Hey du, ein liebes Hallo! Freue mich, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Hübsch wäre, wenn dir meine Einstellungen gefielen, wunderschön, wenn sie ein Lächeln, Schmunzeln, oder gar eine kleine Freude und paar gute Gedanken hinterließen.
Selber würde ich mich über jeden Kommentar freuen . Und nun viel Spaß beim Lesen

Samstag, 30. Januar 2016

Fundstücke, Mein wilder Garten




Und hier noch ein paar


Fundstücke

Nana Mouskouri  muß meinen Garten gekannt haben.
Es ist genau meiner:
Die Schmetterlings, der Regenbogen,
die Schnecken.
Meine erste wunderschöne Weinbergschnecke bekam eine goldene Spirale auf ihr Häuschen gemalt und wurde auf das benachbarte Wiesengrundstück befördert. Schon am nächsten Tag war sie wieder da. Sie wurde die Stammmutter ganzer Generationen, mit denen später meine Enkelchen
Schnecken-Wettrennen veranstalteten.



https://www.youtube.com/watch?v=tt7qIfwzV


Mein wilder Garten
Bäume, die unheimlich alt sind
Rosen mit Dornen aus Wien
Hohes Gras fasst den Himmel an
Und dem Unkraut hab ich schon lang verzieh'n
Schnecken, die unheimlich schnell sind
Frösche mit goldener Haut
Jeder Weg liegt voll Sternenstaub
Frech und ungekämmt sieht mein Garten aus
Mein wilder Garten
Kann lange warten
Schmetterling will eine Blume sein
Regenbogen fängt Wolken ein
Mein wilder Garten
Hat tausend Farben
Komm noch im Sommer
Ich bleib nicht gern allein
Du trinkst aus so vielen Gläsern
Aber nur ich bin der Wein
Für die Nacht und das Morgenrot
Kann ich alle Frau'n dieser Erde sein
Ich seh' dich manchmal von Weitem
Lachend und sonnendurchglüht
Und dein Weg, ist ein Weg zurück
Denn du weißt noch gut wie mein Garten blüht
Mein wilder Garten
Kann lange warten
Schmetterling will eine Blume sein
Regenbogen fängt Wolken ein
Mein wilder Garten
Hat tausend Farben
Komm nach im Sommer
Ich bleib nicht gern allein
Komm nach im Sommer
Ich bleib nicht gern allein
(Musik: Bernd Dietrich & Gert Grobowski - Text: Peter Zentner)


dg&index=5&list=PLm8jS_w5iDGCG9RY0UdbVIvPQcBkxjyVr

Nochmal gut gegangen auf dem Heilbronnerweg






Noch mal gut gegangen auf
dem Heilbronnerweg.




















Sie hatten so ziemlich alles falsch gemacht, was man als erfahrene Bergsteiger falsch machen konnte..

Sie waren in aller Herrgottsfrühe von zu hause aufgebrochen, wollten den Heilbronner Weg machen. Am selben Tag.

Dann waren sie in Obersdorf angekommen und erfuhren, daß der Weg zwar selbigentags freigegeben worden sei, aber eben noch Schnee oben läge. Was einen fraglichen Blick auf das Schuhwerk der kleinen Tochter zeitigte. Nein, deren Boots würden Stunden im Schnee nicht überstehen. Also suchte man erst nach einem Schuhgeschäft, um der Kleinen ihre ersten richtigen Bergstiefel zu verpassen.. Da war es bereits Mittag und da hätte man eigentlich abbrechen sollen. Oder doch wenigstens bis Einödsbach fahren sollen, um Zeit zu gewinnen

So begann man den Aufstieg zur Rappenseehütte weit nach Mittag und das in der größten Mittagshitze, hatte bis dahin schon viel zu viel an Energie verbraucht und das machte sich nach einiger Zeit bemerkbar.

Besonders Wolfgang schien große Schwierigkeiten zu haben, er lief schlecht, machte immer mehr Pausen und ich machte mir allmählich Sorgen. Eben solch nachlässige Aufsteiger wie wir überholten uns immer wieder. Es wurde spät und später. Oben machte man sich schon Sorge um uns, denn man wußte , da ist noch eine Familie mit Kind unterwegs. Als wir endlich gegen halb neun , neun, die Hütte vor uns hatten, kam der Wirt uns bereits entgegen., um nach uns zu schauen.

Nein, dieser Tag hatte sich gar nicht gut angelassen und so beschlossen wir, den nächsten zu pausieren, um den Hauptweg dann „ordnungsgemäß“ mit frischer Kraft an zu gehen.

Als wir deshalb am nächsten Morgen erst gegen zehn nach unten kamen, um in aller Ruhe den Tag zu genießen, stellten wir fest, dass wir noch die einzigen Gäste waren.

Auf unsere verdutzte Frage, erklärte der Wirt uns , dass man für den nächsten Tag einen Wetterumschwung erwartete und der Weg wieder geschlossen würde. Was tun, wir hatten nur dieses Wochenende. So beschlossen wir, den anderen doch noch zu folgen. Und wieder zu spät. Am Berg gilt ,je früher, desto besser. Jasmin war begeistert, als ein Rudel Gemsen uns hoch oben, gerade noch sichtbar, zu begleiten schien. Ein wunderschöner, wenn auch wieder später, Morgen. Den Aufstieg aufs hohe Licht erwogen wir erst gar nicht. Dann das Törl.  Jassy lief prächtig, auch Wolf ging es wieder besser. Dann der erste Schnee. Jassy war überwältigt und hangelte brav am Stahlseil entlang. Schon die Leiter hatte sie begeistert. Die sah zwar gefährlich aus, führte aber nur über einen Felsvorsprung hinauf. Die Brücke war da schon anders. Aber in Anbetracht, dass wir ursprünglich den Mindelheimer Klettersteig erwogen hatten, war dies hier harmlos.

Das änderte sich schlag artig.

Wir hatten die Steinscharte hinter uns und befanden uns auf dem Grat, als wir das aufziehende Wetter bemerkten. Ich weiß nicht mehr, befanden wir und vor oder hinter dem Abstieg zum Waltenberger Haus. Wir mussten jedenfalls schleunigst vom Grat runter und irgendwo in Deckung gehen. So liefen wir eiligst zurück , die Steinscharte wieder hinab und kauerten uns im Windschatten unten an den Fuß der Felsen. Jasmin begluckten wir förmlich, nahmen sie hinter und unter uns.

Die Rucksäcke vor und die Kotzen über uns, bildeten wir so etwas , wie ein Biwak. Da ging es auch schon los.

Ich weiß es heute nicht mehr zu sagen, aber mir schien , als schlügen meterlange Funken wie Elmsfeuer aus den Felsen hervor, oder waren es Blitze? Wir schienen mitten in einem Elektrofeld zu stecken, Und dann das Orgeln des Windes.! Nur einmal war ich ähnlich überrascht über solch eine entfesselte Macht und Lautstärke. Das war im Segelflieger, wo ich erwartete, er flöge ganz still und leise, segle ja ohne Motor auf dem Wind. Joy, war das ein Krach da oben. So auch jetzt.

