Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Samstag, 30. Januar 2016

Nochmal gut gegangen auf dem Heilbronnerweg






Noch mal gut gegangen auf
dem Heilbronnerweg.




















Sie hatten so ziemlich alles falsch gemacht, was man als erfahrene Bergsteiger falsch machen konnte..

Sie waren in aller Herrgottsfrühe von zu hause aufgebrochen, wollten den Heilbronner Weg machen. Am selben Tag.

Dann waren sie in Obersdorf angekommen und erfuhren, daß der Weg zwar selbigentags freigegeben worden sei, aber eben noch Schnee oben läge. Was einen fraglichen Blick auf das Schuhwerk der kleinen Tochter zeitigte. Nein, deren Boots würden Stunden im Schnee nicht überstehen. Also suchte man erst nach einem Schuhgeschäft, um der Kleinen ihre ersten richtigen Bergstiefel zu verpassen.. Da war es bereits Mittag und da hätte man eigentlich abbrechen sollen. Oder doch wenigstens bis Einödsbach fahren sollen, um Zeit zu gewinnen

So begann man den Aufstieg zur Rappenseehütte weit nach Mittag und das in der größten Mittagshitze, hatte bis dahin schon viel zu viel an Energie verbraucht und das machte sich nach einiger Zeit bemerkbar.

Besonders Wolfgang schien große Schwierigkeiten zu haben, er lief schlecht, machte immer mehr Pausen und ich machte mir allmählich Sorgen. Eben solch nachlässige Aufsteiger wie wir überholten uns immer wieder. Es wurde spät und später. Oben machte man sich schon Sorge um uns, denn man wußte , da ist noch eine Familie mit Kind unterwegs. Als wir endlich gegen halb neun , neun, die Hütte vor uns hatten, kam der Wirt uns bereits entgegen., um nach uns zu schauen.

Nein, dieser Tag hatte sich gar nicht gut angelassen und so beschlossen wir, den nächsten zu pausieren, um den Hauptweg dann „ordnungsgemäß“ mit frischer Kraft an zu gehen.

Als wir deshalb am nächsten Morgen erst gegen zehn nach unten kamen, um in aller Ruhe den Tag zu genießen, stellten wir fest, dass wir noch die einzigen Gäste waren.

Auf unsere verdutzte Frage, erklärte der Wirt uns , dass man für den nächsten Tag einen Wetterumschwung erwartete und der Weg wieder geschlossen würde. Was tun, wir hatten nur dieses Wochenende. So beschlossen wir, den anderen doch noch zu folgen. Und wieder zu spät. Am Berg gilt ,je früher, desto besser. Jasmin war begeistert, als ein Rudel Gemsen uns hoch oben, gerade noch sichtbar, zu begleiten schien. Ein wunderschöner, wenn auch wieder später, Morgen. Den Aufstieg aufs hohe Licht erwogen wir erst gar nicht. Dann das Törl.  Jassy lief prächtig, auch Wolf ging es wieder besser. Dann der erste Schnee. Jassy war überwältigt und hangelte brav am Stahlseil entlang. Schon die Leiter hatte sie begeistert. Die sah zwar gefährlich aus, führte aber nur über einen Felsvorsprung hinauf. Die Brücke war da schon anders. Aber in Anbetracht, dass wir ursprünglich den Mindelheimer Klettersteig erwogen hatten, war dies hier harmlos.

Das änderte sich schlag artig.

Wir hatten die Steinscharte hinter uns und befanden uns auf dem Grat, als wir das aufziehende Wetter bemerkten. Ich weiß nicht mehr, befanden wir und vor oder hinter dem Abstieg zum Waltenberger Haus. Wir mussten jedenfalls schleunigst vom Grat runter und irgendwo in Deckung gehen. So liefen wir eiligst zurück , die Steinscharte wieder hinab und kauerten uns im Windschatten unten an den Fuß der Felsen. Jasmin begluckten wir förmlich, nahmen sie hinter und unter uns.

Die Rucksäcke vor und die Kotzen über uns, bildeten wir so etwas , wie ein Biwak. Da ging es auch schon los.

Ich weiß es heute nicht mehr zu sagen, aber mir schien , als schlügen meterlange Funken wie Elmsfeuer aus den Felsen hervor, oder waren es Blitze? Wir schienen mitten in einem Elektrofeld zu stecken, Und dann das Orgeln des Windes.! Nur einmal war ich ähnlich überrascht über solch eine entfesselte Macht und Lautstärke. Das war im Segelflieger, wo ich erwartete, er flöge ganz still und leise, segle ja ohne Motor auf dem Wind. Joy, war das ein Krach da oben. So auch jetzt.

