur ich an diesem Sonntag wieder an Ort und Stelle, sondern auch meine Tochter und mein Schwiegersohn stellten sich ein und brachten Tom Samuel, 5 J., mit. 

Den Opa freute das ganz besonders und er erklärte dem Kleinen jeden einzelnen der vielen Monitore, mit denen er irgendwie verbunden war. Überall tickte und blinkte es und überall führte ein Kabel oder Schlauch an seinen Körper. 

Zur Freude Tom´s nahm Wolf heimlich die Blutdruck-Fingerzwinge ab und steckte sie dem Kleinen an und der betrachtete fasziniert die Instrumente auf denen nun seine Linien ausschlugen.

Dann wurde es Zeit zu gehen. Sie verabschiedeten sich und strebten der offenen Tür zu. Da drehte Tom sich abrupt um, stemmte sich gegen seine Mama und meinte energisch : "Halt, wir haben ja den Eintritt noch gar nicht bezahlt...!"

Donnerstag, 10. März 2016

Miesmuscheln...miese Muscheln


 

Miese Muscheln

 
 

 

So, so Muscheln soll es bei euch geben. Hm, lecker, da wär ich auch dabei. Schön im Gemüse-Weinsud, dazu ein leichter Chablis.
..
Aber nachdem ich ja in meinem ersten Krimi im Bayrischen Wald das erste Mal an einer Muschelvergiftung starb, will ich euch von meinem allerersten Tod durch miese Muscheln berichten. Und das war gar nicht schön. Man wird schon wissen, weshalb man den Dingern ihren Namen verpasste: Miesmuscheln, hrmm... Miiiies muscheln... miiies... Und dennoch werden sie gekauft, zubereitet und geliebt. Auch von mir. Können ja nichts dafür...

Meine ersten Erfahrungen machte ich mit ihnen bereits als Kind.

Ich bin in Baden-Baden aufgewachsen. Dort waren die Franzosen nach dem Krieg. Die brachten natürlich ihre  Zutaten mit. Und so konnte man sich, wenn auch mit etwas Mut, mit Hotte-hüh, Bäh-Hammel und anderen gewöhnungsbedürftigen Beilagen einigermaßen ernähren. Eben auch von Muscheln.

Ich habe heut noch den Geschmack auf der Zunge und sehe mich noch , meiner Mutter zuschauend, wie sie die Muscheln aus dem Sud nahm, sie aus der Schale löste und sie später in einem köstlichen Wein-Buttersößchen anrichtete.

Nun ja, die Butter war Margarine und der Wein fiel ab, wenn mein Vater die Herren des „Corps, de ...weiß der Kuckuck was“ wieder zu irgendeinem Arbeits- oder Freundschaftsessen begleiten musste.

 Ihn hatten die Franzosen kurzer Hand eingeheimst, nicht nur als fähigen Dolmetscher, sondern auch als Organisateur, Zeremonienmeister, Fremdenführer, Chauffeur und Mädchen für alles. Er muss das ganz gut gemacht haben, denn die Besatzer steckten ihm oft eine Flasche Wein zu und die Chefs de cuisine bedankten sich mit Schüsseln übrig gebliebener Reste für die Besuche, wussten, der Mann hat zu Haus ´ne liebe Frau und vier hungrige Kinder.

Ja, so war das damals. Vieles ist mittlerweile aus deutschen Geschäften verschwunden, gilt zum Teil als ungenießbar, aber Muscheln, Muscheln sind geblieben.

So lief ich eines Tages in Stuttgart beim Bummeln an einem bekannten Feinkostgeschäft vorbei, stutzte, ging drei Schritte rückwärts und begann zu strahlen.

Da standen sie. Schon hübsch abgepackt in Cellophan und mit Eis umgeben. Schwarze Köstlichkeit: Miesmuscheln- Und die lachten mich sowas von an und riefen ,“nimm mich mit..“

Na , und wie ich die mit nahm.!  Zwar ohne jegliche Vorstellung einer Zubereitung, aber mit der köstlichen Erinnerung aus Kindertagen.

Nun weiß man ja, dass Muscheln heikel sind in ihrer Zubereitung und sogar absolut tödlich bei Nichtbeachten einiger wichtiger Dinge. Das wusste man, das hatte man mal gelesen. Sie durften, na sowieso, nicht verdorben sein. Verdorben waren sie, wenn beschädigt, oder geöffnet. Soweit so gut.

Nach Hause gekommen,  machte ich mich also gleich daran, sie zu putzen, entfernte die „Bärte“, auch das wusste man, schruppte und inspizierte sie. Zwei , drei waren kaputt, weg damit.

