Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Dienstag, 26. Januar 2016

Alles hat seine Zeit, Lachen und Weinen, Leben und Lieben


Alles hat seine Zeit, Lachen und Weinen, Leben und Lieben





Alles hat seine Zeit, Lachen und Weinen, Leben und Lieben




Diese Hoffnung, dieser Funke! Er würde sie suchen und er würde sie finden. Allein diese Vorstellung ließ ihn Heftig aufatmen. Wie mochte sie heute aussehen, wie war ihr Leben? Hatte sie an ihn gedacht, all diese Jahre? Was hatte sie erlebt, ohne ihn erlebt? Und wo war sie?

Plötzlich wollte er alles wissen, alles schien jetzt so wichtig für ihn, als wäre es gestern gewesen. Ja, alles wollte er jetzt wissen. Sofort wissen Und in diesem Moment begriff er nicht mehr , wie er all die Jahre ohne sie hat zubringen können.

Und er begann, sich zu erinnern.

Jede Einzelheit, jede Nuance ihres Lachens, er hörte es. Auch jenes Timbre, wenn sie versuchte , laut zu lachen, belanglos zu reden, obwohl ihr die Tränen längst den Hals zuschnürten. Mein Gott, was war sie tapfer gewesen. Sie sagte nur leichthin "ich hab´s gelernt", oder "es geht mir so gut, wie nie vorher, da kann ich doch nur lachen". Nein, es ging ihr nicht gut. Er wusste, sie hatte Schmerzen. Aber das war nur das Eine. und dann gab es da noch etwas Anderes. Und je weniger sie ihm dies zeigen mochte, desto weniger gut es ihr ging, desto herzhafter klang ihr Lachen.

Ein Gedanke schoß ihm urplötzlich durch den Kopf, der war ihm früher nie bewusst geworden: traurig war sie eigentlich immer nur, wenn die Sprache auf ihn kam, oder er aus seinem Leben erzählte, da wurde sie still und traurig, später auch mal wütend. Aber sie hörte geduldig zu und er wusste, er durfte ihr alles sagen. Nur ein einziges Mal bat sie ihn "bitte hör auf!" Es schien ihr unmöglich geworden zu sein, seine Worte zu verkraften. Seine Erzählung musste sie irgendwie getroffen haben. Er überlegte was es wohl gewesen war, etwa eine seiner Frauengeschichten? Er zermarterte sich den Kopf. Nun ja, man war nun nicht mehr der Jüngste. Aber er hätte es in diesem Augenblick gerne gewußt

Und dann diese Augen. Sie schienen bis auf den Grund seiner Seele zu sehen. Aber auch das hatte er damals nicht bemerkt. Und plötzlich wusste er es, dass nach solch einem Blick ihre Augenn sich verdunkelten, vom strahlenden Blau ins Teichgrüne wechslten.

Nun sah er alles wieder vor sich, mehr , als er damals wohl wahrgenommen hatte. Sie hatte gesagt "ich will" und "Du mußt", "Ich will um Alles in der Welt, dass Du glücklich wirst!" Und "Du musst glücklich werden. Du bist wichtig". Und dann war sie gegangen

Ich bin Dir im Weg, hatte sie gesagt. Du musst Dein Leben in Ordnung bringen. Ja, ich will, hatte sie gesagt, und Du musst. Und dann lachte sie wieder, als lachte sie ihn aus.

Mein Gott, was haben sie damals gelacht. Und immer wieder brachte sie ihn zum Lachen. Und dann war sie weg.

Erst hatte er sie vermisst, dann hatte er sein Leben in Ordnung gebracht, so, wie sie es wollte. Und da war er wieder , dieser alte Gedankenblitz: so, wie sie es wollte? Sie es wollte? Sie hatte keinen Hehl daraus gemacht, offen und wie selbstverständlich , hatte sie ihm gesagt, wie lieb sie ihn habe....und dann konnte sie wollen , dass er nicht sie.....?? Was war das für eine Frau?!

Plötzlich verstand er, nein, er verstand eben nicht. Er hätte aus ihren Worten, ihrem Verhalten, ihrem ganzen Wesen entsprechend, doch sehen können, dass es viel mehr war. Es fiel im wie Schuppen von den Augen: ja, viel mehr. Er selbst hatte damals nicht gewusst, wo er und wie es um ihn stand, sie wusste es aber. Und sie entschuldigte sich für ihre Gefühle, sagte, sie werde sie sich verbieten. Später lachte sie und sagte: "aber DU kannst sie mir nicht verbieten, versuch´s, kann Dich ganz allein in mir selbst lieb haben. Brauch Dich nicht dazu". Und dann war sie fort.

Hatte sie ihn noch lieb, immer weiter lieb, all diese Jahre? Dachte sie noch an ihn? Er glaubte, es zu wissen. Sie hatte nie etwas gesagt, was nicht ihrem innersten Wesen entsprach. Bei ihr schien alles so leicht. Was sie sagte, war endgültig. Das meinte sie auch. Nur manchmal, wenn ihr der Schalk aus den Augen brach, da warf sie den Kopf in den Nacken, und dann wieder dieses perlende Lachen, ihr Lachen.

