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Montag, 1. Februar 2016

Winterabendrot


Zwar ist der Winter, oder was man so nennen möchte, schon fortgeschritten und auch Weihnachten liegt längst hinter uns, aber das Abendrot, das Abendrot scheint zur Zeit schöner als je zuvor


Winterabendrot.





Da fuhr ich mal wieder mit Sönne in einen wunderschönen Abend hinein . Das heißt , es war erst spät am Nachmittag, aber die Sonne ging schon langsam schlafen. Der Winter klopfte schon peu à peu an.

. Nach einem zauberhaften Tag voll bunter Erlebnisse und neuen Impulsen, wir hatten auch eine weihnachtliche Ausstellung besucht, saßen wir nun warm und wohlig und müde geschaut im Bus . Der Motor lief leise schnurrend, als behagte auch ihm diese Talfahrt den Schwarzwald hinunter, und schläfrig schaute ich hinaus in die Dämmerung. In den Senken begann der Nebel zu weben und der Himmel bezog sich langsam mit Grau.

Dann sah ich es. Weit hinten am Horizont, schon die Erde berührend, das Abendrot. So leuchtend und strahlend, als wolle die Sonne noch ein letztes Mal die Erde küssen, bevor der Himmel zu zog und die Nacht her käme. Ein unbeschreiblich schönes Farbenspiel, vom hellsten Cadmiumgelb über Zinnober- und Brillantrot bis zum warmen Magenta, von seidengrauen Wolkenschleiern gesäumt. Es schien, als stünde dort der Himmel offen und man sähe mitten hinein in seine Herrlichkeit. Ich konnte mich nicht von diesem Anblick losreißen, schaute immer wieder verträumt in diese Pracht und hörte das monotone Geräusch des Motors.

Aber da mischte sich plötzlich ein anderes Geräusch dazwischen.

Jemand klatschte in die Hände und eine helle Frauenstimme rief : " Auf , auf, wo bleibt ihr denn alle, husch, husch , in eure rosa Kleidchen, und ihr dort in die roten, die Größeren alle in die goldenen und dann raus mit euch!"

Dann öffnete sich der Vorhang aus grauer leichter Seide, bauschte sich ein wenig und gab schließlich den Blick auf die Bühne frei. Aber was für eine Bühne! Ein unbeschreiblicher Glanz kam aus den Kulissen und der Boden schien aus Wolken zu bestehen. Dann erklang Tschaikowsky, Tanz der kleinen Schwäne.

Und da kamen sie an getrippelt. Nein, kleine Schwäne waren das nicht. Es waren kleine Sonnenstrahlen, die da tanzten und possierlich mit ihren goldenen Strahlenröckchen wippten. Sie waren noch zu klein , um den Weg auf die Erde zu finden. Allerdings gehörten sie schon zu den Größeren, die nächstes Jahr mit hinunter durften. So gingen sie einstweilen noch hier oben in die Sonnenstrahlenvorschule und begeistert ins Ballett. Wie alle kleinen Mädchen eben. Aber da sie ja ganz besondere kleine Mädchen waren, durften sie an besonderen Abenden auf die Bühne. Und so tanzten sie nun. Trippelten hier hin und dort hin und tanzten auf Sonne komm raus.

Diese war allerdings schon recht erschöpft . Schließlich hatte sie sich den ganzen Tag gegen den Wetterdienst durchsetzen müssen, der wieder mal alles besser wissen wollte und behauptete, es gäbe sie heute nicht. Prompt hatte sie dem dann gezeigt, was so ein rechter Sonnenschein selbst im November noch drauf hatte. Jetzt war sie doch recht ausgepowert.

Aber als Intendantin des himmlischen Theaters sollte sie nach der Choreographie sehen, damit da auf er Bühne alles glatt lief. Dachte es, gähnte, sank hinten über und war unter gegangen. Aber ach, was jetzt los brach! Plötzlich sprangen die mittleren Strählchen in den roten Kleidern auf die Bühne und begannen, die Größeren zu foppen , äfften sie scherzhaft nach, versuchten sie aus dem Takt zu bringen und trieben allerhand Schabernack.

Das ließen sich die ganz Kleinen in ihren niedlichen rosa Kleidchen nicht entgehen. Sie stolperten auf die Bühne , purzelten über und untereinander, tauchten in die Wolkendecke ab und zupften sie auseinander, purzelten den größeren überall dazwischen, und brachten sie vollkommen aus dem Gleichgewicht. Das war ein Kichern und Lachen, ein Quietschen und Schreien vor Lust bei den Kleinen.

Ja , das gab vielleicht ein Tohuwabohu! Die Goldenen versuchten , mit mehr oder weniger Erfolg, ihren Tanz weiter zu tanzen, aber dann kamen ihnen die kleinen Strählchen überall zwischen die Füße und schwupps, lag der ganze Haufen in den Wolken . Und nun ging das erst richtig los. Hier kugelten sich die Einen in Gold, da schlugen jene in Rot Purzelbaum und die Kleinen in Rosa stolperten hin , standen wieder auf und liefen den anderen überall in den Weg.

Auf der Erde machten sich die Menschen da gerade gegenseitig aufmerksam, zeigten zum Himmel und sagten : "Seht euch doch bloß dieses schöne Abendrot an. Diese Farben!"

"Ja, was ist denn das? Ja wollt ihr wohl gleich...!" polterte da von der anderen Seite des Himmels eine raue Stimme. Schau, schau, der Mond war heraufgekommen. Hatte wie immer seine Erkältung. Kein Wunder bei diesen Temperaturen um ihn herum. Ja , das ging ja gar nicht! Da war er in bester Absicht gekommen, um den Menschen sein Licht anzubieten, was eh schon schwer genug war, weil er schon nur mehr ein paar Wolkendurchblicke fand, der Wetterdienst schien abends doch noch Recht zu bekommen. Und dann dieser Kindergarten! Empört zog er an einer Strippe. Der Vorhang fiel, alles war grau, die Inszenierung vorbei.

Aber weshalb rüttelt und schüttelt denn der Mond jetzt mich? Hab doch gar nichts gemacht !

Der lässt nicht locker: " Heidi, uff, du musch glei aussteige. I han halt denkt, i lass di schlofe. Uff etzt, un naus mit dr. Un i ruf dr morge früh o...!" Ja, was? Der schwätzt auch noch schwäbisch? "Uff etzet , gang her, un naus....!" Sönne sprach´s und schuppst mich raus.

Dann stehe ich draußen. Verschlafen. Kalt ist´s. Der Bus mit Sönne entfleucht . Der Mond schaut ab und zu durch die Wolkendecke. Ich schick ihm ein verschmitztes "Hey du" hinauf und mach mich auf den Weg nach Hause.




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