Dann der Sud, Möhren, Lauch, Sellerie, ordentlich Wein rein. Im Kühlschrank eine angefangene
Flasche Markgräfler. Auggener Schäf, Gutedel, Kabinett. Wolfgang, mein Mann wetterte, wenn ich seine besten Weine „verkochte“. Aber ich hatte da so meine eigene Philosophie. Je besser der Wein,
desto besser das Sößle. Doch logisch, oder?

Also her mit dem Auggener. Oh wie das duftete.

Aber nun, wie war das mit dem Öffnen? Dürfen sie, oder dürfen sie nicht, oder müssen sie beim Kochen sogar auf gehen. Nun gut, alle gingen auf und alle konnten ja nicht schlecht sein. Es war ein wenig wie beim Pilze zu zubereiten. Die kenne ich zwar, aber so ein klitzekleines Gefühl bleibt doch immer
.
Nun gut, sie waren alle offen, was meine Annahme auf Richtigkeit bestätigte , und so begann ich mir den Tisch recht hübsch und gemütlich zu decken und zwar den Couchtisch. Den Rest Auggener, ein, zwei Toast und es konnte losgehen. Oh, wie das schmeckte.

Das wollte gerne auch mein Kater wissen.

Er hatte beim ersten Anzeichen des Tischdeckens bereits auf der Couch Platz genommen. Nun wurde sein Hals immer länger und sein Mäulchen kam meiner Hand auf dem Weg zum Mund immer näher. Die nächste Muschel würde er mir bald aus der Schale krallen. Also gab ich sie ihm. Aber bei der einen blieb es nicht. Der mochte die Dinger so gerne wie ich, und so genossen wir zusammen.

Aber wie das so ist, der erste Heißhunger war gestillt und ich hatte doch mehr gegessen. Wenn aber die Mäuse satt sind. schmeckt das Mehl bitter.
Ich war s e h r satt und das Mehl plötzlich sehr bitter und ich fragte mich, ob es nur am Maß der Sättigung lag, oder ob ich doch etwas übersehen hätte. Ein flaues Gefühl überkam mich, als ich abräumte.

Kaum in der Küche, hörte ich ein Geräusch, das mir das Blut in den Adern vor Schrecken fast gerinnen ließ. Mein Kater schrie. Der schrie so grausam. Nun weiß man , dass Katzen , wenn sie rallig sind , mitunter schauderhaft schreien . Was aber Polo von sich gab, war schlimm. Mein flaues Gefühl verstärkte sich zunehmend . Ich neige absolut nicht zur Hysterie, aber nun verstiegen sich meine Befürchtungen, gelinde gesagt, zu einer mittleren Panik.

 Ich rannte zu meinem Kater. Der lag auf doppelte Größe ausgestreckt auf der Couch und litt unter konvulsivischen Zuckungen und röchelte inzwischen. Schnell nahm ich ihn auf und trug ihn auf die Veranda, damit er sich dort notfalls erbrechen konnte.

 Dann stand ich im Wohnzimmer ,unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen. Was sollte ich tun. Was hatte ich getan? Panik
Oh nein, ich habe meinen Kater vergiftet.... Nein , mein armer Kater stirbt.... Miese Muscheln!.... O Gott, ich ja auch!... Ich sterbe auch!.. Was mach ich nun?... Soll ich erst den Notarzt anrufen, oder erst Wolfgang ? Und was soll ich ihm sagen?

Schatzelchen, ich hab den Kater vergiftet“  und „Schatzelchen , sei nicht traurig, aber wenn du heute Abend heim kommst, bin ich auch tot -Schütt dann meine Asche bitte in den Wind“

Meine Güte, was zuerst?

 Zuerst nach dem Kater sehen! Gott, ist mir schlecht! Ich schleppe mich zur Verandatür und was ich da erblicke, hat mir dann wirklich den Rest gegeben.

Kommt doch da Polo aus der Hecke, quer über die Veranda auf mich zu.

Ja was is´n des? Wie läuft denn der? So unsicher auf seinen Pfoten ! Und plötzlich – schwupp – überholt ihn sein Hinterteil rechts außen und - schwupp – linke Seite, links außen. Den Schwanz, wie eine Balancierstange, bzw. Fahnenstange , senkrecht gehalten, versucht er, in Balance zu bleiben, obwohl seine Pfoten durcheinander geraten zu sein scheinen.
Das Kerlchen war sturzbetrunken!
.
Ja klar, er hatte etliche Muscheln abbekommen. Und der Auggener....