Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Sonntag, 24. Januar 2016

Märchen für Menschen mit Flügeln


Diese war meine erste Geschichte. Ich schrieb sie in jungen Jahren. Ein Märchen ? Ein Gleichnis?

Jedes Wort hat seine besondere Bedeutung und ist wortwörtlich gemeint. Somit doch eher Letzteres.



                                

                         Märchen für Menschen mit Flügeln






  

 
 
Ich möchte dir was erzählen.
Eines Tages wachte ich auf. Die Welt schien rosig. Staunend schaute ich mich um, rieb den Schlaf aus meinen Augen, aber die Röte um mich herum blieb.
Es war die Röte des erwachenden Tages.
Ich fand mich frei auf einem Feld liegend, eingetaucht in dieses allumfassende Licht, es lag auf meinen Armen, meinem Gesicht und es rieselte über meine Haare. Jedes Gräslein, jedes Blättchen war übergossen von sanft rötlichem Schein. Das Licht aber wurde spürbar, es streichelte meinen Körper und wohlig dehnte ich meine Glieder. Da bemerkte ich, dass alles rings umher still war. Ich horchte in diese Stille und da war sie belebt. Ich hörte, wie die Erde Feuchtigkeit atmete und ich hörte das Knabbern einer Wespe am harten Blatt des Salbei und das ferne Kück-kück einer aufgeregten Amsel. Ich sah, wie Blüten sich langsam entfalteten, Diamanten gleich , Tautropfen von den Blättern schüttelnd. Und ich machte mich auf, die Menschen zu suchen.
Ich ging, und plötzlich stand da inmitten lieblichster Landschaft eine Tür. Sie stand einfach so da. Eigenartiger weise konnte ich nicht rechts oder links an ihr vorübergehen, nein, etwas zwang mich, durch sie hindurch gehen zu müssen. So tat ich es.
Da war die liebliche Landschaft, in der ich erwacht war, verschwunden. Ein Wald lag vor mir, die Stämme glatt und hoch, wie die Pfeiler einer Kathedrale. Sie wuchsen aus feuchtem Moos, das unter niedrig webenden Nebelschleiern verborgen lag und ragten in einen Himmel, der keine Farbe mehr hatte, so hoch , so weit war er entfernt. Ein kühler Hauch wehte um mich und die Luft roch modrig und feucht. Bläulich grünes Dämmern, sanft im Nebel zerfließend, öffnete sich vor, und schloß sich hinter meinem Schritt. Aber ich ging nicht selbst, Irgendetwas schien mich voran zu tragen.
Nun hörte ich auch fern ein leises Wimmern. Ich ging dem Laut nach und meine Suche endete an einem kalten, klaren Bach, der ohne jegliche Bewegung seiner Oberfläche dahin floss. An seinem Ufer saß ein Kind. Es hatte die Beinchen frierend an den kleinen schmächtigen Körper gezogen, das Gesicht halb zwischen den Knien verborgen und - weinte. Weinte still und hoffnungslos. Seine Tränen fielen in den Bach. Dann zeigten sich dort ein paar Kreise, liefen auseinander und verebbten. Die Oberfläche war danach wieder so glatt wie zuvor.
 
 
 
 
 
 