Dann war es vorüber. Wolf rappelte sich auf, wollte sehen, wohin es zöge und stand für eine kurze Weile mit der Kotze im Wind. Hinter ihm fiel das Gelände ins Berchtesgadische ab. Er war damals beileibe kein Leichtgewicht, aber eine letzte Sturmbö hätte diesen schweren Mann beinahe hintenüber und hinab befördert. Als es vorbei war, hatten wir wieder Zeit verloren.

Bei dieser Witterung würde es früh dunkel werden. Dieses Gefühl dort oben, gleich vis à vis nur noch des Himmels und das Wissen , die Letzten und Einzigen dort oben zu sein, ist so etwas von grausam. Das ist Einsamkeit pur und Verlassen sein in Hochpotenz.

Kurz nach der Bockkarscharte schälte sich aus dem Grau in Grau ein Mensch heraus. Wohl ein Einheimischer, der sich hier auskannte. Den hätte ich doch wirklich beinahe umarmt aus Erleichterung, dass da außer uns doch noch jemand ist und vor allem, jemand , der sich da auskannte. Den fragten wir nach Art und Zeit des Weges bis zur Kärntner Hütte

„Oh“, meinte er,“dr Weg isch scho recht, un Zeit häbet er gnueg, Abber wenn dr uff dr Gletscher kummet und er häbet Nebel, no Gnad eich Gott.“

Wir kamen auf den Gletscher und wir hatten Nebel und Gnade uns Gott

Wir befanden uns plötzlich in einer weißen Wildnis , Watte, Weiß in Weiß. Keine Trittspur mehr im Schnee, nichts. Nur unsicherer Untergrund, seitlich, dem Trittgefühl nach, stark abschüssig. Kurz überlegten wir, ob wir die Kleine ans Seil nehmen sollten, da riß es vor uns kurz auf und eine Felswand zeigte sich in erreichbarer Nähe vor uns. Sie schien mir hier noch das einzig Zuverlässige zu sein und es wäre gut, sie erst einmal zu erreichen.

Ich kann auch nicht mehr heute sagen , ob es die Schwarzmilz war, denn der Schwarzmilzgletscher ist eigentlich nicht steil und man hätte ihn abfirnen, hinuntergleiten, können. Was natürlich ohne Sicht sowieso nicht möglich gewesen wäre. Nein, dieses Gelände war sehr steil und trügerisch, eventuell ein verschneites Geröllfeld. Daher die Notwendigkeit, es schnellstens zu verlassen und den sicheren Fels zu erreichen.

Den Eispickel hatten wir nicht dabei und so hieb Wolf seine Hand seitwärts mit gespreizten Fingern in den Firn und begann mit der Querung, Jasmin folgte und dann ich. Gerade war die Felswand wieder verschwunden und ich machte den nächsten Schritt.

Ins Leere.. Abwärts.

Es ist sehr eigenartig, was in solchen Situationen mit einem geschieht. Man las schon, dass das ganze Leben in Sekundenbruchteilen an einem vorüber fliegt. Eigenartigerweise hatte ich keinerlei Angst oder Panik, obwohl mir klar war und ich erwartete, in den Tod zu stürzen. Ich hörte meine Tochter völlig ungläubig überrascht „MAMAA“ rufen und dachte: „du armes Kind , wirst du es je verwinden, deine Mama in den Tod stürzen gesehen zu haben? “

Das war der erste von drei ganz klaren Gedanken. Der zweite galt meiner älteren Tochter, die in einem Feriencamp ganz in der Nähe weilte und erst in zwei Wochen nach Hause käme. „und du armes Kind, weißt nicht, dass du dann schon 14 Tage keine Mama mehr hast“

Der dritte Gedanke galt meinem Tod.  Ich überlegte, wie es geschähe. Wenn man beim Abfirnen oder sonst auf steilem Schneefeld zu Boden geht, soll man eine „Panzerkralle“ bilden. Bauchlage, Beine und Arme gegrätscht und Fußspitzen voraus in den Schnee bohren, um so evtl. zum Stoppen zu kommen.