Dann war es vorüber. Wolf rappelte sich auf, wollte sehen, wohin es zöge und stand für eine kurze Weile mit der Kotze im Wind. Hinter ihm fiel das Gelände ins Berchtesgadische ab. Er war damals beileibe kein Leichtgewicht, aber eine letzte Sturmbö hätte diesen schweren Mann beinahe hintenüber und hinab befördert. Als es vorbei war, hatten wir wieder Zeit verloren.

Bei dieser Witterung würde es früh dunkel werden. Dieses Gefühl dort oben, gleich vis à vis nur noch des Himmels und das Wissen , die Letzten und Einzigen dort oben zu sein, ist so etwas von grausam. Das ist Einsamkeit pur und Verlassen sein in Hochpotenz.

Kurz nach der Bockkarscharte schälte sich aus dem Grau in Grau ein Mensch heraus. Wohl ein Einheimischer, der sich hier auskannte. Den hätte ich doch wirklich beinahe umarmt aus Erleichterung, dass da außer uns doch noch jemand ist und vor allem, jemand , der sich da auskannte. Den fragten wir nach Art und Zeit des Weges bis zur Kärntner Hütte

„Oh“, meinte er,“dr Weg isch scho recht, un Zeit häbet er gnueg, Abber wenn dr uff dr Gletscher kummet und er häbet Nebel, no Gnad eich Gott.“

Wir kamen auf den Gletscher und wir hatten Nebel und Gnade uns Gott

Wir befanden uns plötzlich in einer weißen Wildnis , Watte, Weiß in Weiß. Keine Trittspur mehr im Schnee, nichts. Nur unsicherer Untergrund, seitlich, dem Trittgefühl nach, stark abschüssig. Kurz überlegten wir, ob wir die Kleine ans Seil nehmen sollten, da riß es vor uns kurz auf und eine Felswand zeigte sich in erreichbarer Nähe vor uns. Sie schien mir hier noch das einzig Zuverlässige zu sein und es wäre gut, sie erst einmal zu erreichen.

Ich kann auch nicht mehr heute sagen , ob es die Schwarzmilz war, denn der Schwarzmilzgletscher ist eigentlich nicht steil und man hätte ihn abfirnen, hinuntergleiten, können. Was natürlich ohne Sicht sowieso nicht möglich gewesen wäre. Nein, dieses Gelände war sehr steil und trügerisch, eventuell ein verschneites Geröllfeld. Daher die Notwendigkeit, es schnellstens zu verlassen und den sicheren Fels zu erreichen.

Den Eispickel hatten wir nicht dabei und so hieb Wolf seine Hand seitwärts mit gespreizten Fingern in den Firn und begann mit der Querung, Jasmin folgte und dann ich. Gerade war die Felswand wieder verschwunden und ich machte den nächsten Schritt.

Ins Leere.. Abwärts.

Es ist sehr eigenartig, was in solchen Situationen mit einem geschieht. Man las schon, dass das ganze Leben in Sekundenbruchteilen an einem vorüber fliegt. Eigenartigerweise hatte ich keinerlei Angst oder Panik, obwohl mir klar war und ich erwartete, in den Tod zu stürzen. Ich hörte meine Tochter völlig ungläubig überrascht „MAMAA“ rufen und dachte: „du armes Kind , wirst du es je verwinden, deine Mama in den Tod stürzen gesehen zu haben? “

Das war der erste von drei ganz klaren Gedanken. Der zweite galt meiner älteren Tochter, die in einem Feriencamp ganz in der Nähe weilte und erst in zwei Wochen nach Hause käme. „und du armes Kind, weißt nicht, dass du dann schon 14 Tage keine Mama mehr hast“

Der dritte Gedanke galt meinem Tod.  Ich überlegte, wie es geschähe. Wenn man beim Abfirnen oder sonst auf steilem Schneefeld zu Boden geht, soll man eine „Panzerkralle“ bilden. Bauchlage, Beine und Arme gegrätscht und Fußspitzen voraus in den Schnee bohren, um so evtl. zum Stoppen zu kommen.

Anders ich. Es gab zwei Möglichkeiten für mein Ableben. Die eine, ich prallte auf einen Felsen. Da wäre es gut, mit den Beinen voraus. Die gingen, sozusagen als Puffer, sicherlich kaputt, aber ich käme vielleicht doch mit dem Leben davon. Die zweite, ich ginge in einen freien Fall uber, fiele letztendlich ins Leere. Und wenn schon DAS , das wollte ich dann doch noch sehen , erleben. Also auch da mit den Füßen voraus. Wie gesagt, das alles geschah in Sekundenbruchteilen, während ich hinab rollte, hinab polterte, mich immer wieder überschlug,

Während dem aber, versuchte ich grad das Gegenteil der Panzerkralle: Füße zwar auch voraus, aber Rückenlage. Meine seitlich gesehene Position muß zum Schluß zusammen mit dem Rucksack einer Treppe geähnelt haben und so kam ich zum Sitzen. Und saß in einer Trittspur die einen halben Meter entlang eines Abgrundes querte!!! . Ich mochte gar nicht daran denken, was geschehen wäre, wenn wir verseilt gewesen wären: ich hätte eines  ums andere und wir hätten uns gegenseitig in diesem Falle  über die Kante mit hinab in den sicheren Tod gezogen

Es brauchte fast eine Stunde, bis Wolf und Jasmin ganz vorsichtig , Treppenstufen bildend, zu mir hinab gestiegen kamen, während ich sie direkt über mir hörte.

Wir folgten dann den Trittspuren kurz entschlossen in eine der beiden Richtungen. Es war die richtige. Wir kamen alsdann auf festen Boden , hörten Kuhglockengeläut und wussten, die Zivilisation hatte uns wieder.

Nun fand ich es immer albern, wenn ich las, der Papst hätte auf seinen Reisen den Erdboden des betreffenden Landes geküsst. Aber der erste Schritt auf festem Grund brachte mich vor ein Alpenglöckchen. Es wuchs dort zwischen Fels und Eis. Ich ließ mich zu ihm hinab und küsste es.
So sehr freute mich das Leben.

Mir selbst war nicht viel geschehen, außer einem Schleudertrauma und Prellungen vom Rucksack. Zerrissenen Anorak , blutige Abschürfungen im Gesicht und sämtliche Fingernägel, teilweise bis zum Nagelbett abgerissen oder um gestülpt, hatte versucht, mich im Firn fest zu krallen, habe ich in meiner Euphorie gar nicht wahrgenommen. Das wurde mir erst später auf absolut lächerliche und drastische Weise klar. Heute noch lachen wir darüber

Auf dem letzten Wegstück zur Kärntner Hütte war uns ein Kuhhirt begegnet, den wir nach dem Weg befragten. Er bat uns : „wennd er uff d Hütten kommts, sagets dem Karle, es Viachzeug  (Vieh) ausm Berchtesgadeschen wär etzet doo“ Wie schlimm ich mich aber mit meinen verletzten Fingern zugerichtet hatte  und wie nahe zu viehisch ich so blutverschmiert ausgesehen haben mag, fasste Karle dann in vier Worten zusammen.

