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Samstag, 13. Februar 2016

Oh, diese peinlichen Busfahrten

Wie es so ist, man sucht etwas und findet alles andere , bloß nicht das Gesuchte.





Oh, diese peinlichen Busfahrten 



Bei meiner Suche nach einem bestimmten alten Negativ, fand ich in einem Heft ein paar Notizen. ich hatte mir immer vorgenommen, meine beiden kleinen Töchter mit einem Bleistift zu begleiten. Frisch gespitzt , sowohl zum Schreiben, wie auch Zeichnen. nicht immer ist es mir gelungen, aber einmal wurde etwas sogar in einer namhaften Zeitschrift veröffentlicht.
Mal sehen, dass ich es noch einmal zusammen bekomme.
Wir wohnten damals auf dem Land, eine junge Familie, und ein Zweitwagen war noch nicht vorhanden. So waren wir auf den Bus angewiesen , egal in welche Richtung wir mussten.  So gerne wir da auch mitfuhren, meine beiden kleinen Mädchen schienen immer genau da sehr interessiert an ihrer Umwelt und fragten munter drauf los. Oder sie langweilten sich und benützten die Zeit zum Nachdenken, was wiederum aufs Fragen heraus lief. Corabell war da etwas zurückhaltender, sie war da wie eine alte englische Lady : wer ihr nicht in Bausch und Bogen vorgestellt wurde, mit dem redete sie nicht; und im Bus saßen lauter fremde Leute. Anders Jasmin.

Da hatten die Beiden ein winzig kleines Kätzchen angeschleppt. "Mama, die Frau  hat gesagt , wenn wir es nicht nehmen, wird es ertrunkt" Das war zwar pure Erpressung von dieser Frau, aber welche Mutter läßt sich schon gerne als potentielle Kätzchen-Mörderin hinstellen. So hatte das kleine Mullchen....es war so weiß und weich wie Mull...erst einmal bei uns Einzug gehalten.

Geschlecht? Sächlich.

Und genau das war die Crux. Nun sollte man ja meinen, auf dem Land kenne man sich aus mit der  Bestimmung der Geschlechter und ihrer Merkmale. Jedoch keiner konnte mir sagen, was es denn nun für ein Tierchen wäre. Es sei einfach zu klein, war noch die konkreteste Aussage. Besondere Witzbolde glaubten, mich veräppeln zu können und da kamen Hinweise auf : große Ohren , kleine Ohren, großer Kopf, kleiner Kopf , langer Schwanz. kurzer Schwanz.

Nun ja. dann dachten wir, es sei ein Weibchen und aus Mullchen wurde Mulli. Dann endlich die Gewissheit , es war ein "Müller".

Genau damit schien sich jetzt meine Jasmin zu beschäftigen. Wir saßen im Bus, der Motor schnurrte vor sich hin und es herrschte eine schläfrige, entspannte Stimmung bei den Leuten.  Man döste mehr oder weniger anonym vor sich hin. In diese Ruhe hinein, krähte meine kleine Tochter, sehr akkurat jedes Wort sprechend:

"....und an wo...kannst du denn... jetzt sehen...dass der Herr Müller...ein Mann ist...?"






Schwupp, da ging schlagartig eine Veränderung im Bus vor. Die Leute saßen plötzlich mit gespanntem Rückgrat da und die Ohren schienen auf Handgröße gewachsen zu sein und alle Antennen zu uns gerichtet. Was würde die jetzt dem Kind antworten???  Und ich begann erst mal den "Herrn" richtig zu stellen.

"Ja, also unser Katerchen....."

Ein leichtes Aufatmen im Bus

" Ja also, bei unserem Katerchen , das ist  wie...ach, du weißt doch , der Papa... . Der Papa....."

Die Ohren schienen auf Pfannkuchengröße anzuwachsen . Einige Leute drehten sich zu uns um, einige hielten gespannt den Atem an.

"Ja, was hat denn der Papa?"

Jassy schaute  gebannt zu mir auf. Im Bus hätte man jetzt eine Stecknadel fallen hören.

"Na ja, der Papi hat doch einen Schnurrbart. Und unser Müller...????"

".....AUCH!!..."

Die Spannung entlud sich schlagartig, Die Leute kicherten, manche lachten laut, wohlwollende Blicke trafen uns  und alle sprachen plötzlich mit einander. Es wurde noch eine sehr kurzweilige Fahrt.