Alles, alles stand plötzlich wieder auf vor ihm, jede einzelne Stimmung, ihr Lächeln, ihre unbändige Freude, wenn sie ihn beim morgendlichen Skypen entdeckte, ihr "hallo- ho, da bist Du ja!“, ihre Stimme mit diesen kleinen Freudenhüpfern und manchmal mit diesen kleinen Aussetzern oder winzigen Schluchzern. Alles sah, alles erinnert er, manches fast minutiös. Und diese Freude, die auch er empfand, bei ihrem allmorgendlichen Skype. Er erinnerte sich auch gut an jenes Gefühl, wie sehr er sich später nach diesen Gesprächen sehnte. Aber er hatte ja dafür sein Leben in Ordnung gebracht

Und nun war er alleine und es schien ihm jede Erinnerung als eine kostbare Perle, die er Perle für Perle nur wieder zusammen fädeln musste, um Sie wieder zu haben. Und da plötzlich wusste er es. Er hatte es im Unterbewusstsein wohl immer geahnt. Aber es hatte ihm all diese Jahre genügt, dass er wusste, sie war da. Irgendwo im Süden Deutschlands, irgend wo dort war sie und hatte ihn lieb.

Jetzt war er allein und es genügte ihm nicht mehr.

Er sprang auf, schaute sich wie erwachend um, sah den Sommerhimmel und die Sonne . Beides hatte sie so geliebt. Hatte?? Wieso denn hatte! Irgendwo im Süden gibt es sie. Ich hole sie mir, ich finde sie.

Plötzlich hat er es eilig. Und da ist ein Elan in Ihm.!

Schon stellt er die Fahrtroute zusammen, schmeißt das Nötigste ins Auto, springt selbst wie ein junger Gott hinterher. Seit langem hat er sich nicht mehr so frei gefühlt. So frei.

Diese Hoffnung, sie schon bald zu sehen, zu hören, macht ihn fast überglücklich. Hatte er es denn wirklich nie gewusst? Er brauchte sie doch, sie, ihre Heiterkeit, er brauchte dieses Geschöpf, ihr ganzes Sein, bloß sie. Bloß jene Boe, die ihr Wolfgang nie begriffen hatte. Er begriff nun und er war auf dem Weg.

Am späten Nachmittag erreicht er ihre Stadt, erreicht ihre Adresse, müde, aber erwartungsvoll. Gleich, gleich! Gleich würde er sie sehen, das 1. Mal richtig sehen, sie berühren können.

Aber da war ihr Name nicht. Sie musste doch da sein. Er klingelt irgendwo und man sagt ihm, er solle bei Frau Sowieso nachfragen, sie wisse bestimmt mehr.

"O ja, sie ist damals gleich hier weg gezogen".

"Damals?"

"Ja, sie hatte etwas angedeutet. Sind sie das? Sie ist Hals über Kopf zu ihrer Tochter gezogen, wollte mich mitnehmen, aber ich konnte nicht so schnell hier weg, da ist ganz alleine dorthin gezogen."

"Nach Griechenland?"

"Nach Griechenland."

„Ja, dieses Bergdorf im Norden irgendwo..."

Er denkt nach: erzählte sie nicht etwas über diese Ebene und über den ausgetrockneten Fluss? Wie klar und wie abrufbereit das alles ist. Ja, der Name ist noch in seinem Gedächtnis: trockener Fluss. Ein Bergdorf, jeder kennt dort jeden und eine Deutsche kennt man sicherlich sowieso. Kein vertun, das lässt sich finden. Er wird morgen in den nächsten Flieger steigen. Er weiß, er muss Thessaloniki buchen, dann wird er weiter sehen.

Endlich findet er sich in Saloniki wieder. Ihr Enkel studiert und lebt hier. Sie liebt ihn sehr, sagte sie. Das macht ihn fast ein wenig eifersüchtig : der hatte ihre Liebe all die Jahre, ob  d e r  sie zu schätzen wusste?

Dann sitzt er im Bus nordwärts. Immer Nord Nord Ost. Dann der Ort. Er weiß nicht, wie er das alles schafft. Er ist so müde, so benommen. Aber dieser eine Augenblick, der lässt ihn eine neue Kraft in sich spüren, dass er lächeln muss. Und er hat eine diebische Freude, bei der Vorstellung, wenn sie ihr altvertrautes "da bist Du ja !" sagt und mit den Augen strahlt, wie früher beim Skypen.

Es ist auch nicht schwer : ja.....Jasmin....Germanida....kennt jeder....liebe...nette...

Dann ist er da. Die Tochter öffnet. Sie scheint ihn zu kennen.
Freut sich und freut sich nicht.

"Sie wollen sicher zu meiner Mutter?"

"Ja , und wo ist sie jetzt, wo?"

Da beginnt sie zu reden und redet und redet.

"Nein, nein, sie war nicht unglücklich. Ihre Liebe war dafür viel zu groß. Aber sie hat ihr ganzes Leben um Liebe gekämpft.

Sie konnte nicht mehr kämpfen.

Sie liebte nur noch.

Sie! "

Da liegen sich zwei fremde Menschen in den Armen und weinen.

Da weint ein plötzlich uralter Mann in den Armen ihrer Tochter.




Kommentare:

  1. Liebe Heidemarie,
    Du schreibst sehr fesselnd.
    Ich komme jetzt öfter und habe Dich auf meinem Blog verlinkt.
    So kann ich sehen, wenn du einen neuen Beitrag veröffentlicht hast.
    LG
    Marle

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  2. Sag ich doch, Du schreibst fesselnd schön. Liebe Grüße Eva

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Was für eine schönen, spannende Geschichte - und dann sooooo ein trauriges Ende ... Wie schade. Ich hätte mir ein Happyend gewünscht! Aber das Leben ist leider nicht so, dass alles immer gut ausgeht ... :-(
    Liebe Grüße
    Christine

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  5. ich wusste gar nicht mehr, dass du so fesselnd schreiben kannst. Schade, dass es so ausging. Alles Glück der Welt für dich

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