Wir kamen dort an, ich vermutete Karle in der Küche und ging dort hin. Steht ein baumlanges Mannsbild vor mir und frägt

.“Madel, wa witt?“

„Ich such den Karle“.

„Des bin i.. Wa witt?“

"Karle ,i soll dr sage , ´s Viach ausm Berchtesgadeschen wär jetzt da.“


Da guckt doch der einmal an mir rauf und wieder runter und meint lapidar:

„Jo, mei, i siags …...“ ( Jaja, das sehe ich.)




Und hier noch ein paar Originalfotos:





Dienstag, 26. Januar 2016

Alles hat seine Zeit, Lachen und Weinen, Leben und Lieben


Alles hat seine Zeit, Lachen und Weinen, Leben und Lieben





Alles hat seine Zeit, Lachen und Weinen, Leben und Lieben




Diese Hoffnung, dieser Funke! Er würde sie suchen und er würde sie finden. Allein diese Vorstellung ließ ihn Heftig aufatmen. Wie mochte sie heute aussehen, wie war ihr Leben? Hatte sie an ihn gedacht, all diese Jahre? Was hatte sie erlebt, ohne ihn erlebt? Und wo war sie?

Plötzlich wollte er alles wissen, alles schien jetzt so wichtig für ihn, als wäre es gestern gewesen. Ja, alles wollte er jetzt wissen. Sofort wissen Und in diesem Moment begriff er nicht mehr , wie er all die Jahre ohne sie hat zubringen können.

Und er begann, sich zu erinnern.

Jede Einzelheit, jede Nuance ihres Lachens, er hörte es. Auch jenes Timbre, wenn sie versuchte , laut zu lachen, belanglos zu reden, obwohl ihr die Tränen längst den Hals zuschnürten. Mein Gott, was war sie tapfer gewesen. Sie sagte nur leichthin "ich hab´s gelernt", oder "es geht mir so gut, wie nie vorher, da kann ich doch nur lachen". Nein, es ging ihr nicht gut. Er wusste, sie hatte Schmerzen. Aber das war nur das Eine. und dann gab es da noch etwas Anderes. Und je weniger sie ihm dies zeigen mochte, desto weniger gut es ihr ging, desto herzhafter klang ihr Lachen.

Ein Gedanke schoß ihm urplötzlich durch den Kopf, der war ihm früher nie bewusst geworden: traurig war sie eigentlich immer nur, wenn die Sprache auf ihn kam, oder er aus seinem Leben erzählte, da wurde sie still und traurig, später auch mal wütend. Aber sie hörte geduldig zu und er wusste, er durfte ihr alles sagen. Nur ein einziges Mal bat sie ihn "bitte hör auf!" Es schien ihr unmöglich geworden zu sein, seine Worte zu verkraften. Seine Erzählung musste sie irgendwie getroffen haben. Er überlegte was es wohl gewesen war, etwa eine seiner Frauengeschichten? Er zermarterte sich den Kopf. Nun ja, man war nun nicht mehr der Jüngste. Aber er hätte es in diesem Augenblick gerne gewußt

Und dann diese Augen. Sie schienen bis auf den Grund seiner Seele zu sehen. Aber auch das hatte er damals nicht bemerkt. Und plötzlich wusste er es, dass nach solch einem Blick ihre Augenn sich verdunkelten, vom strahlenden Blau ins Teichgrüne wechslten.

Nun sah er alles wieder vor sich, mehr , als er damals wohl wahrgenommen hatte. Sie hatte gesagt "ich will" und "Du mußt", "Ich will um Alles in der Welt, dass Du glücklich wirst!" Und "Du musst glücklich werden. Du bist wichtig". Und dann war sie gegangen

Ich bin Dir im Weg, hatte sie gesagt. Du musst Dein Leben in Ordnung bringen. Ja, ich will, hatte sie gesagt, und Du musst. Und dann lachte sie wieder, als lachte sie ihn aus.

Mein Gott, was haben sie damals gelacht. Und immer wieder brachte sie ihn zum Lachen. Und dann war sie weg.

Erst hatte er sie vermisst, dann hatte er sein Leben in Ordnung gebracht, so, wie sie es wollte. Und da war er wieder , dieser alte Gedankenblitz: so, wie sie es wollte? Sie es wollte? Sie hatte keinen Hehl daraus gemacht, offen und wie selbstverständlich , hatte sie ihm gesagt, wie lieb sie ihn habe....und dann konnte sie wollen , dass er nicht sie.....?? Was war das für eine Frau?!

Plötzlich verstand er, nein, er verstand eben nicht. Er hätte aus ihren Worten, ihrem Verhalten, ihrem ganzen Wesen entsprechend, doch sehen können, dass es viel mehr war. Es fiel im wie Schuppen von den Augen: ja, viel mehr. Er selbst hatte damals nicht gewusst, wo er und wie es um ihn stand, sie wusste es aber. Und sie entschuldigte sich für ihre Gefühle, sagte, sie werde sie sich verbieten. Später lachte sie und sagte: "aber DU kannst sie mir nicht verbieten, versuch´s, kann Dich ganz allein in mir selbst lieb haben. Brauch Dich nicht dazu". Und dann war sie fort.

Hatte sie ihn noch lieb, immer weiter lieb, all diese Jahre? Dachte sie noch an ihn? Er glaubte, es zu wissen. Sie hatte nie etwas gesagt, was nicht ihrem innersten Wesen entsprach. Bei ihr schien alles so leicht. Was sie sagte, war endgültig. Das meinte sie auch. Nur manchmal, wenn ihr der Schalk aus den Augen brach, da warf sie den Kopf in den Nacken, und dann wieder dieses perlende Lachen, ihr Lachen.

Alles, alles stand plötzlich wieder auf vor ihm, jede einzelne Stimmung, ihr Lächeln, ihre unbändige Freude, wenn sie ihn beim morgendlichen Skypen entdeckte, ihr "hallo- ho, da bist Du ja!“, ihre Stimme mit diesen kleinen Freudenhüpfern und manchmal mit diesen kleinen Aussetzern oder winzigen Schluchzern. Alles sah, alles erinnert er, manches fast minutiös. Und diese Freude, die auch er empfand, bei ihrem allmorgendlichen Skype. Er erinnerte sich auch gut an jenes Gefühl, wie sehr er sich später nach diesen Gesprächen sehnte. Aber er hatte ja dafür sein Leben in Ordnung gebracht

Und nun war er alleine und es schien ihm jede Erinnerung als eine kostbare Perle, die er Perle für Perle nur wieder zusammen fädeln musste, um Sie wieder zu haben. Und da plötzlich wusste er es. Er hatte es im Unterbewusstsein wohl immer geahnt. Aber es hatte ihm all diese Jahre genügt, dass er wusste, sie war da. Irgendwo im Süden Deutschlands, irgend wo dort war sie und hatte ihn lieb.