                                                                  *********


Es war die Zeit der Parka´s und der langen Haare. Wieder war ich mit meinen Beiden unterwegs. Die saßen versetzt etwas vor mir, der Bus war fast voll.

Da stieg an der nächsten Haltestelle ein hübscher junger Mann ein. Unisex-Parka,  wunderschöne lange blonde Haare , Milchgesicht und Bärtchen.

Ich, schon vorgewarnt, schaue zu meiner Tochter. Die sitzt kerzengerade, sperrt Mund und Augen auf  und hoppelt und rutscht auf ihrem Ärschle hin und her, ein untrügliches Zeichen, dass da eine Frage in ihr gärt und mit dem nächsten Knall heraus will. Ich sende ein Stoßgebet zum Himmel, aber bevor ich noch zu ihr eilen kann, um das Gröbste ab zu wenden, dreht sie sich um und quakt quer durch den Bus... und noch heute bewunder ich ihre scharfsinnige Fragestellung , sie fragte nicht, ist der Mann...nein sie rief,  korrekt die äußeren Merkmale beachtend, aufgeregt:

"Mama , schau mal , is die TANTE ein Mann, oder eine Frau. ?"





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Darauf hin habe ich mir meine kleine Tochter mal zur Brust genommen und ihr klar gemacht:

"Schatzelchen, so geht das nicht. Du stellst Fragen, die nicht in die Öffentlichkeit gehören. Das ist peinlich. Man redet nicht öffentlich über andere Menschen. Wenn dir was schleierhaft erscheint, merke es dir und wenn wir dann alleine sind kannst du mich alles fragen. und dann reden wir darüber. Hast du das verstanden?"

Ja sie hat..... wie sich bald zeigen sollte.

Diesmal fuhren wir von Karlsruhe kommend, mit dem Zug nach hause. Es war einer jener Art,  mit offenen Vierergruppen und dazwischen hochgezogenen Wänden. Da schien noch eines frei zu sein und ich schob die Beiden da hinein zum Sitzen. Aber da saß schon eine Dame im Eck. Corabell kletterte auf den Sitz neben ihr, froh , endlich sitzen zu können.  Ich selbst setzte mich gegenüber und Jasmin ans Fenster, der Frau gegenüber. Die Kinder schienen schläfrig. So betrachtete ich jene Dame. Sie trug Rot-Schwarz, Viel rot, viel Schwarz, viel Schminke, viel Parfum. Alles in allem etwas mehr Zurückhaltung hätte der Dame gut gestanden, So wirkte das alles irgendwie billig und ließ Schlüsse auf ihr Gewerbe zu.

Mit der Schläfrigkeit meiner Kinder hatte ich mich allerdings vertan. Zumindest was Jasmin  betraf.  Die schaute derart unverschämt an dieser Dame rauf und runter und mir schwante Schreckliches . Im Geiste errechnete ich schon  die Stationen, die wir noch vor uns hatten. Es war eine reine Zeitfrage, wie lange Jassy noch durch hielt und sich selbst  an unsere Abmachung

Aber da fing es schon an. Erst wenig, dann immer heftiger,  rutschte sie auf ihrem kleinen Pöker hin und her   , mit durchgedrücktem Rückgrat . Ich fragte mich, wie schlimm es kommen würde. Es kam noch schlimmer. Hätte sie doch wenigstens FRAU gesagt, aber dieses Kind sagte wirklich DAME!

"Gell, Mama, " flüsterte sie laut genug, " Wenn wir dann alleine sind, müssen wir über diese DAME aber reden.  Gell, Mama?"




                     

Kommentare:

  1. ***Laaaaaach ***
    Liebe Heidi, ich stehe gerade bis zu den Knöcheln in meinen Lachtränen! göttlich, diese Schilderungen!
    Allerdings - für die Mama war es vermutlich nicht ganz so komisch ...

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  2. Nee, wirklich nicht. Die hat sich des Öfteren mit tief zwischen die Schultern gezogenem Kopf, die Beiden hinter sich herziehend, aus dem Staub gemacht.
    ganz liebe Grüße Heidi

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  3. Ja, es gibt schon komische Situationen. Es ist nun einmal so "Kindermund gibt Wahrheit kund". Habe mich köstlich amüsiert. Estwas Ähnliches ist mir mit meiner Tochter auch schon passiert.

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