Anders ich. Es gab zwei Möglichkeiten für mein Ableben. Die eine, ich prallte auf einen Felsen. Da wäre es gut, mit den Beinen voraus. Die gingen, sozusagen als Puffer, sicherlich kaputt, aber ich käme vielleicht doch mit dem Leben davon. Die zweite, ich ginge in einen freien Fall uber, fiele letztendlich ins Leere. Und wenn schon DAS , das wollte ich dann doch noch sehen , erleben. Also auch da mit den Füßen voraus. Wie gesagt, das alles geschah in Sekundenbruchteilen, während ich hinab rollte, hinab polterte, mich immer wieder überschlug,

Während dem aber, versuchte ich grad das Gegenteil der Panzerkralle: Füße zwar auch voraus, aber Rückenlage. Meine seitlich gesehene Position muß zum Schluß zusammen mit dem Rucksack einer Treppe geähnelt haben und so kam ich zum Sitzen. Und saß in einer Trittspur die einen halben Meter entlang eines Abgrundes querte!!! . Ich mochte gar nicht daran denken, was geschehen wäre, wenn wir verseilt gewesen wären: ich hätte eines  ums andere und wir hätten uns gegenseitig in diesem Falle  über die Kante mit hinab in den sicheren Tod gezogen

Es brauchte fast eine Stunde, bis Wolf und Jasmin ganz vorsichtig , Treppenstufen bildend, zu mir hinab gestiegen kamen, während ich sie direkt über mir hörte.

Wir folgten dann den Trittspuren kurz entschlossen in eine der beiden Richtungen. Es war die richtige. Wir kamen alsdann auf festen Boden , hörten Kuhglockengeläut und wussten, die Zivilisation hatte uns wieder.

Nun fand ich es immer albern, wenn ich las, der Papst hätte auf seinen Reisen den Erdboden des betreffenden Landes geküsst. Aber der erste Schritt auf festem Grund brachte mich vor ein Alpenglöckchen. Es wuchs dort zwischen Fels und Eis. Ich ließ mich zu ihm hinab und küsste es.
So sehr freute mich das Leben.

Mir selbst war nicht viel geschehen, außer einem Schleudertrauma und Prellungen vom Rucksack. Zerrissenen Anorak , blutige Abschürfungen im Gesicht und sämtliche Fingernägel, teilweise bis zum Nagelbett abgerissen oder um gestülpt, hatte versucht, mich im Firn fest zu krallen, habe ich in meiner Euphorie gar nicht wahrgenommen. Das wurde mir erst später auf absolut lächerliche und drastische Weise klar. Heute noch lachen wir darüber

Auf dem letzten Wegstück zur Kärntner Hütte war uns ein Kuhhirt begegnet, den wir nach dem Weg befragten. Er bat uns : „wennd er uff d Hütten kommts, sagets dem Karle, es Viachzeug  (Vieh) ausm Berchtesgadeschen wär etzet doo“ Wie schlimm ich mich aber mit meinen verletzten Fingern zugerichtet hatte  und wie nahe zu viehisch ich so blutverschmiert ausgesehen haben mag, fasste Karle dann in vier Worten zusammen.

Wir kamen dort an, ich vermutete Karle in der Küche und ging dort hin. Steht ein baumlanges Mannsbild vor mir und frägt

.“Madel, wa witt?“

„Ich such den Karle“.

„Des bin i.. Wa witt?“

"Karle ,i soll dr sage , ´s Viach ausm Berchtesgadeschen wär jetzt da.“


Da guckt doch der einmal an mir rauf und wieder runter und meint lapidar:

„Jo, mei, i siags …...“ ( Jaja, das sehe ich.)




Und hier noch ein paar Originalfotos:





Kommentare:

  1. gerade noch zum Wochenende fertig geworden. Da wünsche ich euch nun ein paar schöne Tage, relaxt und vielleicht gefällt euch auch diese etwas schlimmere Geschichte. LG Heidi

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  2. Puh, jetzt habe ich aber vor lauter Spannung den Atem angehalten. Das ist ja wirklich "gerade noch mal gut gegangen" ...
    Mein Mann und ich sind früher auch gerne im Gebirge gewandert. Aber soooo große Herausforderungen haben wir uns nie angetan. Wir fahren übrigens dieses Jahr nach Oberstdorf. Aber wir bevorzugen heutzutage die Seilbahnen... **grins**

    Dein Blog ist übrigens klasse - Eva V. hat mich darauf aufmerksam gemacht. Leider bin ich noch nicht dazu gekommen, auch die älteren Beiträge zu lesen - aber einige davon kenne ich ja schon von SB...
    Ich wünsche Dir auch ein schönes Wochenende - ohne gefährliche Klettertouren!

    Liebe Grüße
    Christine

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  3. heidilein, da hast Du noch einmal viel Glück gehabt. Uff. Ich hatte auch schon einige Eskapaden im Gebirge erlebt, aber alles ging viel glimpflicher aus. Liebe Grüße Eva

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  4. heidilein, da hast Du noch einmal viel Glück gehabt. Uff. Ich hatte auch schon einige Eskapaden im Gebirge erlebt, aber alles ging viel glimpflicher aus. Liebe Grüße Eva

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