Jetzt war er allein und es genügte ihm nicht mehr.

Er sprang auf, schaute sich wie erwachend um, sah den Sommerhimmel und die Sonne . Beides hatte sie so geliebt. Hatte?? Wieso denn hatte! Irgendwo im Süden gibt es sie. Ich hole sie mir, ich finde sie.

Plötzlich hat er es eilig. Und da ist ein Elan in Ihm.!

Schon stellt er die Fahrtroute zusammen, schmeißt das Nötigste ins Auto, springt selbst wie ein junger Gott hinterher. Seit langem hat er sich nicht mehr so frei gefühlt. So frei.

Diese Hoffnung, sie schon bald zu sehen, zu hören, macht ihn fast überglücklich. Hatte er es denn wirklich nie gewusst? Er brauchte sie doch, sie, ihre Heiterkeit, er brauchte dieses Geschöpf, ihr ganzes Sein, bloß sie. Bloß jene Boe, die ihr Wolfgang nie begriffen hatte. Er begriff nun und er war auf dem Weg.

Am späten Nachmittag erreicht er ihre Stadt, erreicht ihre Adresse, müde, aber erwartungsvoll. Gleich, gleich! Gleich würde er sie sehen, das 1. Mal richtig sehen, sie berühren können.

Aber da war ihr Name nicht. Sie musste doch da sein. Er klingelt irgendwo und man sagt ihm, er solle bei Frau Sowieso nachfragen, sie wisse bestimmt mehr.

"O ja, sie ist damals gleich hier weg gezogen".

"Damals?"

"Ja, sie hatte etwas angedeutet. Sind sie das? Sie ist Hals über Kopf zu ihrer Tochter gezogen, wollte mich mitnehmen, aber ich konnte nicht so schnell hier weg, da ist ganz alleine dorthin gezogen."

"Nach Griechenland?"

"Nach Griechenland."

„Ja, dieses Bergdorf im Norden irgendwo..."

Er denkt nach: erzählte sie nicht etwas über diese Ebene und über den ausgetrockneten Fluss? Wie klar und wie abrufbereit das alles ist. Ja, der Name ist noch in seinem Gedächtnis: trockener Fluss. Ein Bergdorf, jeder kennt dort jeden und eine Deutsche kennt man sicherlich sowieso. Kein vertun, das lässt sich finden. Er wird morgen in den nächsten Flieger steigen. Er weiß, er muss Thessaloniki buchen, dann wird er weiter sehen.

Endlich findet er sich in Saloniki wieder. Ihr Enkel studiert und lebt hier. Sie liebt ihn sehr, sagte sie. Das macht ihn fast ein wenig eifersüchtig : der hatte ihre Liebe all die Jahre, ob  d e r  sie zu schätzen wusste?

Dann sitzt er im Bus nordwärts. Immer Nord Nord Ost. Dann der Ort. Er weiß nicht, wie er das alles schafft. Er ist so müde, so benommen. Aber dieser eine Augenblick, der lässt ihn eine neue Kraft in sich spüren, dass er lächeln muss. Und er hat eine diebische Freude, bei der Vorstellung, wenn sie ihr altvertrautes "da bist Du ja !" sagt und mit den Augen strahlt, wie früher beim Skypen.

Es ist auch nicht schwer : ja.....Jasmin....Germanida....kennt jeder....liebe...nette...

Dann ist er da. Die Tochter öffnet. Sie scheint ihn zu kennen.
Freut sich und freut sich nicht.

"Sie wollen sicher zu meiner Mutter?"

"Ja , und wo ist sie jetzt, wo?"

Da beginnt sie zu reden und redet und redet.

"Nein, nein, sie war nicht unglücklich. Ihre Liebe war dafür viel zu groß. Aber sie hat ihr ganzes Leben um Liebe gekämpft.

Sie konnte nicht mehr kämpfen.

Sie liebte nur noch.

Sie! "

Da liegen sich zwei fremde Menschen in den Armen und weinen.

Da weint ein plötzlich uralter Mann in den Armen ihrer Tochter.




Montag, 25. Januar 2016

Baden-Badener Schlittenfahrt





 
Wir haben zwar heute immer mal wieder Wintereinbrüche, aber außer in den Gebirgen bleibt kaum etwas davon übrig. Was waren das in meiner Kinderzeit für herrliche Tage im Schnee. Besonders gerne erinnere ich mich heute an eine Geschichte, die Meine Mutter mir später einmal berichtete
 
 
 
Baden-Badener Schlittenfahrt




 

Wir wohnten damals in Baden- Baden. In der Leopoldstraße. In direkter Falllinie zum Alten Schloß. Damals gabs da noch Wege, eben jener Beschaffenheit, sehr steil und holperig. Einer davon war der Knochenbrecherweg und wir hassten ihn.

Ob der nun wirklich so hieß, bezweifle ich, wäre ja gegen Baden-Badens Ethik als Kurbad gegangen, bei uns hieß der so.
Er war der nächstgelegene aufwärts führende Weg und Sonntag für Sonntag trieb uns unser Vater über diesen Weg in die Pampa. Nein, wir mochten ihn nicht. Den Weg! Und Sonntag für Sonntag beim Heimtrieb über selbigen, holte sich ein Kind seinen verknacksten Knöchel, sein aufgeschlagenes Knie oder sein ramponiertes Schienbein. Wir waren vier.

Allerdings , unserer Mutter hat er einmal wohl ganz besonders zugesetzt.

Es war Winter. Wir Kinder waren den ganzen Nachmittag auf der Engelswiese Schlitten gefahren und lagen nun in den Betten. Da kamen meine Eltern auf die Idee, doch auch einmal Schlitten fahren zu gehen, der stünde ja eh noch draußen.

Gesagt, getan. Mütze, Schal, Handschuhe, unten rum Stiefel. Und los. Im Vollmond zu Berge.
Getreulich zogen sie ihren Schlitten hinter sich her. Romantik pur. Die trügte allerdings bald.

Inzwischen war man oben angekommen. Wer und wieso man den Knochenbrecherweg gewählt hatte, wusste man später nicht mehr zu sagen. Aber er war es.
Dick eingeschneit, unschuldig unter einer jungfräulichen Schneedecke, lag er da im Mondlicht, zu ihren Füßen die schlafende Stadt.

Da hinunter sollte es nun gehen

Also, Schlitten an den Start. Vati als Lenker vorne drauf, Mutti als Sozia hinten drauf. Wo aber vier schmächtige Kinderärschle noch bequem passten, war´s für zwei Erwachsene, samt Beinen, doch bisschen knapp. Jene von Mutti klemmte sich Vati fest unter die Arme, der besseren Statik wegen.

„Sitzte gut? Halt dich fest!“ Und los ging´s.