 
Leise kniete ich nieder, umschlang zart das Kind mit meinen Armen

" Kind, was hat man dir angetan? - Wo kommst du her ?" fragte ich. Da sah es mich an und sein Blick kam von weit, weit her.
" Ich komme von den Menschen ----
ich möchte wieder zu den Menschen,
aber den Weg dorthin kann ich nun nicht mehr finden."
Damit senkte es in hoffnungsloser Gebärde sein Gesicht wieder zwischen die Knie, und ich bemerkte plötzlich den eigenartigen Glanz in den Haaren des Kindes. Wie viele kleine verborgene Lichter. Ich streichelte sanft darüber hin. Da hob es seinen Kopf.
" Bist du ein Mensch?" fragte es da.
" Ja, ich bin ein Mensch."
Hoffnung schwang in seiner Stimme:
" Und aus welcher Richtung bist du gekommen?"
" Ich kam von dort."
Und ich zeigte hinter mich, wo ich das weite schöne Land wusste, in dem ich nach Menschen suchen wollte,
" Und du sagst, du bist ein Mensch ?"
" Aber ja, ich bin ein Mensch! "
" Und - du hast mich gestreichelt ?"
" Ja, ich habe dich gestreichelt."
" Und - und du hast mit mir gesprochen - ", stellte es nachdenklich fest.
" Dann will ich dorthin gehen in jene Richtung ! "
Das letzte Wort klang schon fast wie Jubel und fernes Vogelgezwitscher durch den Wald.
" Hallo, du," rief ich dem dahineilenden Kinde nach, " verrate mir noch, wer du bist !"
" Ich heiße Menschlichkeit ! Vergiss nie: Menschlichkeit.....!"
" Menschlichkeit. Liebe kleine Menschlichkeit", flüsterte ich,
" bitte finde die Menschen, lerne wieder, an sie zu glauben und sie an dich. Du mußt wachsen
und eines Tages wirst du groß sein, je größer du bist, desto weniger können sie dir anhaben. Aber, bitte , finde die Menschen !"
Sinnend lauschte ich den sich entfernenden Geräuschen des Kindes nach; lange stand ich so. Als ich aus meine Gedanken zurück kehrte, bemerkte ich, es hatte sich irgend etwas geändert.
Ich wußte nicht gleich, was es war. Aber dann hob ich meine Augen empor und sah, dass der Himmel über mir plötzlich blaute. Er war nicht mehr farblos und fern. Nein, seine strahlende Bläue schien zum Greifen nahe und Freude überkam mich. Ich sah die Baumkronen sich im Himmel wiegen und war nicht mehr allein : die vorher unnahbaren Stämme zeigten ihre Kronen, ihr Geäst. Es waren Bäume, Wipfel, es war Leben unter diesem Himmel ! Wie ein Freudentaumel überkam es mich und ich begann, mich zu drehen, das Gesicht immer dabei nach oben gerichtet. Meine Arme ausgebreitet, drehte und taumelte ich um meine eigene Achse und alles kreiste mit mir. Die Freude in mir wuchs, sie schien in mir bersten zu wollen.
Bunte Punkte schwebten schließlich um mich und ein seltsames Gefühl der Leichtigkeit stieg in mir hoch. Da sah ich, dass die Punkte näher kamen, zu großen Schmetterlingen mit buntschillernden Flügeln wuchsen. Und ich, ich war mitten unter ihnen. Ich besaß plötzlich auch Flügel, so bunt, wie nur die Phantasie sie malen kann. Ich fühlte mich so wunderbar leicht, und mit den flatternden Bewegungen meiner Arme stieg ich trunken vor Glück mit den Schmetterlingen immer höher und höher in das unendliche Blau des Himmels.
Jauchzend schwebte ich nun dort oben. Glückselig. Da kam der größte der Schmetterlinge herangegaukelt. Sein Flügel strich mir über mein Gesicht und er warnte:
" Halt ein. Zur Sonne kannst du nicht...!"
 
.
 

 

Da glitt es wie Tränen über meine Wangen, Angst schlich in mein Herz. Meine Glieder wurden schwer und meinen Flügelschlägen und meinen Flügelschlägen fehlte nun mehr die Kraft. Tiefer sank ich und immer tiefer, hinab zur Erde. Verzweifelt rief ich:
" Schöner bunter Schmetterling, wer bist du, dass du mir Einhalt gebietest, wo ich glücklich war? Weshalb lässt mich die Berührung deines Flügels hinabgleiten zur Erde, macht mich so beklommen und wehe ?"
" Weißt du das denn nicht ? Ich bin die Traurigkeit."
" Aber wieso bist du so schön ?" fragte ich und strich zaghaft über die buntschillernden Flügel des neben mir ausharrenden Schmetterlings.
" Du trägst ja das fröhliche Kleid des Glückes!"
" Oh ja, es heißt Erinnerung und das Glück selber gab es mir. "
" Aber Traurigkeit", fragte ich, " wie kannst du des Glückes Kleid Erinnerung tragen ? Ihr beide seid doch so verschieden."
" Glaubst du das?" lächelte da die Traurigkeit.
" Weißt du denn nicht, dass wir zusammen gehören ? Ich bin die Schwester des Glückes .Nur durch mich kannst du zum Glück gelangen ."
" Nein, ich brauche dich nicht. Gäbe es dich nicht, so könnte ich immer glücklich sein!" begehrte ich auf.
" So könnte man meinen," erwiderte geduldig der Schmetterling, namens Traurigkeit,
" aber gäbe es mich nicht, woher wolltest du dann wissen, wann du glücklich bist? Glücklich- sein ist Nicht-traurig-sein. Wenn du traurig bist, bist du es um so mehr , als du vorher glücklich warst. "
"Ja, dann bist du das , die ganz leis an´s Herz rührt, wenn man sich am glücklichsten wähnt"
"Sicher, wo das Glück am größten , da bin ich am nächsten. Alles Schöne birgt auch immer ein wenig Trauer, denn du weißt um seine Vergänglichkeit."
Damit erhob sich der Schmetterling. Ich sah ihm nach, wie er in den bunten Schwarm eintauchte und fühlte, wie eine tiefe Wehmut in mir zurück blieb. Irgend etwas in mir schien wiederum bersten zu wollen, aber dieses Mal war es Trauer, die mich gefangen hielt. Ich wollte weinen. Aber dann sah ich die bunten Flügel, schaute ihnen nach, wie sie verheißungsvoll in der Sonne glitzerten und dachte:
" Wahrhaftig, jede Traurigkeit trägt des Glückes Kleid Erinnerung !"
Es war nur ein kleiner Trost, dieses Wissen um der Traurigkeit fröhliches Gewand, aber genügend, um mich zu erheben und meinen Weg zu suchen. Der Wald umschloss mich wieder mit seiner Einsamkeit. Ich ging in sie hinein.
Der Weg schien nun endlos und eben so unendlich müde schleppte ich mich weiter. a öffnete sich plötzlich eine Lichtung. Helle Gestalten erblickte ich, und eine Musik erklang, wie ich sie süßer nie zuvor gehört hatte. Sanft wiegend und zärtlich, dann wieder tief orgelnd , schwer und traurig. Die Gestalten bewegten sich zu den Klängen dieser Musik mit einer Anmut, die nichts von dieser Erde zu wissen schien. Über allem lag solch eine ruhige Heiterkeit, dass ich nur den einen Wunsch hatte : ich wollte dort dazu gehören. Wie ein Magnet zog es mich in den Kreis der Tanzenden. Freundliche Hände ergriffen die meinen und bald war ich im wiegenden Reigen eine der ihrigen. Das Firmament senkte sich tiefblau über die Lichtung und in unsere Reihen schienen sich die Sterne zu mischen. Die Musik erfüllte mich ganz und Zärtlichkeit durchpulste meine Adern. Ich hatte keinen Wunsch mehr, keinen Gedanken.
" Schwestern, liebe Schwestern," jubelte ich glücklich, " endlich habe ich nach Hause gefunden! Oh, ich bleibe bei hier, bei euch. Sagt mir eure Namen !"
Da wendeten liebevolle Gesichter sich mir zu und eine Gestalt nach der anderen schenkte mir ein zärtliches, nachsichtiges Lächeln, während unsere Füße uns weiter im Reigen trugen.
" Wir tragen alle verschiedene Namen. Einen aber haben wir gemeinsam. Er heißt - Tod !"