Hui! Jeder Hopser des Schlittens verursachte kleine Freudenschreie. Mutti war entzückt. Nicht lange. Denn der unberührte Weg war es wohl nicht. Er stellte den Beiden ein Bein, Tschuldigung , Stein. Der Schlitten machte einen Schlag und Mutti saß eine Etage tiefer. Im Schnee.

„Herbert !“kreischte sie, „Herbert!“

„Ja, schön, Elsele! Gell, schööön!“ kam es zurück und der Schnee begann sich zu türmen. Wo? Na , daaa!

Weiter kreischte sie. Aber mein Vater vermochte vor eigener Wonne wohl nicht zwischen Freuden- und Schreckensschreien zu unterscheiden.

Sie rief ihr „Herbert.!! Herbert!!“, in der Hoffnung, er möge ihre Beine los lassen, er sein „Elsele, gell schön, Elsele“. Der Schnee türmte sich weiter.

Nein, Strumpfhosen gab es damals noch nicht und lange Hosen für Frauen waren noch nicht obligatorisch. Frau von Welt trug unten rum Kunstseidene, Strapse und schlüpfrige Halbseide.

So hoppelten die Beiden gen Baden – Baden, den Knochenbrecherweg hinab, Vati auf dem Schlitten, Mutti auf Charmeuse.

Als der Schlitten zum stehen kam und mein Vater sich um drehte, traute er seinen Augen nicht. Da stand doch hinter ihm ein Schneemann. Und hinter ihm schaute kläglich Mutti hervor.

Bemerkung:
Von einer weiteren Schlittenfahrt ist mir nichts bekannt........

 

Griechische Hochzeit



Diese Geschichte ist nun wirklich Geschichte geworden, weil meine Tochter gerade dabei ist, ganz neu durch zu starten. Aber ich erzähle sie immer wieder gerne.

Griechische Hochzeit

                  Da saßen wir nun also im Flieger, ein paar Kommilitonen meiner Tochter, die den selben Flug nach Griechenland gebucht hatten, mein Mann und ich. Auch das Ziel war das selbe. Wir flogen alle zu meiner Tochter und ihrer griechischen Hochzeit.
Sie hatte sich ein paar Tage vorher mit Basas hier "getraut", aber die neue Schwiegermutter bestand auf einer orthodoxen Trauung. Nun ja , kirchlich eben, wie bei uns. Das kann man ja noch nachholen. Kein Problem. Dachten wir
.
Als uns der Kurier die Eilunterlagen brachte, sahen wir erst einmal schwarz.

 Da stand zu wissen und lesen, sie verlangten in Griechenland für die Trauung einen Nachweis, dassJasmin unverheiratet und ledig sei. In Griechenland gilt die kirchliche Trauung und dort benötigt man dann diesen "Unbescholtenheitsnachweis"

Nun, unbescholten war sie noch immer, aber eben gerade einen Tag verheiratet. Sie hat es dann fertig gebracht, am Freitagnachmittag einen Notar aufzutreiben, der beglaubigte, dass der Ehemann der selbe, wie der in Griechenland zu heiratende, sei, und sie brachte es auch noch fertig, einen staatlich anerkannten Übersetzer zu finden, der das alles dann außerdem noch ins Griechische brachte. Und das alles in der Urlaubszeit!!

Dass sie in diesen Vorbereitungen Basas hübschen weißen "Snow" auf dem Heimweg schrottete , sei nur am Rande erwähnt.

Ich selbst hatte es gerade noch rechtzeitig zur Hochzeit aus der Klinik nach Hause geschafft. In einer vielstündigen OP hatte man mir eine fingrig zwischen alle Darmwindungen gewucherte Zyste entfernt, was zusammen eine Wundfläche von ungefähr einem Dreiviertelquadratmeter ergab, wie mir der Arzt später einmal,  auf meine Schilderung der Hochzeit, vorwarf . Jasmin war auf dem Rückweg von Karlsruhe, wo sie ihre Diplomarbeit abzugeben hatte, bei mir hängen geblieben, um hier den ganzen Tag zu putzen. Ein dolles Mädchen !

 Nachts, kurz, nachdem sie hier abgefahren war, kam dann der klägliche Anruf : " Papa, könntest Du.... Unfall...."

Nun, der Snow war hinüber. Basas trug es nicht nur wie ein Mann, sondern lächelnd schließlich als Bräutigam. Die Trauung war vorüber und der Kurier zurück nach Griechenland. Auch das Paar befand sich mittlerweile dort, um die griechische Hochzeit vor zu bereiten. Wir waren die Nachhut.

Dann war es endlich soweit.
Das Haus brummte. Leute kamen und gingen, luden Geschenke ab und blieben. Eine griechische Hochzeit ist nicht zu vergleichen, mit einer hiesigen. Nun, vielleicht noch auf dem Land.

Wir hatten uns in die oberen Räume des Hauses zurück gezogen , harrten der Dinge ,die da kommen sollten und bewunderten die Gelassenheit, mit der Jasmin und Basas das fünfzehnte gleiche Frappé-Service und die ebensolche dreißigste Servierplatte begutachteten.

Dann war die Friseuse abgezogen, der letzte Knopf an Basas Anzug versetzt. Ich hatte meiner Süßen ins Brautkleid geholfen und ihr meinen selbst gefertigten Schleier aufgesteckt. Unten auf der Strasse formierte sich das Dorf zum Brautzug.

Alles erwartete nun, dass die Braut die Treppen hinab käme. Stattdessen , große Aufregung. Der Brautschuh war weg, der Vater musste ihn erst auslösen.

Dann erschien sie. Ein Ah! und Oh! in der Menge. Man führte sie zur kranken Großmutter. Die hatte man eigens auf die Strasse gebracht , damit sie Jasmin den Familienschmuck überreichen konnte. Zwei Tage später würden wir die Sprengungen hören, mit der man der alten Frau das Grab in den steinigen Grund grub.

Aber erst ging es nun hier weiter.

Die Musikanten stellten sich auf, begannen zu spielen. Danach die Kinder mit den Riesentabletts voller hübsch verpackter Süßigkeiten, die unterwegs verteilt würden. Dann zwei junge Mädchen , welche die schweren Ständer mit den riesigen, meterlangen Kerzen in die Kirche trugen, dann....wir.

Wir, das waren einmal Basas, den zwei seiner Freunde fest untergehebelt hatten, damit er nicht im letzten Moment entfleuche. Oder ob der derart gestützt werden mußte,um diesen schweren Gang zu überstehen? Es sei dahin gestellt. Nach diesen Dreien folgte die Braut. Sie wiederum, wurde von uns, ihren Eltern, liebevoll links und rechts geführt.
Nun hatten aber die beiden Burschen, welche Basas gehenkelt hatten, jeweils die außenliegenden freien Arme in die Hüften gestützt und in den Händen ein Spitzentüchlein, neckisch am Zipfel gehalten. Dieses Tüchlein, bedeutete man uns, sollten nun wir hintendran fest fassen, damit solle nun nichts mehr dazwischen geraten können, zwischen diese hochzeitliche Sechserformation. Hinter uns schritten die Cumbaro´s, Babis Paten, die man später am Altar sowieso brauchen würde, dann seine Eltern, Jasmins Kommilitonen und Basas Freunde.  Danach das Dorf.