 
 
Erschrak ich etwa? Nein, es war nicht der Ort und es war nicht die Zeit zu erschrecken. Nichts störte die gelassene Heiterkeit, nichts vermochte mich hier zu ängstigen. Aber bleiben? Bleiben wollte ich nun auch nicht mehr. Ich hatte ja Menschen suchen wollen, ich war noch nicht am Ende.
Mit traurigem Blick und entsagendem Lächeln löste ich mich aus dem Kreis. Die Schwerelosigkeit verlor sich, ich war wieder ein Kind der Erde. Etwas wollte ich aber noch wissen:
" Weshalb seid ihr aber so heiter?" rief ich über die Schulter zurück.
" Weil wir alle Traurigkeit hinter uns gelassen haben. Wir haben sie einfach vergessen !" scholl es mir fröhlich nach. Dann verschluckte mich wieder der Wald.
Diesmal sah ich nicht mehr links und rechts. Ich wußte meinen Weg. Und Eile trieb mich. Ich fand auch die Tür wieder. Diesmal stand sie offen. Ich ging mitten hindurch und fand m e i n e Landschaft. Das rosige Licht war gewichen. Rings umher gab es Sonne und Schatten, eben wie an einem schönen Tag im Sommer. Ich ging in diese Landschaft hinein, sah Wälder, Felder, Wiesen, Äcker, fand steile Berge, schroffe Klippen, enge Schluchten und weite Täler. Und ich ging und suchte die Menschen..............................................................
 

Kommentare:

  1. Ach Heide Marie was für eine wunderschöne Geschichte und so voller Weisheit. Ich werde sie verlinken und für deinen Blog auf meinem Blog Reklame machen. LGLore

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  2. Hallo Heidemarie,
    was für eine wundervolle Geschichte. Sie hat mich bezaubert.
    Danke.
    Marle

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  3. Hallo Heidemarie,
    ich habe mich inzwischen ein wenig hier umgeschaut. Es gefällt mir hier ud ich trage dich gleich in meine Blogroll (www.lifetellsstories.de) ein, damit ich und auch meine Leser immer wieder hierher finden können.
    Danke für diese bezaubernde Geschichte.
    LG
    Astrid

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  4. Lore, Marle und Astrid haben sich schon bei dir eingefunden - das ist ganz großartig! Herzlich willkommen in der Welt der Blogger, liebe Heidemarie!! Ich 'kannte' dich schon durch deine wundervollen Zeichnungen, die du zu Lores Geschichten gemalt hast. Nun freue ich mich auf ganz viele Hochseilakte hier bei dir - ich komme ganz gewiss wieder und gratuliere zu dieser großartigen Geschichte!! LG Martina

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  5. bin heute erst dazugekommen die Geschichten zu lesen ,
    Du bist einfach ein Genie.
    Liebe Grüße Joachim

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  6. Danke, ihr Lieben alle,freut mich ganz doll, wenn meine Kleinen Hochseilakte euch ein bisschen Freude bereiten und ich verspreche , wenn ich erst mal weiß, wie hier was abläuft, werde ich auch auf eure Seiten kommen. Aber Joachim, lieber, ttttt, damit machst du mich nun echt verlegen, bin doch nur ich!

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  7. Dir, liebe Heide Marie ein herzliches moin, moin nach Griechenland und
    ein großes Kompliment für deine wunderschöne Geschichte.
    Rudolf der Weltenbummler
    womotramp1.blogspot.com

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