Mittlerweile zeigte die Uhr auf 18:00 Uhr und das Thermometer auf für uns Germanida´s immer noch unerträgliche 32 Grad . Es war "gefallen" (!)

Und nun gings los . Unsere Sechsereinheit im Stechschritt,und das in feinen Stöckelschuhchen über hoppelige, steinige Wege. Nein, damals gab es noch kaum eine schön geteerte glatte Strasse dort . Es war ein Bergdorf am Fuße des Falakrongebirges. Nun gut. Bald würden wir ja in einer hoffentlich kühlen Kirche sitzen können. Aber immer, wenn ich eben die Kirche in erreichbarer Nähe sah, war sie wieder verschwunden und tauchte , oh Schreck, hinter mir wieder auf. Jasmin lispelte mir zu: "Mami, lächeln ...!"

Und Mami lächelte. Trotz blödsinnigem OP- Wundschmerz und quälend strammgezogenem Bauchverband. Nein , Mami lächelte und nickte wie erfreut in alle Richtungen. Queen Mum konnte es kaum besser machen . Aber irgend wann fragte ich ein Mädchen, welches neben mir den Zug begleitete, fast verzweifelt: "Eben waren wir doch schon so nahe an der Kirche. WO IST SIE JETZT ????"
Da strahlte mich dieses Kind an und erwiderte: "Ach weißt du, unsre Braut ist so besonders schön. So eine haben wir nicht alle Tage. Da sind wir noch paar Umwege mit ihr gegangen....."

Dann endlich waren wir an der Kirche. Der Pápá (Pope) erwartete uns und nahm das Paar an ihren zusammen gelegten Händen und zog sie hinter sich her bis vor den Altar. Die Masse folgte. Gruppierte sich hautnah drum rum . Was? Nicht sitzen? Du lieber Augustin, wie sollte ich das bloß durchstehen?

Die Predigt begann.
Jeder Satz schien sich sechs Mal zu wiederholen und endete immer mit so etwas, wie "semun". Dieses wiederholte sich allerdings sehr häufig. Das konnte ja heiter werden und lausig lange. Endlich begriff ich. Er sagte alles einmal für den Bräutigam und zwar einmal für den Vater, einmal für den Sohn und einmal für den heiligen Geist. Dann wandte er sich an Jasmin und wiederholte jeden Satz ebenfalls dreimal . Nachdem ich das Prinzip der Predigt erfasst hatte, sah ich mich etwas um, ich verstand ja eh nichts.
Diese orthodoxen Kirchen sind wunderschön, aber meist etwas zu dunkel, um Feinheiten zu erkennen und so beschloss ich , mich in Geduld zu üben.

Später würde der Papa unter Absingen einer Litanei , ein wunderschönes , zuvor innig geküsstes, goldenes Buch... aha, die Bibel... an die schmale Brust gedrückt , das Paar an den zusammen gelegten Händen wieder im Schlepptau hinter sich herziehend, um den Altar herum kreisen. Der Cumbaro würde mit den Corona´s (Coronen ), ganz wichtiges Attribut, folgen, eifrig bemüht , sie über den Köpfen der Beiden im Schweben zu halten und das Schritttempo dabei mit seinen langen Beinen an zu passen, um ihnen nicht auf die Füße zu latschen
Danach würden die Beiden mit allem Möglichen bestückt, besteckt werden, ist besser. Basas mit Geldscheinen, Jasmin mit Schmuck und Geld. O-Ton später von Jasmin  "Also der, der mir den ersten Schein an den Busen nadelte, tat sich schon etwas schwer damit, ich mich auch......"
Noch später würden sich dann die Eltern am Ausgang postieren und  Hunderte von Händen zu schütteln zu haben. Ich solle dann einfach "Efcharisto" dabei sagen. Nachdem meine Hand bereits lahm geschüttelt sein würde, würde ich dennoch mein Efcharisto stammeln , es brummen, flüstern, hauchen , lispeln, trällern, in Tonlagen von Dur bis Moll, stakato, adagio,lento, lentano.  Jedem nach Art und Weise seines Grußes entsprechend. Bei ungefähr drei - vierhundert Händen gibt es da schon einige Möglichkeiten........

Die Nacht würde dann mit fröhlichem Tanz und ausgiebigem Gelage durch gefeiert werden. Jassy würde ihr Hochzeitskleid und den Schleier gegen ein bezauberndes, bei jedem Schritt fröhlich schwingendes Tanzkleidchen austauschen. Basas würde stolz seinen Tanz tanzen, und Wolfgang, mein Göttergatte, seinen " germanischen Bärentatzentanz" kreieren, der ihm viel Beifall und bei den Männern viel Anerkennung brachte.




Aber noch waren wir hier in der Kirche.

Die Hitze lastete noch immer ununterbrochen. Die Zunge klebte mir am Gaumen. Ich hatte Durst. Auf dem Altar stand indessen ein Glas Wein . Auch Jasmin schien durstig. Bildete ich es mir ein? Ihre Augen schienen inzwischen rotglühend zu sein , sooft sie begehrlich auf das Glas blickte . Dies geschah immer öfter. Als der Papa ihr dann das Glas hinhielt, damit sie einen Schluck nähme , hielt sie es mit den Lippen eisern fest , beugte sich darüber und trank es halb aus . Au weia ,ob das gut war?

DIe Schwüle war fast unerträglich, nahm in der Dunkelheit Höhlencharakter an.

In den Händen der Frauen waren überall Fächer aufgetaucht, wurden hierhin und dorthin gefächelt, fächelten zwitschernd zu Basas , fächelten zu Jassy , und zu ihren eigenen Männern.
Ich hatte keinen. Keinen Fächer. Aber ich hatte einen Mann. Suchend sah ich mich nach ihm um.

Da stand er in der Dämmerung und glänzte. Ganze Ströme Schweiß rannen ihm übers Gesicht.
Nun, einen Fächer hatte ich nicht. Aber ein Tempotaschentuch gewiss.

Ich fummelte in meiner Handtasche und fühlte etwas Weiches. Nahm es und tupfte über Wolfs Gesicht. Allerdings mehr nach Gefühl als nach Sicht, während ich versuchte , den Blick weiterhin auf das Geschehen vor mir zu konzentrieren.

Der Papa war faszinierend. Ein kleiner älterer Mann. Er hatte graues welliges , langsam schütter gewordenes Haar. Das hatte er am Hinterkopf zu einem dünnen Schwänzchen geflochten und senkrecht nach oben festgesteckt. Dazu trug er über schwarzem, langem Kleid ein weißes, spitzengesäumtes, artiges Kittelschürzchen . Wie nannte man das noch? War das
nun ein Talar, oder ein Scapular , oder war er schlicht im Ornat? Na egal. Allerdings, er schien nicht zu schwitzen.

Wolf fiel mir ein . Ich schaute mich nach ihm um und drehte mich träg wieder weg, um im gleichen Moment, wie von der Tarantel gestochen zurück zu fahren und genauer hin zu sehen.

 Mich rührte fast der Schlag und vergebens wartete ich auf das Donnerwetter, den Trommelwirbel, oder den Paukenschlag, mit denen solche Auftritte im Theater einher gingen.

Da stand er.  Piekfein, in Designeranzug und - schuhen. Aber im Gesicht ! Wie Neptun aus der Entengrütze.
Grüne Flocken und Flöckchen zierten seinen in der Hitze sprießenden Bart. Bedeckten ganz sein Gesicht. Hatten sich aufgelöst und waren hängengeblieben.

 Nein, ich hatte kein Tempotaschentuch erwischt. Es war eine alte grüne Papierserviette.....gewesen....

Sonntag, 24. Januar 2016

Märchen für Menschen mit Flügeln


Diese war meine erste Geschichte. Ich schrieb sie in jungen Jahren. Ein Märchen ? Ein Gleichnis?

Jedes Wort hat seine besondere Bedeutung und ist wortwörtlich gemeint. Somit doch eher Letzteres.



                                

                         Märchen für Menschen mit Flügeln






  

 
 
Ich möchte dir was erzählen.
Eines Tages wachte ich auf. Die Welt schien rosig. Staunend schaute ich mich um, rieb den Schlaf aus meinen Augen, aber die Röte um mich herum blieb.
Es war die Röte des erwachenden Tages.
Ich fand mich frei auf einem Feld liegend, eingetaucht in dieses allumfassende Licht, es lag auf meinen Armen, meinem Gesicht und es rieselte über meine Haare. Jedes Gräslein, jedes Blättchen war übergossen von sanft rötlichem Schein. Das Licht aber wurde spürbar, es streichelte meinen Körper und wohlig dehnte ich meine Glieder. Da bemerkte ich, dass alles rings umher still war. Ich horchte in diese Stille und da war sie belebt. Ich hörte, wie die Erde Feuchtigkeit atmete und ich hörte das Knabbern einer Wespe am harten Blatt des Salbei und das ferne Kück-kück einer aufgeregten Amsel. Ich sah, wie Blüten sich langsam entfalteten, Diamanten gleich , Tautropfen von den Blättern schüttelnd. Und ich machte mich auf, die Menschen zu suchen.
Ich ging, und plötzlich stand da inmitten lieblichster Landschaft eine Tür. Sie stand einfach so da. Eigenartiger weise konnte ich nicht rechts oder links an ihr vorübergehen, nein, etwas zwang mich, durch sie hindurch gehen zu müssen. So tat ich es.
Da war die liebliche Landschaft, in der ich erwacht war, verschwunden. Ein Wald lag vor mir, die Stämme glatt und hoch, wie die Pfeiler einer Kathedrale. Sie wuchsen aus feuchtem Moos, das unter niedrig webenden Nebelschleiern verborgen lag und ragten in einen Himmel, der keine Farbe mehr hatte, so hoch , so weit war er entfernt. Ein kühler Hauch wehte um mich und die Luft roch modrig und feucht. Bläulich grünes Dämmern, sanft im Nebel zerfließend, öffnete sich vor, und schloß sich hinter meinem Schritt. Aber ich ging nicht selbst, Irgendetwas schien mich voran zu tragen.
Nun hörte ich auch fern ein leises Wimmern. Ich ging dem Laut nach und meine Suche endete an einem kalten, klaren Bach, der ohne jegliche Bewegung seiner Oberfläche dahin floss. An seinem Ufer saß ein Kind. Es hatte die Beinchen frierend an den kleinen schmächtigen Körper gezogen, das Gesicht halb zwischen den Knien verborgen und - weinte. Weinte still und hoffnungslos. Seine Tränen fielen in den Bach. Dann zeigten sich dort ein paar Kreise, liefen auseinander und verebbten. Die Oberfläche war danach wieder so glatt wie zuvor.
 
 
 
 
 
 

 
Leise kniete ich nieder, umschlang zart das Kind mit meinen Armen

" Kind, was hat man dir angetan? - Wo kommst du her ?" fragte ich. Da sah es mich an und sein Blick kam von weit, weit her.
" Ich komme von den Menschen ----
ich möchte wieder zu den Menschen,
aber den Weg dorthin kann ich nun nicht mehr finden."
Damit senkte es in hoffnungsloser Gebärde sein Gesicht wieder zwischen die Knie, und ich bemerkte plötzlich den eigenartigen Glanz in den Haaren des Kindes. Wie viele kleine verborgene Lichter. Ich streichelte sanft darüber hin. Da hob es seinen Kopf.
" Bist du ein Mensch?" fragte es da.
" Ja, ich bin ein Mensch."
Hoffnung schwang in seiner Stimme:
" Und aus welcher Richtung bist du gekommen?"
" Ich kam von dort."
Und ich zeigte hinter mich, wo ich das weite schöne Land wusste, in dem ich nach Menschen suchen wollte,
" Und du sagst, du bist ein Mensch ?"
" Aber ja, ich bin ein Mensch! "
" Und - du hast mich gestreichelt ?"
" Ja, ich habe dich gestreichelt."
" Und - und du hast mit mir gesprochen - ", stellte es nachdenklich fest.
" Dann will ich dorthin gehen in jene Richtung ! "
Das letzte Wort klang schon fast wie Jubel und fernes Vogelgezwitscher durch den Wald.
" Hallo, du," rief ich dem dahineilenden Kinde nach, " verrate mir noch, wer du bist !"
" Ich heiße Menschlichkeit ! Vergiss nie: Menschlichkeit.....!"
" Menschlichkeit. Liebe kleine Menschlichkeit", flüsterte ich,
" bitte finde die Menschen, lerne wieder, an sie zu glauben und sie an dich. Du mußt wachsen
und eines Tages wirst du groß sein, je größer du bist, desto weniger können sie dir anhaben. Aber, bitte , finde die Menschen !"
Sinnend lauschte ich den sich entfernenden Geräuschen des Kindes nach; lange stand ich so. Als ich aus meine Gedanken zurück kehrte, bemerkte ich, es hatte sich irgend etwas geändert.
Ich wußte nicht gleich, was es war. Aber dann hob ich meine Augen empor und sah, dass der Himmel über mir plötzlich blaute. Er war nicht mehr farblos und fern. Nein, seine strahlende Bläue schien zum Greifen nahe und Freude überkam mich. Ich sah die Baumkronen sich im Himmel wiegen und war nicht mehr allein : die vorher unnahbaren Stämme zeigten ihre Kronen, ihr Geäst. Es waren Bäume, Wipfel, es war Leben unter diesem Himmel ! Wie ein Freudentaumel überkam es mich und ich begann, mich zu drehen, das Gesicht immer dabei nach oben gerichtet. Meine Arme ausgebreitet, drehte und taumelte ich um meine eigene Achse und alles kreiste mit mir. Die Freude in mir wuchs, sie schien in mir bersten zu wollen.
Bunte Punkte schwebten schließlich um mich und ein seltsames Gefühl der Leichtigkeit stieg in mir hoch. Da sah ich, dass die Punkte näher kamen, zu großen Schmetterlingen mit buntschillernden Flügeln wuchsen. Und ich, ich war mitten unter ihnen. Ich besaß plötzlich auch Flügel, so bunt, wie nur die Phantasie sie malen kann. Ich fühlte mich so wunderbar leicht, und mit den flatternden Bewegungen meiner Arme stieg ich trunken vor Glück mit den Schmetterlingen immer höher und höher in das unendliche Blau des Himmels.
Jauchzend schwebte ich nun dort oben. Glückselig. Da kam der größte der Schmetterlinge herangegaukelt. Sein Flügel strich mir über mein Gesicht und er warnte:
" Halt ein. Zur Sonne kannst du nicht...!"
 
.
 

 

Da glitt es wie Tränen über meine Wangen, Angst schlich in mein Herz. Meine Glieder wurden schwer und meinen Flügelschlägen und meinen Flügelschlägen fehlte nun mehr die Kraft. Tiefer sank ich und immer tiefer, hinab zur Erde. Verzweifelt rief ich:
" Schöner bunter Schmetterling, wer bist du, dass du mir Einhalt gebietest, wo ich glücklich war? Weshalb lässt mich die Berührung deines Flügels hinabgleiten zur Erde, macht mich so beklommen und wehe ?"
" Weißt du das denn nicht ? Ich bin die Traurigkeit."
" Aber wieso bist du so schön ?" fragte ich und strich zaghaft über die buntschillernden Flügel des neben mir ausharrenden Schmetterlings.
" Du trägst ja das fröhliche Kleid des Glückes!"
" Oh ja, es heißt Erinnerung und das Glück selber gab es mir. "
" Aber Traurigkeit", fragte ich, " wie kannst du des Glückes Kleid Erinnerung tragen ? Ihr beide seid doch so verschieden."
" Glaubst du das?" lächelte da die Traurigkeit.
" Weißt du denn nicht, dass wir zusammen gehören ? Ich bin die Schwester des Glückes .Nur durch mich kannst du zum Glück gelangen ."
" Nein, ich brauche dich nicht. Gäbe es dich nicht, so könnte ich immer glücklich sein!" begehrte ich auf.
" So könnte man meinen," erwiderte geduldig der Schmetterling, namens Traurigkeit,
" aber gäbe es mich nicht, woher wolltest du dann wissen, wann du glücklich bist? Glücklich- sein ist Nicht-traurig-sein. Wenn du traurig bist, bist du es um so mehr , als du vorher glücklich warst. "
"Ja, dann bist du das , die ganz leis an´s Herz rührt, wenn man sich am glücklichsten wähnt"
"Sicher, wo das Glück am größten , da bin ich am nächsten. Alles Schöne birgt auch immer ein wenig Trauer, denn du weißt um seine Vergänglichkeit."
Damit erhob sich der Schmetterling. Ich sah ihm nach, wie er in den bunten Schwarm eintauchte und fühlte, wie eine tiefe Wehmut in mir zurück blieb. Irgend etwas in mir schien wiederum bersten zu wollen, aber dieses Mal war es Trauer, die mich gefangen hielt. Ich wollte weinen. Aber dann sah ich die bunten Flügel, schaute ihnen nach, wie sie verheißungsvoll in der Sonne glitzerten und dachte:
" Wahrhaftig, jede Traurigkeit trägt des Glückes Kleid Erinnerung !"
Es war nur ein kleiner Trost, dieses Wissen um der Traurigkeit fröhliches Gewand, aber genügend, um mich zu erheben und meinen Weg zu suchen. Der Wald umschloss mich wieder mit seiner Einsamkeit. Ich ging in sie hinein.
Der Weg schien nun endlos und eben so unendlich müde schleppte ich mich weiter. a öffnete sich plötzlich eine Lichtung. Helle Gestalten erblickte ich, und eine Musik erklang, wie ich sie süßer nie zuvor gehört hatte. Sanft wiegend und zärtlich, dann wieder tief orgelnd , schwer und traurig. Die Gestalten bewegten sich zu den Klängen dieser Musik mit einer Anmut, die nichts von dieser Erde zu wissen schien. Über allem lag solch eine ruhige Heiterkeit, dass ich nur den einen Wunsch hatte : ich wollte dort dazu gehören. Wie ein Magnet zog es mich in den Kreis der Tanzenden. Freundliche Hände ergriffen die meinen und bald war ich im wiegenden Reigen eine der ihrigen. Das Firmament senkte sich tiefblau über die Lichtung und in unsere Reihen schienen sich die Sterne zu mischen. Die Musik erfüllte mich ganz und Zärtlichkeit durchpulste meine Adern. Ich hatte keinen Wunsch mehr, keinen Gedanken.
" Schwestern, liebe Schwestern," jubelte ich glücklich, " endlich habe ich nach Hause gefunden! Oh, ich bleibe bei hier, bei euch. Sagt mir eure Namen !"
Da wendeten liebevolle Gesichter sich mir zu und eine Gestalt nach der anderen schenkte mir ein zärtliches, nachsichtiges Lächeln, während unsere Füße uns weiter im Reigen trugen.
" Wir tragen alle verschiedene Namen. Einen aber haben wir gemeinsam. Er heißt - Tod !"





 
 
Erschrak ich etwa? Nein, es war nicht der Ort und es war nicht die Zeit zu erschrecken. Nichts störte die gelassene Heiterkeit, nichts vermochte mich hier zu ängstigen. Aber bleiben? Bleiben wollte ich nun auch nicht mehr. Ich hatte ja Menschen suchen wollen, ich war noch nicht am Ende.
Mit traurigem Blick und entsagendem Lächeln löste ich mich aus dem Kreis. Die Schwerelosigkeit verlor sich, ich war wieder ein Kind der Erde. Etwas wollte ich aber noch wissen:
" Weshalb seid ihr aber so heiter?" rief ich über die Schulter zurück.
" Weil wir alle Traurigkeit hinter uns gelassen haben. Wir haben sie einfach vergessen !" scholl es mir fröhlich nach. Dann verschluckte mich wieder der Wald.
Diesmal sah ich nicht mehr links und rechts. Ich wußte meinen Weg. Und Eile trieb mich. Ich fand auch die Tür wieder. Diesmal stand sie offen. Ich ging mitten hindurch und fand m e i n e Landschaft. Das rosige Licht war gewichen. Rings umher gab es Sonne und Schatten, eben wie an einem schönen Tag im Sommer. Ich ging in diese Landschaft hinein, sah Wälder, Felder, Wiesen, Äcker, fand steile Berge, schroffe Klippen, enge Schluchten und weite Täler. Und ich ging und suchte die Menschen..............................................................